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Das Hickhack zwischen Stadt und Verband auf der einen und den Kirchweih-Willigen in Großreuth auf der anderen Seite währt schon lange. Doch heuer winkt der Schaustellerverband endgültig ab. Der Grund: Rückgang der Besucherzahlen und die erhöhten Standgebühren: Bislang verlangte die Stadt zwischen 35 und 40 Cent pro Quadratmeter, aktuell sind es 50 Cent.
Doch der Festausschuss in Großreuth unter Vorsitz von Heinz Nether kämpft für seine Veranstaltung. Mit Erfolg. Obwohl sich der Verband vom Festplatz an der Kfz-Zulassungsstelle zurückzieht und das Liegenschaftsamt die Veranstaltung nicht mehr unter Kirchweih verbucht (der Stadtanzeiger berichtete), richten die Aktiven in Großreuth ihre Veranstaltung auf eigene Faust aus. Schilder und Plakate in der Öffentlichkeit werben für die Kärwa, die vom 10. bis 13. Juni stattfindet.
Allerdings in abgespeckter Form: den Festplatz, ein städtisches Grundstück, gibt es nach wie vor. Doch fehlt heuer ein öffentlicher Grünstreifen. „Damit müssen wir keine Absperrungen und Schilder bezahlen“, so Nether. Festwirt Reinhard Gschrey aus der Oberpfalz wird zum vierten Mal sein Bierzelt aufstellen. Ein Heringsbrater, Los- und Schießbuden sowie (vielleicht) eine Schiffschaukel will Gschrey mitbringen — und alles ohne den Schaustellerverband.
Von dem fühle sich Nether, dessen Großvater bereits die Kirchweih in Großreuth organisierte, im Stich gelassen und kritisiert: „Der Verband hat durch einen Vertrag mit der Stadt quasi ein Monopol auf die Kirchweihen im Stadtgebiet.“ Das führt auch dazu, dass das Liegenschaftsamt den Großreuthern sogar nahe legt, den Begriff „Kirchweih“ nicht zu verwenden. Nether: „Wir nennen es jetzt Kirchweih im Rahmen eines Bürgerfestes.“
Begriff "Kirchweih" ist rechtlich nicht geschützt
Corinna Frank vom Liegenschaftsamt: „Ohne Schaustellerverband sollte das Fest nicht mehr Kirchweih genannt werden.“ Das geht auf den Vertrag zwischen Stadt und Verband zurück. Das Liegenschaftsamt stimmt zudem die Kirchweihtermine mit den evangelischen Pfarrgemeinden in den Stadtteilen ab. Doch ist der Begriff rechtlich nicht geschützt. „Das ist ja das Schlimme, dass jede Veranstaltung Kirchweih heißen darf. Dabei haben viele mit der traditionellen Veranstaltung gar nichts mehr zu tun“, sagt Johannes Krug vom Schaustellerverband in Nürnberg.
Doch von Kirchweihkultur ist laut Heinz Nether in den Stadtteilen nur noch wenig zu spüren: Kirchweihbaum-Aufstellen, „Kuhbingo“, „Küchlebetteln“, „Betzenaustanz“ und das knoblauchsländer Tauziehen seien traditionelle Aktionen der Großreuther. „Das findet man auf den Kirchweihen in Schweinau oder am Nordostbahnhof nicht.“
Tobias Schmidt, Vorsitzender des Vorstadtvereins Nürnberg Nord, ist schockiert, wie die Stadt und der Verband mit den Willigen aus Großreuth umgeht: „Ich mache mir um die Dorfkirchweihen ernsthaft Sorgen.“ Er predige seit Jahren, diese am Leben zu halten. „Sind Kosten ein K.-o.-Kriterium, muss die Stadt den Initiatoren entgegenkommen.“
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