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Frau Meier, die atomare Aufrüstung brachte vor 30 Jahren die Menschen auf die Straße. Wie haben Sie die Zeit erlebt?
Birgitta Meier: Sehr aktiv. Ich war damals mit meinem Ingenieurstudium fertig und habe in Karlsruhe das Aufleben der Friedensbewegung erlebt. Im Sommer 1982 kamen zu einer Demonstration rund 500000 Menschen, das war schon beeindruckend.
War das damals Ihr Einstieg in die Friedensbewegung?
Meier: Ja, auf alle Fälle. Bis dahin stand ich ihr neutral gegenüber.
Wie haben Sie die große Menschenkette im Oktober 1983 mit 1,3 Millionen Teilnehmern erlebt?
Meier: Obwohl der Anlass eher ein trauriger war, habe ich richtig euphorische Erinnerungen. Mit dem Zug sind wir hingefahren — und dann standen wir auf der Schwäbischen Alb und die Kette hat sich geschlängelt, weil so viele Leute da waren. Die IG Metall Nürnberg hatte allein 1500 Menschen hinbefördert. Insgesamt war es ein enormer logistischer Aufwand, wir hatten uns Funkgeräte und Motorrad-Streifen besorgt — aber es hat sich gelohnt.
Wie waren damals die Reaktionen auf die Großproteste?
Meier: Die deutsche Bevölkerung hat die Botschaft ausgesendet, dass sie keine Atomraketen und keinen Krieg will. Sie ist im Ausland gut angekommen. Und das Medieninteresse war enorm, was alle Beteiligten beflügelt hat, weiterzumachen.
Dachten Sie denn, dass die Atomraketen tatsächlich verschrottet werden?
Meier: Als Gorbatschow in der Sowjetunion an die Macht kam und Abrüstungsvorschläge machte, hat man gespürt, dass es Bewegung gibt. Ich habe wirklich geglaubt, dass wir es schaffen können, die Atomraketen wegzukriegen. Doch mit der Wiedervereinigung Deutschlands rechnete ich nicht.
Sie planen eine Ausstellung über diese Zeit im Friedensmuseum, die im Dezember beginnt. Was wird im Mittelpunkt stehen?
Meier: Unsere Ausstellung heißt „Frieden braucht Bewegung“ und sie wird am 8.Dezember anlässlich 25 Jahre Raketenverschrottungsvertrag eröffnet. Aufbereitet wird dabei das ganze bewegte Jahrzehnt von 1979 bis 1989. Im Mittelpunkt stehen vor allem die Aktionen der Friedensbewegung, die damals entwickelt wurden — wie die Menschenketten und gewaltfreien Blockaden, über die das Bundesverfassungsgericht später entschied, dass sie keine Nötigung sind.
Sie wollen auch die Aktiven vorstellen.
Meier: Ja, wir möchten 100 „83er“ in Nürnberg finden, die damals dabei waren und in der Ausstellung sagen, was sie von der Friedensbewegung am meisten beeindruckt hat. Ich wette, dass sich 100 finden lassen, die wir in einer Foto- und Tonband-Collage vorstellen wollen.
Wen wollen Sie mit der Ausstellung erreichen?
Meier: Eigentlich haben wir zwei Gruppen besonders im Fokus. Zum einen die Zeitzeugen, die sich in unserem Archiv einbringen können. Zum anderen die jungen Leute, die sich im Leben einmischen wollen. Hier erwarte ich spannende Dialoge zwischen den Generationen.
Wie sehen Sie die Friedensbewegung in der heutigen Zeit?
Meier: Ich finde die Entwicklung insgesamt sehr positiv. Und das Internet hat eine starke Demokratisierung gebracht, nicht nur in der arabischen Welt. Man braucht heute kein Geld für Druckmaschinen mehr, um sich Gehör zu verschaffen, und muss keine Briefe schreiben, um an politisches Material heranzukommen.
Aktive von damals, die bei der Ausstellung dabei sein wollen, können sich unter Friedensmuseum@online.de melden.
In unserer Fotoserie "Mittags in der Stadt" finden Sie an den fünf Werktagen ein aktuelles Foto aus Nürnberg.