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Großer Krach um eine Mini-Fußgängerzone

Kornburg: Geschäftsleute und Ärzte klagen über Sperre in der Flockenstraße — Verkehrsplanungsamt sieht in der Maßnahme Vorteile - 09.08.2012 07:58 Uhr

In der 30 Meter langen neuen Fußgängerzone sitzen jetzt die Gäste des Lokals „Weißes Lamm“. Anlieger aus der Nachbarschaft beklagen, dass sie von der Sperre nichts erfahren haben.

In der 30 Meter langen neuen Fußgängerzone sitzen jetzt die Gäste des Lokals „Weißes Lamm“. Anlieger aus der Nachbarschaft beklagen, dass sie von der Sperre nichts erfahren haben. © Stefan Hippel


Gerade mal 30 Meter ist die neue Sperrzone vor dem Gasthof „Weißes Lamm“ in der Flockenstraße lang. Dort, wo früher Autos durchfuhren, ist ein Biergarten, in dem die Gäste des Lokals sich ihr Weizen und Bratwürste schmecken lassen. Früher musste die Bedienung des Lokals über die Straße laufen. Anliegenden Ärzten und der Betreiberin der Apotheke stößt das Treiben allerdings ziemlich sauer auf. Sie klagen, dass durch den Wegfall von Parkplätzen direkt vor der Tür ihre Patienten und Kunden stark beeinträchtigt werden. Das könne so nicht bleiben. Die Stadt solle die Regelung wieder zurücknehmen.

Drei Kurzzeit- und ein Behindertenstellplatz gab es direkt vor dem Anwesen der Kornburger Hauptstraße 29, in dem sich neben dem Kornburger Bürgertreff auch zwei Arztpraxen und eine Apotheke befinden. Diese Stellplätze seien kurz nach der Kirchweih in einer „Nacht- und Nebelaktion“ verschwunden, ärgert sich Martin Amschler, dessen Frau die Apotheke betreibt. Man habe weder sie noch die Ärzte über das Vorhaben informiert — „dabei sind wir doch direkt betroffen“.

Vor allem für ältere und gehbehinderte Menschen sei der neu ausgewiesene Behindertenparkplatz rund 20Meter entfernt keine Alternative. Er liegt nun kurz hinter der Einmündung in die Flockenstraße, wo die bisher senkrecht angeordneten Stellflächen parallel zur Fahrbahn angeordnet wurden. „Das bedeutet für gehbehinderte Menschen einen weiteren umständlichen Weg, da sie den ausgebauten Wirtsgarten queren müssen und dort mit Rollstuhl und anderen Gehhilfen nicht durchkommen“, beklagt Martin Amschler.

Laut Frank Jülich, Leiter des Verkehrsplanungsamtes, sei in der Planung ein direkter Durchgangsweg zum Ärztehaus vorgesehen. Der ist vor Ort allerdings nicht zu erkennen, da der Platz inzwischen bis zum Rand mit Tischen und Stühlen des Wirtsgartens voll gestellt ist. Die neu installierten Begrenzungspfosten sorgen zusätzlich für Behinderungen.

„Sehr entrüstet“

„Viele unserer Patienten sind darüber sehr entrüstet“, sagt Ursula Glöckner, deren Mann seit 30 Jahren als Allgemeinarzt im Haus des Bürgertreffs praktiziert. Gemeinsam mit Martin Amschler hat sie eine Unterschriftenaktion gegen die geänderte Situation gestartet. Rund 300 Unterschriften sind bis Ende letzter Woche zusammen- gekommen.

Die Gegner kritisieren unter anderem noch, dass die neue Parkplatzsituation auch für andere Anlieger problematisch sei. Da nun insgesamt weniger Stellflächen vorhanden sind, „werden die umliegenden Straßen dicht zugeparkt und erschweren den Anwohnern sogar ihr Grundstück zu verlassen“. Mehr noch: Durch die Verengung der Flockenstraße durch die in die Straße ragenden Längsparkplätze kämen auch Rettungsdienst, Feuerwehr und Anlieferverkehr kaum durch.

Profitiert nur Wirt?

Eine Verbesserung für die Kornburger sehen sie in der Umgestaltung des Platzes nicht. Aus ihrer Sicht profitiere nur der Wirt des „Weißen Lammes“, der seinen Biergarten enorm vergrößern konnte. Beim Verkehrsplanungsamt sieht man das anders. „Der Gewinn auf dem Platz ist höher zu werten als der Verlust“, so Frank Jülich. Wie berichtet, waren Klagen des Bedienungspersonals vom „Weißen Lamm“ Anlass für das Projekt. Sie mussten, um zum Biergarten des Lokals zu gelangen, die Flockenstraße überqueren.

Der Kornburger SPD-Stadtrat Harald Dix hatte sich für eine Entschärfung der Situation stark gemacht. Bis Ende September soll die Fußgängerzone probeweise bleiben. Ob sie zur Dauereinrichtung wird, wird im Herbst der Verkehrsausschuss entscheiden. Jülich räumt allerdings ein: „Natürlich werden wir dazu Meinungen der Kornburger einholen, entscheidend ist, ob sie es befürworten.“
  

MANUELA PRILL

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