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Drei große Baumscheiben mit schlank aufragenden Robinien, ein neuer Gehwegbelag, dazwischen ein schmaler Streifen aus kleinen Pflastersteinen zur optischen Auflockerung. So wirklich Eindruck macht der vor kurzem fertiggestellte erste Bauabschnitt zur Umgestaltung der Wiesenstraße nicht.
Zwischen Aufseßplatz und Siebenkeesstraße wurde dieses Stück der Straße an die Gestaltung der Fußgängerzone angeglichen und sollte dadurch eine Aufwertung erfahren. Die dort ansässigen Geschäftsleute singen allerdings nicht gerade ein Loblied auf das Ergebnis.
Joseph Helou, Betreiber der Café-Bar „Habana“, ärgert sich sogar: „Die Baumscheiben sind ja ganz schön, aber meine Gäste sitzen jetzt quasi genau neben einem Hundeklo“, sagt er und deutet auf das von schmalen Betonplatten eingefasste Beet. Zwar habe er auf Antrag hin erreicht, dass die Baumscheibe zusätzlich mit einem niedrigen Zaun eingefasst wurde, ob der jedoch Hunde tatsächlich abhalten wird, bezweifelt der Gastronom.
Verschieben dürfe er seine Außenbestuhlung auch nicht, weil sie eben nur genau für diesen Bereich genehmigt sei. Auch eine Erweiterung der Terrasse wurde ihm bereits abgelehnt. Ein Jahr lang hatte Helou die Baustelle direkt vor der Tür, musste ganz auf den Terrassenbetrieb verzichten. „Das war eine Katastrophe“, seufzt er.
Auch im Bekleidungsgeschäft nebenan reagiert man zögerlich. Es sei schon eine Aufwertung, irgendwie, aber „was nutzt das, wenn jetzt bald der Kaufhof weg ist?“, sagt eine Kundin.
Bereits vor fünf Jahren wurde im Rahmen des Bund-Länder-Städtebauprogramms „Soziale Stadt“ beschlossen, die Wiesenstraße zwischen Aufseßplatz und Siebenkeesstraße als Fußgängerzone, und bis zur Tafelfeldstraße hin zur Tempo-30-Zone umzubauen. Bei Bürgerbefragungen im Jahr 2009 hagelte es Kritik, vor allem von ansässigen Geschäftsleuten, die durch ein paar neue Bäume und einige neue Parkplätze nicht wirklich eine Aufwertung der Straße erkennen konnten.
Zum anderen wurde kritisiert, dass die Baumaßnahmen viel zu spät kämen. „Die meisten hochwertigen Fachgeschäfte, die früher einmal das Aushängeschild des Südstadt-Viertels waren, sind weg“, sagte damals Fritz Endreß von der Händlerinitiative „Südstadt aktiv“, der selbst ein Trachtengeschäft in der Wiesenstraße betreibt.
Hans Forster ist einer der wenigen, die noch da sind. Seit mehr als 25 Jahren führt er ein Optikergeschäft nahe der Einmündung zur Tafelfeldstraße. Vor seiner Ladentür werden bald die Bagger anrücken, um den letzten Bauabschnitt fertigzustellen. „Ich glaube auch, dass das alles viel zu spät kommt“, sagt er nüchtern. Laufkundschaft habe er schon lange nicht mehr, er lebe von seinen treuen Stammkunden, die aus der ganzen Region speziell zu ihm kommen. Dass nun noch ein paar neue Bäume gepflanzt werden, findet er schon positiv, als Hoffungsträger sieht er sie allerdings nicht.
Ende August wird nach Angabe der Abteilung Planung und Bau des Servicebetriebs Öffentlicher Raum (Sör) der zweite Bauabschnitt abgeschlossen sein. Länger als bis Ende 2012 darf es auch nicht dauern, denn dann würde die Stadt wichtige Fördergelder der Regierung von Mittelfranken verlieren. Allerdings gab es bereits im letzten Jahr eine solche Frist, die nochmals um genau ein Jahr verlängert wurde.
Sechs weitere Bäume werden noch gepflanzt und der Gehweg in Teilbereichen erweitert. Eine Verkehrsberuhigung will man durch Fahrbahnverengungen erreichen. Die Kosten für das Gesamtprojekt werden von Sör auf 607 000 Euro beziffert.
In unserer Fotoserie "Mittags in der Stadt" finden Sie an den fünf Werktagen ein aktuelles Foto aus Nürnberg.