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Warm wird man mit alldem nicht. Die endlos lange Mauer aus Betonwaben, die eine Böschung stützt, wird von den Erlenstegenern nicht umsonst Urnenwand genannt. Hier möchte man nicht begraben sein.
Am Ende dieses Monstrums, am Hügel des Wölfelsbergs Ecke Erlenstegen-/Eichendorffstraße, ist ein neues Bürogebäude entstanden; es setzt vorerst den Schlusspunkt unter die Runderneuerung. Der Bau von Architekt Matthias Loebermann (a.ml und Partner) passt sich seiner Umgebung wie ein Chamäleon an und ist doch selbstbewusst und wohlproportioniert genug, um die amorphe Mitte des grünen Stadtviertels ein wenig zu heilen.
Gut, dass die große Kanzlei weit vor an die Straße rückt und die Kante der „Urnenwand“ und die Flucht der Eichendorffstraße nach Norden aufnimmt. Das klärt die Situation städtebaulich und war dem zehn Jahre alten Vorgängerplan eines zurückgesetzten Baus mit Arkaden sicher vorzuziehen. Ihm hatten die einfallsreichen Erlenstegener bereits den Spitznamen „gläserner Elefant“ verpasst.
Es kam anders, gläsern ist der viergeschossige Loebermann-Bau auch, doch Schwerfälliges sucht man hier vergebens. Vier Betonscheiben, die über die dreifachverglasten Etagen hinausragen, gliedern den Kubus. Sein Erdgeschoss endet im Hang, hier hat der Architekt einen edlen Atriumhof geschaffen, der Licht einfallen lässt und bei den Rauchern unter den über 100 Beschäftigten beliebt ist.
Ungewöhnlich, aber optisch ausgesprochen wohltuend ist die Ausstattung sämtlicher Räume mit Vorhängen in Grau- und Grüntönen, unterbrochen von wenigen Bahnen in Himbeerrot, die das von innen beleuchtete Haus in den Abendstunden zur raffinierten Lichtskulptur machen und ihm viel von seiner technischen Kühle nehmen.
Hinter eloxierten Stahlflächen in Bronze verbergen sich Müllräume und Tiefgaragenzufahrt elegant und diskret. Die Hutzelhäuschen von Alt-Erlenstegen auf der Höhe dahinter erschließt eine Betontreppe. Eine wahre Schönheit, verglichen mit dem Betonwaben-Elend, das gleich dahinter beginnt.
Man hätte diese Wand übrigens loswerden können, der Bauherr wäre bereit gewesen, viel Geld zu investieren und eine klare, begrünte Betonscheibe an ihre Stelle setzen. Doch die Stadt, so Loebermann, habe auf das Planfeststellungsverfahren und geflossene Zuschüsse verwiesen und abgelehnt. In Inneren des Baus dominieren helle Töne, gefräste Eichenpaneele dämpfen die Lautstärke, die bodentiefen Fenster lassen die Büros größer wirken, als sie sind. Sie liegen um einen Baukern, in dem sich Technik und Sanitärräume geschickt verstecken. Dass es hier um jeden Quadratmeter ging, zeigen die engen Flure.
Weil ein Teil der Grünfläche an der Eichendorffstraße der Kommune gehört und nicht verkauft wurde, ist hier ein rätselhafter Verhau aus Drahtzäunen entstanden. Fünf Eichen, die den Bau dort überstanden haben, spiegeln sich in den Scheiben und lassen das Haus mit der Natur verschmelzen. So bleibt es auch nachts: Keine Angeber-Beleuchtung reißt es aus dem Dunkel.
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