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Den 110 Anwesenden bei einer Informationsveranstaltung der SPD Siedlungen Süd erläutert Frank Jülich, Chef der städtischen Verkehrsplanung, zunächst das Planungsprocedere und den Nahverkehrsentwicklungsplan. „Uns ist es sehr wichtig, dass die Bürger so früh wie möglich und vor allem vor der Stadtratsentscheidung informiert werden“, betont SPD-Stadtrat Gerald Raschke.
350000 Fahrten werden täglich mit Bussen und Bahnen in Nürnberg zurückgelegt. Im Jahr 2011 entsprach dies einer Nutzung durch 22 Prozent der Bürger. „Optimal wären 30 Prozent“, bekräftigt Jülich. Bisher fahren 44 Prozent der Nürnberger mit dem eigenen Auto, 23 Prozent gehen zu Fuß und 11 Prozent steigen aufs Fahrrad.
Um noch mehr Autofahrer zum Umsteigen auf die öffentlichen Verkehrsmittel zu bewegen, befürwortet der Nahverkehrsentwicklungsplan die Verlängerung der U-Bahn bis nach Eibach, den Bau einer nördlichen Altstadtquerung mit der Tram sowie Straßenbahnlinien ins Entwicklungsgebiet Brunecker Straße, nach Worzeldorf und Kornburg sowie nach Zabo und Fischbach (der Stadtanzeiger berichtete).
Den Interessierten, die zur Veranstaltung in die Germersheimer Straße gekommen sind, brennen nach Jülichs Präsentation einige Fragen unter den Nägeln – vor allem nach den Linienführungen, den Kosten und den Zeiträumen, in denen gebaut werden soll. Die SPD-Vertreter versichern, dass bisher noch keine konkreten Streckenführungen ausgearbeitet wurden. „Sollte die Straßenbahntrasse nach Kornburg über den Hafen geplant werden, wäre das für die Katz, denn die Linie ginge komplett an der Bevölkerung vorbei“, moniert ein älterer Herr und erhält vielfache Zustimmung.
Auch werden Befürchtungen laut, dass durch den Wegfall von Buslinien manche Siedlung vom ÖPNV abgeschnitten werde. Raschke versichert, dass für diesen Fall eine Ringerschließungslösung gesucht und ausgearbeitet würde. Er fügt an, dass die Bevölkerung trotz anfänglicher Skepsis inzwischen ohnehin eine Trassenführung über die Saarbrückener Straße favorisiere.
Er selbst könne sich diese Variante mit einer „leisen Straßenbahn“ vorstellen, jedoch müsse der Lkw- und Schwerlastverkehr erheblich eingedämmt werden, erklärt Raschke, der in der Hochwaldstraße wohnt. „Kämen auf die Anwohner der Saarbrückener Straße Forderungen nach Grundstücksabtretungen zu?“, kommen besorgte Fragen aus dem Publikum. Darauf könne er erst nach dem Stadtratsbeschluss antworten, bedauert Raschke.
Einige Veranstaltungsbesucher wollen wissen, wie die Stadt die immensen Kosten stemmen will? Der Bau der Straßenbahn bis nach Kornburg wird mit 77 Millionen Euro veranschlagt, der Weiterbau der U3 sogar mit 95 Millionen – neben dem Ausbau des Frankenschnellwegs, der an die 400 Millionen Euro verschlucken wird.
Die Frage sei berechtigt, so heißt es, denn bisher fehle der Stadt das Geld. Ein Teil der Investitionen sei zwar gesichert, doch werde die Finanzierung durch die rückläufigen Zuschüsse von Bund und Freistaat faktisch immer schwieriger, bedauert Frank Jülich. „Bayern hat die ÖPNV-Förderquote von 65 auf 50 Prozent gesenkt und wird sie bis 2020 ganz einstellen.“ Ab dann stünde ein sehr hoher Investitionsbedarf einer Nullförderung gegenüber. Die Stadt suche nach Lösungen, denn auf Nürnberg und die Verkehrsplaner komme in der Tat ein finanzieller Kraftakt zu.
Die Versammlung verläuft ausgesprochen ruhig und sachlich. „Das ist bei Verkehrsdiskussionen sonst eher nicht der Fall“, freuen sich Raschke und Norbert Schneider, Vorsitzender der SPD Siedlungen Süd. Was nun im Nürnberger Süden bis ins Jahr 2025 verkehrstechnisch tatsächlich verwirklicht wird oder auch nicht, darüber entscheidet demnächst der Verkehrsausschuss des Stadtrates. Gerald Raschke versichert: „Auch nach dem Stadtratsbeschluss werden die Bürger auf jeden Fall weiter informiert.“
In unserer Fotoserie "Mittags in der Stadt" finden Sie an den fünf Werktagen ein aktuelles Foto aus Nürnberg.