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Der Hof ist gesäumt mit Stauden, Kräutern, Gemüse, Samen — eben „alles, was grün ist“, wie es im Infoblatt des Kulturladens steht. Zwischen den Mitbringseln haben sich Grüppchen gebildet. Locker wird sich über das Hobbygärtnern ausgetauscht.
Dagmar Jones ist dagegen im Jagdfieber. Das Objekt ihrer Begierde? „Schattenpflanzen, Gemüsepflanzen, Sumpfdotterpflanzen“, zählt sie auf, ehe das Gespräch abrupt abreißt und sie sich zu einem Pflanzenkübel hinunterbeugt. Ehemann Robert hat für sie einen Garten angelegt, nun gilt es ihn zu füllen. Er erträgt den Eifer seiner Frau mit Fassung. „Sie ist eine leidenschaftliche Gärtnerin. Ich habe keine Entscheidungsgewalt im Garten, da macht sie, was sie will.“ Und das nicht erst im neu angelegten Garten, auch zuvor war die Fürtherin ein regelmäßiger Gast bei der Pflanzentauschbörse. „Es entstehen richtige Freundschaften, hier fachsimpeln wir unter Gleichgesinnten“, schwärmt Dagmar Jones.
Rund 50 Gartenbegeisterte sind beim Kulturladen Ziegelstein zum Tausch von Pflanzen und Tipps vorbeigekommen. „Es hat sich eine feste Clique von Hobbygärtnern zusammengefunden, die jedes Jahr kommt“, weiß Organisatorin Viola Gburek von der BN-Ortsgruppe Ziegelstein-Buchenbühl. Die Idee schaute man sich vor 15 Jahren von anderen Ortsgruppen ab. Ziel war es, den Hobbygärtnern im Stadtteil eine Plattform zum Austausch zu bieten. Händler nehmen nicht an der Pflanzentauschbörse teil, „weil der Gewinn nicht im Vordergrund steht“, wie Gburek sagt. Jeder Teilnehmer bringt einfach etwas mit und darf sich dafür was anderes aussuchen, sofern der Tauschpartner damit einverstanden ist.
Gefeilscht wird nicht. Gburek ist eine leidenschaftliche Tomaten-Sammlerin und würde gern schwarze Tomaten ergattern. Dafür bietet sie kleine Pflanzenableger. Wer nichts zu tauschen dabei hat, aber trotzdem etwas mitnehmen möchte, soll ein paar Münzen in die Geldbüchse des BN werfen.
Während Dagmar Jones nach dem Ende der Jagd mit anderen Hobbygärtnern plaudert, hat auch ihr Ehemann einen Gesprächspartner gefunden — einen, der ebenfalls nichts mit Pflanzen anfangen kann. „Ich habe einen kleinen Balkon, da kann ich leider nichts brauchen“, sagt Ludwig Wiedenhofer. Stattdessen hat sich der Rentner dem Bau
von Vogelhäusern verschrieben und verkauft sie für 25 Euro pro Stück. Zudem bietet er jungen Tauschbörse-Besuchern Baukästen für ein eigenes Vogelhäuschen an.
Nach zweieinhalb Stunden ist alles vorbei. Wiedenhofer hat zwei Häuschen verkauft, fast alle Pflanzenkübel sind leer. Nur Gburek ist leer ausgegangen: Schwarze Tomaten ließen sich nicht mehr auftreiben. „Vielleicht nächstes Jahr“, hofft sie. Falls sie einen Jagdeifer wie Dagmar Johnes entwickelt, müsste es dann auch klappen.
In unserer Fotoserie "Mittags in der Stadt" finden Sie an den fünf Werktagen ein aktuelles Foto aus Nürnberg.