5°C

Samstag, 25.10. - 10:49 Uhr

|

«Fürth kassiert die Steuern und wir zahlen»

Weiterbau der Höfener Spange sorgt für Kritik an der Fürther Siedlungspolitik - Entlastungswirkung im Nürnberger Westen umstritten - 26.11.2008

Das letzte Teilstück der Höfener Spange (rot markiert) soll ab 2010 gebaut werden. Die Grenze zu Fürth ist blau gestrichelt. Grafik:NN

Das letzte Teilstück der Höfener Spange (rot markiert) soll ab 2010 gebaut werden. Die Grenze zu Fürth ist blau gestrichelt. Grafik:NN


Wenn alles glatt geht, soll bereits im Jahr 2010 mit dem Bau des zweiten Teilstücks der Höfener Spange begonnen werden. Teil eins zwischen Südwesttangente und Virnsberger Straße wurde bereits im Mai 2000 für den Verkehr frei gegeben. Sinn des vor allem im Nürnberger Westen sehr umstrittenen Verkehrsprojekts ist es, eine direkte Verbindung zwischen Südwesttangente und Frankenschnellweg zu schaffen. Die Spange verläuft direkt an der Nahtstelle zwischen Nürnberg und Fürth. Auf beiden Seiten entstanden in den letzten Jahren großräumige Wohn- und Gewerbegebiete, die nun besser an das Straßennetz angeschlossen werden können.

Gleichzeitig soll die Sigmundstraße entlastet werden, die mit derzeit rund 30000 Fahrzeugen pro Tag, davon zehn Prozent Lkw-Verkehr, an den Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit angelangt ist. Mit einem weiteren Anstieg ist zu rechnen, weil entlang der Sigmundstraße eine schleichende Umnutzung von reinen Produktionsbetrieben in verkaufsorientierte Läden und Fachmärkte für erhöhten Kundenverkehr sorgt. Die erwartete Entlastung durch die Höfener Spange bezweifelt Peter Büttner, Vorsitzender des Bürgervereins Nürnberger Westen.

Im Verlauf der Höfener Spange bestehe an der Bahnunterführung «Stadtgrenze» in der Höfener Straße ein echtes Nadelöhr, weil hier Lkw mit mehr als vier Metern Höhe nicht durchkommen. Büttner: «Wir sind davon ausgegangen, dass die Spange erst gebaut wird, wenn dieser Engpass beseitigt ist. Doch davon ist keine Rede mehr.» Also werde der Verkehr weiter durch die Sigmundstraße rollen.

Und hier bleibt es eng, denn Nadelöhre, wie der viel zu niedrige Tunnel in der Leyher Straße, werden ebenso wenig verbreitert, wie die Fahrbahn der Sigmundstraße zwischen der Ipsheimer Straße und Burgbernheimer Straße.

Was Büttner aber ganz besonders auf Palme bringt, ist die Tatsache, dass die Höfener Spange dazu dient, die neu entstandenen Siedlungs- und Gewerbegebiete der Stadt Fürth entlang der Stadtgrenze zu erschließen. Büttner: «Und das auf Kosten der Nürnberger und zu Lasten der Bewohner im Westen.»

Die Fürther Politik, einen Betrieb nach dem anderen direkt an der Stadtgrenze zu platzieren und die Nürnberger für die Lösung der Probleme aufkommen zu lassen, ziehe sich übrigens von Süd nach Nord bis hinauf ins Knoblauchsland durch. Büttner: «So geht es nicht. Die kassieren die Gewerbesteuer und wir müssen zahlen.» Jedenfalls werfe die gesamte Planung mehr Fragen als Lösungsansätze auf.

Schon beim Bau des ersten Teilstücks von der Südwesttangente zur Virnsberger Straße gab es heftige Proteste vor allem von Landwirten und Naturschützern. Kritisiert wurde, dass hier ohne Not wertvolles Ackerland und Existenzen von bäuerlichen Betrieben vernichtet werden. Geplant wird die Spange seit 1965. Ursprünglich sollte sie sechsspurig ausgebaut werden. 1996 beschloss der Stadtrat eine Reduzierung auf zwei Fahrspuren. Prognosen rechnen bis 2020 mit einer Belastung von 21000 Fahrzeugen am Tag. (Siehe Vorstadtbrille Seite 2)

Derzeit läuft der Antrag der Stadt zum Planfeststellungsverfahren. Die Unterlagen sind bis 16. Dezember im Tiefbauamt, Peuntgasse 5, Zimmer 111, während der Dienstzeiten ausgelegt. 

Reinhard Schmolzi

Seite drucken

Seite versenden