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Vor einem Jahr ging es in der „Beamtensiedlung“ hoch her. Die kommunalen Denkmalschützer hatten sich das 20er-Jahre-Viertel rund um Herrnhütte-, Heimstätten-, Gräfenberger-, Egloffsteiner und Moosstraße in den Monaten zuvor sehr genau angesehen. Und mit Blick auf den Ensembleschutz, der seit Januar 2008 nur noch für diesen kleinen Teil des Loher Mooses gilt, bekamen etliche Eigentümer Post von der Stadt.
Einer davon ist Werner Schumann gewesen, dem seit 1981 das Haus in der Heimstättenstraße 48 gehört, an dem er seitdem viel selber gemacht hat. Dazu gehört im Frühjahr 2010 auch ein neuer, zartgrüner Fassadenanstrich, der ihm nicht nur eine Geldstrafe von 143,43 Euro eingebracht hat, sondern auch die Androhung eines Zwangsgeldes in Höhe von 1500 Euro, falls er sein Haus nicht innerhalb von 18 Monaten umstreichen lässt.
„Die Stadt hat die Leute in die Falle laufen lassen“, kritisierte Schumann damals, der sich wie etliche Nachbarn „entmündigt“ fühlte. Viele Anwohner gingen auf die Barrikaden, sammelten über 150 Unterschriften und Günter Amelung aus der Heimstättenstraße 37 schickte sogar eine Petition an den Bayerischen Landtag, um den Ensembleschutz im Loher Moos zu Fall zu bringen.
Geklappt hat dies nicht — doch Amelung wartet bis heute auf eine plausible Erklärung aus München. Immerhin: Da es bayernweit ähnliche Probleme gibt, hieß es in München Anfang 2012, dass sich der Hochschulausschuss und der Landesdenkmalrat mit dem Reizthema befassen werden. Bisher aber ohne konkretes Resultat.
Die Denkmalschützer in der Bauordnungsbehörde haben im Frühjahr 2011 eine Broschüre mit Hinweisen zu Fassadenfarbe, Dachausbau, Fenster(läden), Stellflächen oder Wärmedämmung veröffentlicht, um Streitigkeiten zu vermeiden. Damit verbunden waren mehrere Infoveranstaltungen für die Hausbesitzer.
„Es war erfolgreich, es läuft friedlich“, sagt Daniel Ulrich von der Bauordnungsbehörde. Die Broschüre diene „als Sicherheit“ und zeige, dass keine Willkür herrsche. Die Konflikte im Loher Moos seien „auf ein normales Maß“ gesunken.
Günter Amelung blickt derweil misstrauisch auf zwei Häuser in seiner Straße, wo gerade neue Dachgauben eingebaut werden, deren Ausmaße er für überdimensioniert hält. Laut Bauordnungsbehörde sind die Bauanträge in beiden Fällen genehmigt. Ulrich verweist dabei auf ein „gängiges Muster“, das in der „Beamtensiedlung“ mit ihren 200 Wohneinheiten vielfach verwendet werde.
Abzuarbeiten gibt es weiter „Altfälle“. Wie den in der Gräfenberger Straße, wo ein Bauantrag seit 2009 mehrfach nachgebessert wurde und nun der Vorwurf im Raum steht, dass die Behörde den Bauherrn „viel zu lange zappeln ließ“. Jetzt muss geklärt werden, ob Rückbauten zumutbar sind.
Werner Schumann hat mittlerweile entschieden, dass er das Haus nicht im (von der Stadt nach historischen Recherchen gewünschten) „Himbeerrosé“ streichen wird, sondern er wieder zum hellen Beige greifen wird, das im Rahmen des Bestandsschutzes möglich ist. Als „Einigung“ will er diese Entscheidung nicht verstanden wissen. Vielmehr ist Schumann weiter sauer „über das Theater“, weshalb er sogar über einen Hausverkauf nachdenkt. Die Info-Broschüre hält er für einen „Schuss in den Ofen“, weil kaum jemand von den Alteingesessenen die Tipps ernst nehmen würde und zudem eine echte energetische Sanierung verhindert werde.
Verärgert ist Schumann außerdem über das Verhalten der Baubehörde: Seit Wochen warte er auf eine Antwort auf seine Bitte um einen zeitlichen Aufschub beim Umstreichen des Hauses — aus gesundheitlichen Gründen. Für ihn steht deshalb weiterhin fest: „Die entscheiden, wie sie wollen.“
In unserer Fotoserie "Mittags in der Stadt" finden Sie an den fünf Werktagen ein aktuelles Foto aus Nürnberg.