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An diesem Samstag sind in Gostenhof zwischen der Rothenburgerstraße, der Austraße und der Fürther Straße die Hinterhöfe für Flohmarktverkäufe geöffnet. Unter einer schattigen Weinlaube verkaufen in der Adam-Klein-Straße drei Parteien ihre aussortierten Sachen. Andreas (21) sitzt hier in Vertretung seiner Freundin, die sich gerade in anderen Hinterhöfen umsieht. „Sie will im Kleiderschrank Platz schaffen“, sagt er. Weiter hinten werden Playmobilfiguren verkauft, Bücher und CDs.
Künstlerin Anna Bien deckt sich noch bei den Bauern mit Gemüse ein und strahlt dabei übers ganze Gesicht. Sie hat eine schöne Wanduhr mit Handaufzug erstanden. „Die ist sehr alt!“, sagt sie.
Ein paar Häuser weiter erwirbt eine junge Frau gerade eine hübsche kleine „Ananasdose“ für einen Euro. Verena ist mit Freundin Anna unterwegs. Die beiden 31-Jährigen sind begeisterte Flohmarktgängerinnen. „Auch im Urlaub stöbern wir gern“, sagt Anna.
„Manchmal staunt man, was für schöne Hinterhöfe sich hinter unscheinbaren Fassaden verbergen!“ Dennoch wollen die beiden Frauen nicht nur die Atmosphäre genießen, sondern auch etwas finden. Am besten Schmuck zu günstigen Preisen, oder eine original Melitta Milchkanne.
Nicht nur in den Hinterhöfen herrscht reges Treiben, auch auf den Straßen Gostenhofs sieht man viele Menschen, oft schon mit einigen Schätzen bepackt, bummeln oder vielmehr mit eifrigen Schritten von einem zum nächsten Hinterhof ziehen.
Auch die Leute vom Gostner Hoftheater haben sich nicht lumpen lassen und ihre Keller und Dachböden nach Raritäten durchforstet. Gerhard Kohler preist eine Lautsprecheranlage an, die er aus einer aufgelassenen Industrieanlage ausgeschraubt hat. „Ein Grundig-Modell, aus den 50er Jahren!“
Den Taschenrechner seines Bruders aus den 80er Jahren und den Federkielhalter seines Großvaters bietet er ebenfalls an. Oder das ein Meter lange Modell eines Hapag-Lloyd Kreuzfahrtschiffes.
Während in manchen Hinterhöfen das Leben nur so brummt, geht es in anderen beschaulicher zu. Benedikt Fink und Freundin Johanna Ziegler hätten sich mehr Kundschaft gewünscht. „Wir wären schon gerne unsere Deckenlampen losgeworden. Aber dass man mit so manchem ins Gespräch gekommen ist, dafür hat es sich allein schon gelohnt“, sagt er weise. In die Volprechtstraße haben nicht so viele den Weg gefunden, vielleicht weil hier insgesamt weniger Häuser beim Gostenhofer Hinterhof Flohmarkt mitgemacht haben.
Auf der Straße schiebt Künstler Karsten Neumann sein Fahrrad mit Anhänger. Den aparten Halsschmuck auf seinem orangefarbenen T-Shirt hat er aber nicht beim Hinterhof-Flohmarkt gefunden, sondern er ist seine Eigenkreation. Dafür hat er einen Campingstuhl und warme Wollmützen für den Winter entdeckt. Er schätze den Partycharakter dieses Flohmarktevents, sagt er.
Während sich einige Hinterhöfe als grüne Oasen mit Vogelgezwitscher und Kinderschaukel erweisen, zeigen sich andere fast als Szeneambiente: hier läuft Musik, während man sich (ehemals) modische Kleider und T-Shirts ansehen kann. Ein anderes Mal wirkt es so, als wären die versammelten alten Dinge nur der Vorwand, um sich als befreundete Hausgemeinschaft gemütlich im Innenhof zusammensetzen zu können.
In der Kernstraße hat Sonja Seuß dafür gesorgt, dass ihre Flohmarktkunden auch etwas zum Essen und Trinken bekommen. Schließlich führt sie die Metzgerei „Mahlzeit“ im Laden zur Straße hin und weiß in Sachen Verpflegung Bescheid. Aber auch ihre Ware bietet sie wortgewandt an, wie die original 70er Jahre Sonnenbrille von Christian Dior, die ihrer Oma gehört hat. Oder die Polyesterkleider in grellem Orange-Blau.
Seuß ist froh, dass sie hier keinen großen Aufwand treiben muss. Sich lange um einen Platz beim großen Nürnberger Trempelmarkt zu bemühen, dafür hat sie als Vollzeit arbeitende Mutter keine Zeit. Diese Flohmarktidee ist für sie ideal.
In unserer Fotoserie "Mittags in der Stadt" finden Sie an den fünf Werktagen ein aktuelles Foto aus Nürnberg.