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Eltern schätzen Naturkindergärten

Kritik an Äußerung des Jugendamts — Verein will im Herbst starten — Standort in der Stadenstraße in Aussicht - 08.02. 07:58 Uhr

ERLENSTEGEN  - „Ich bin skeptisch, ob in Nürnberg Bedarf für einen zweiten Waldkindergarten besteht.“ Diese Äußerung von Günter Richter vom Jugendamt hat bei Eltern für Wirbel gesorgt. Weil sie sich für ihre Kinder einen Betreuungsplatz im Grünen wünschen und die Sozialpädagoginnen unterstützen wollen, die in Erlenstegen einen neuen Naturkindergarten planen.

Der Verein „Wald- & Wiesenkinder“ veranstaltet naturpädagogische Aktionen. Zuletzt besuchten Kinder den Winterkönig, während sich ihre Eltern über den neuen Waldkindergarten informierten.
Der Verein „Wald- & Wiesenkinder“ veranstaltet naturpädagogische Aktionen. Zuletzt besuchten Kinder den Winterkönig, während sich ihre Eltern über den neuen Waldkindergarten informierten.
Foto: Privat
Der Verein „Wald- & Wiesenkinder“ veranstaltet naturpädagogische Aktionen. Zuletzt besuchten Kinder den Winterkönig, während sich ihre Eltern über den neuen Waldkindergarten informierten.
Der Verein „Wald- & Wiesenkinder“ veranstaltet naturpädagogische Aktionen. Zuletzt besuchten Kinder den Winterkönig, während sich ihre Eltern über den neuen Waldkindergarten informierten.
Foto: Privat

Wie berichtet, möchten vier pädagogische Fachfrauen vom „Wald- & Wiesenkinder Verein zur Förderung der Wald- und Naturpädagogik“ in Nürnberg einen Naturkindergarten auf den Weg bringen. „Schnirckelschnecke“ soll er heißen, die acht Vereinsmitglieder wünschen sich, dass bereits in diesem Herbst 18 Kinder draußen herumtoben können.

In Bayern gibt es 200 Waldkindergärten, in Nürnberg bestehen seit 15 Jahren die „Waldwichtel“ am Schmausenbuck. Die Nachfrage nach Plätzen sei enorm, sagt Susanne Moessner. Sie erledigt für die Waldwichtel die Verwaltungsarbeit. „Zu unserem Infoabend kamen 75 Eltern, wir haben heuer aber nur neun Plätze zu vergeben.“ Bereits 2011 konnte der Waldwichtel-Kindergarten nicht mal alle Geschwisterkinder unterbringen, die im Normalfall einen Platz sicher haben.

Fördermittel fließen



Susanne Moessner gehört zu den Initiatorinnen des neuen Waldkindergartens „Schnirckelschnecke“, sie würde dort gerne möglichst bald als eine von zwei hauptamtlichen Erzieherinnen arbeiten. Dass es bei der Nachfrage hapern könnte, befürchtet sie aufgrund ihrer Erfahrungen bei den Waldwichteln nicht. Günter Richter, Abteilungsleiter im Jungendamt, will seine Aussage über den Bedarf für einen zweiten Waldkindergarten nicht missverstanden wissen. „Das Jugendamt möchte eine weitere Einrichtung keinesfalls verhindern“, betont Richter. „Wir würden einen neuen Waldkindergarten in den städtischen Bedarfsplan aufnehmen, für die Betriebskosten gibt es Fördermittel.“

Isabelle Raths, Mama des zweijährigen Benjamin, war erst sprachlos über Richters Bemerkung, dann schrieb sie an den Stadtanzeiger: „Das kann Herr Richter nicht ernst meinen, oder?“ Schließlich sei der Bedarf an Kindergartenplätzen in Nürnberg enorm, „ich habe viele Kindergärten abgeklappert, um einen Platz für Benjamin zu bekommen“, aber keiner gab der 42-Jährigen bislang eine feste Zusage. „In Nürnberg werden dringend Kita-Plätze gebraucht, egal ob in großen Einrichtungen oder von einer kleinen Initiative wie dem Wald- & Wiesenkinder Verein“, meint Raths.

Sie würde Benjamin liebend gern bei den „Schnirckelschnecken“ unterbringen. „Ich finde den Ansatz total schön. Wann haben die Kinder je wieder die Chance, so viel Zeit draußen zu verbringen?“ Raths ist überzeugt, dass die Kinder im Wald ganz anders gefordert sind als in herkömmlichen Kindergärten mit strenger Einteilung in Puppen- und Bauklötzchen-Ecke. „Im Wald suchen sie sich ihr Spielzeug selber und wenn sie etwa mit Stöcken und Blättern bauen, müssen sie sich gegenseitig helfen.“ Das sei gut fürs Sozialverhalten.

Ursprünglich wollten sich die „Schnirckelschnecken“ im Wald nahe des Schießhauses in Erlenstegen niederlassen. Der Staatsforst hatte den Initiatorinnen den Platz nahe der Günthersbühler Straße angeboten. Doch die Stadt lehnte ab, weil die Fläche im Wasserschutzgebiet liegt und an ein Vogelschutzgebiet grenzt.

Als Alternative wurde dem Verein ein Platz in der Stadenstraße gegenüber dem Seniorenheim vorgeschlagen. „Der Ort würde hinkommen, der Waldstreifen ist groß genug, wenn auch nicht so idyllisch wie der an der Günthersbühler Straße“, sagt Susanne Moessner. Ob der Verein dort tatsächlich noch heuer Bauwagen und Kompost-WC aufbauen kann, liegt aber nicht nur an der baulichen Genehmigung. Auch die Finanzierung muss noch klappen. Moessner und ihre Kolleginnen möchten einen Förderverein von Eltern ins Leben rufen und Sponsoren suchen sie auch noch. Eine Anfrage bei den Rotariern läuft bereits.

  



UTE MÖLLER

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