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Ein Mini-Bierzelt und ein kleiner Kärwabaum, keine Fahrgeschäfte, dafür gereimte Protestsprüche — mit diesem Szenario auf einem landwirtschaftlichen Anhänger machten die Großreuther Kärwaboum und -madla ihrem Unmut über das ihrer Meinung nach falsche Konzept des Süddeutschen Schaustellerverbandes Luft, der seit Anfang der 80er Jahre für die Organisation der Nürnberger Kirchweihen zuständig ist. Denn die Großreuther müssen heuer fast ohne Schausteller feiern, es gibt keine Fahrgeschäfte, nur eine Spickerbude, Ballwerfen und ein paar Imbissstände.
„Es hatten sich genügend Schausteller beworben, wir wären eigentlich versorgt gewesen“, berichtet Marco Roß, Vorsitzender des Kärwavereins Großreuth bei Schweinau. „Doch die Schausteller bewerben sich überall, suchen sich das Beste raus und sagen dann zehn Wochen vorher ab.“ Der Kärwaverein habe daraufhin versucht, in Eigeninitiative noch Schausteller zu finden — vergeblich.
Vom Schaustellerverband sei keine Unterstützung zu erwarten. Roß: „Die wollen ihren Leuten nicht das Geschäft verderben.“ Ein Bemühen, die Kärwas ordentlich zu versorgen, mag der Festorganisator nicht erkennen: „Hier wird nur eine Kärwa nach der anderen kaputtgemacht.“ Auch Manfred Richter vom Bürgerverein Langwasser, der heuer die 50.Langwasser-Kirchweih organisiert, hat — wie schon im letzten Jahr — Probleme, den Festplatz ordentlich mit Buden und Fahrgeschäften zu bestücken. „Wir haben keine Schießbude und kein Kinderkarussell“, berichtet der Vereinsvorsitzende, der in seiner Verzweiflung selbst auf den Festplätzen Schausteller abklappert, um sie nach Langwasser zu holen. „Ich vermisse das Engagement des Schaustellerverbands, die Kirchweihen zu bestücken, die lassen das einfach laufen“, schimpft Richter.
Diesen Schuh will sich Johannes Krug vom Süddeutschen Schaustellerverband, Sektion Nürnberg, nicht anziehen. Die Schausteller hätten „Riesen-Probleme, das wissen die Bürgervereine gar nicht“. Die Stadt habe an der Gebührenschraube gedreht, die Nebenkosten für Strom, Wasser, Kanal, Versicherungen usw. müssten gedeckt werden — laut Krug etwa 1500 Euro pro Kärwa. In Großreuth bei Schweinau sei nur mit 600 Euro Einnahmen zu rechnen, „da bleiben wir auf unseren Unkosten sitzen“, so Krug.
Die Praxis, dass die Schausteller kurzfristig absagen, kommentiert Krug so: „Ich kann die doch nicht zwingen, wenn die nichts verdienen.“ Die Organisatoren der Feste müssten sich mehr einfallen lassen, um die Kirchweihen wieder attraktiver zu machen. „Das sage ich denen schon seit Jahren.“ In Großreuth bei Schweinau sei der neue Kärwaplatz zu versteckt, in Langwasser habe er die Verlegung zum Franken-Center angeregt. Zudem sei es günstiger, private statt städtische Flächen zu belegen. „Mehr können wir nicht tun.“
Marco Roß sieht als Kernproblem den Monopolvertrag zwischen Stadt und Schaustellerverband. „Der würde einer Überprüfung durch Brüssel garantiert nicht standhalten.“ Deshalb könne es gut sein, dass die nächste Kirchweih in Großreuth bei Schweinau ohne den Schaustellerverband stattfindet. Die Aktiven in Großreuth hinter der Veste haben es heuer vorgemacht und die Kärwa in Eigeninitiative als Bürgerfest organisiert (der Stadtanzeiger berichtete).
Manfred Richter hat sich beim diesjährigen Maifest mit den Schaustellern Udo Hablowetz, Alexander Heimerl und Gabi Fleischmann bereits neue „verlässliche“ Partner gesucht und auf Rockmusik gesetzt. Das Konzept der Rock-Kärwa, das in Zabo, am Nordostbahnhof und in Gostenhof bereits gut läuft, könnte 2012 vielleicht auch für Langwasser taugen, überlegt Richter, der die Kirchweih jedenfalls nicht aufgeben will: „Wir halten durch.“
Eine Bildergalerie finden Sie auf www.nordbayern.de/stadtanzeiger
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