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Häuser aus Raketenholz

Auf den Aktivspielplätzen der Stadt ist in der kalten Jahreszeit einiges geboten - 03.01.2013 07:59 Uhr

Gostenhof/Langwasser  - Tote Hose auf den Nürnberger Aktivspielplätzen im Winter? Von wegen. Mit Kunstaktionen oder beim Stockbrot-Backen trotzen die jungen Besucher dem schlechten Wetter.

Der Bauspielplatz Langwasser im Winter: Die Künstler Fredder Wanoth und Anke Helmich arbeiten mit den Kindern an einem Kunstprojekt.
Der Bauspielplatz Langwasser im Winter: Die Künstler Fredder Wanoth und Anke Helmich arbeiten mit den Kindern an einem Kunstprojekt.
Foto: Roland Fengler
Der Bauspielplatz Langwasser im Winter: Die Künstler Fredder Wanoth und Anke Helmich arbeiten mit den Kindern an einem Kunstprojekt.
Der Bauspielplatz Langwasser im Winter: Die Künstler Fredder Wanoth und Anke Helmich arbeiten mit den Kindern an einem Kunstprojekt.
Foto: Roland Fengler

Am Bauspielplatz Langwasser (Baui) nehmen die Kinder gerade an einer großen Kunstaktion teil: Sie arbeiten auf eine große Ausstellung hin, anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Bauis, bei der sich die Kinder mit ihrem Stadtteil und ihrer Stadt auseinandersetzen.

Yasmin, Carina, und Ceylin sitzen mit Künstlerin Anke Hellmich an einer Bierbank im Keller des Spielhauses des Bauspielplatzes Langwasser und formen kleine Menschen aus Pappmaché. Zwischen all die Hochhäuser, Kioske und Schulen, die die Kinder schon angefertigt haben, sollen schließlich auch einige Menschen kommen. „Uns fehlen noch so ungefähr 30000 Figuren sagt Anke Hellmich und lacht.


Kinder vom Aktivspielplatz Gostenhof ziehen im Winter mit der FahrradRikscha durch den Stadtteil und verteilen Plätzchen.
Kinder vom Aktivspielplatz Gostenhof ziehen im Winter mit der FahrradRikscha durch den Stadtteil und verteilen Plätzchen.
Foto: Günter Distler
Kinder vom Aktivspielplatz Gostenhof ziehen im Winter mit der FahrradRikscha durch den Stadtteil und verteilen Plätzchen.
Kinder vom Aktivspielplatz Gostenhof ziehen im Winter mit der FahrradRikscha durch den Stadtteil und verteilen Plätzchen.
Foto: Günter Distler

Yasmin erzählt, dass sie zwar nicht beim Atelierbesuch des Bauis bei Anke Hellmich dabei war, jedoch beim Besuch von Fredder Wanoths Werkstatt in Fürth, der die Kinder ebenfalls bei ihrem Kunstprojekt unterstützt. Das war schon was Besonderes. „Der hat ganz gute Ideen!“ sagt Yasmin. Wanoth arbeitet mit einfachen Materialien, mit altem Holz, auch die Holzstäbe der Feuerwerksraketen sind ein beliebtes Arbeitsmaterial von ihm, um damit große Architektur nachzubauen.

Im Atelier von Wanoth standen so viele Brücken aus Holz, berichtet Aylin. Besonders beeindruckt waren die Kinder von einer langen Autobahn, die aus vielen Holzteilen gefertigt wurde. Im Kreativraum des Bauis herrscht inzwischen eine konzentrierte Betriebsamkeit. Aylin bemalt ein Hochhausskelett, das aus Obstkisten zusammengebaut wurde. Daniel streicht einen kleinen, selbst gebauten Thron in einem dunklen Braunrot an. Auch die Betreuer Inge Trepte und Jo Überall haben Malerkittel übergestreift und pinseln fleißig mit den Kindern mit.


Dahinter arbeiten Ivan und Adrian an einer fragilen Hochhauskonstruktion, die aus dünnen Holzstäben zusammengebaut wurde. „Das ist sozusagen die Cast-Iron-Building-Bauweise der Hochhäuser“, sagt Fredder Wanoth. Umgesetzt in Holz lernen die Jungs gleich nebenbei etwas über die Konstruktion der Hochhäuser: Jetzt setzen sie dünne Holzplatten als Geschosse ein, die sie mit Holzleim festkleben.

Ivan, der bei dem Kunstprojekt erst nicht mitmachen wollte, weil er im Kunstunterricht keine guten Noten bekam, hat hier Feuer gefangen. Er macht begeistert mit, hat sich eigens eine Aufzugskonstruktion für das Hochhaus ausgedacht. Fredder Wanoth hat ihn die Höhe und Breite des Hauses bestimmen lassen, auch bei der Gestaltung der Außenhaut verlässt er sich auf ihn.

Nächste Station ist der Aktivspielplatz Gostenhof: Die Zeit um Weihnachten und den Jahreswechsel ist hier offenbar ein guter Anlass, um dem Stadtteil etwas zurückzugeben, dachten sich die Kinder und die Spielplatz-Leiterin Heinke Keblawi: Heute verteilen sie selbst gebackene Plätzchen im Stadtteil.

Plätzchen für das Viertel

Mit einer bunt geschmückten Fahrradrikscha starten sie vom Spielhaus am Veit-Stoß-Platz in die Nachbarschaft. Sylvana (11) und Victoria (12) führen den Zug von rund 30 Kindern und drei Siemens-Mitarbeiterinnen, die hier gerade als Social-Volunteers mithelfen, an, „bewaffnet“ mit Tabletts voller Plätzchen.

Von der Adam-Kraft-Straße führt ihr Weg zur Gostenhofer Buchhandlung, wo sich die erstaunten Mitarbeiter über die ersten Kekse freuen. Auch beim Metzger in der Kernstraße, beim Zeitungskiosk, dem Dönerverkäufer und in der Stadtsparkasse kommen die süßen Geschenke gut an. Auch für die Busfahrer der Linie 34 gibt es Kekse, ebenso für einige Passanten, die gerade aus dem U-Bahnhof Gostenhof herauskommen.

Agnes hat von der Kälte mittlerweile schon ganz rote Hände und freut sich über einen Fünf-Euro-Schein, den man ihr zugesteckt hat. Zumindest die kleineren Kinder (zwischen sechs und zehn Jahren) des Aktivspielplatzes Grünewaldstraße wollen trotz Kälte und schlechtem Wetter am liebsten draußen toben, sagt Erzieherin Lucie Hurska. Wenn sie schon gerade mal keine Schneemänner bauen können, so bleibt zumindest auch im Winter die Feuerstelle nicht ungenutzt. Über der Glut werden mit Begeisterung Stockbrote geröstet. Und wenn es dann wirklich mal richtig Winter werden sollte, soll auf dem Platz ein Iglu entstehen.

Der Höhepunkt der kalten Jahreszeit auf dem Aktivspielplatz Goldbachwiese ist das Winterfest für alle Kinder. Dafür haben sie schon viele Plätzchen gebacken und Schmuck gebastelt, mit dem das Spielhaus verziert wird. Eine Tanne, die dem Aktivspielplatz vor einiger Zeit gestiftet wurde, muss dafür Jahr für Jahr einen Zweig lassen, erzählt Spielplatz-Leiter Oliver Garski.

  

MARIA INOUE-KRÄTZLER

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