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Manfred Gentner ist, das sieht man gleich, ein Gemütsmensch. Groß, barock, mit lachenden Augen. Man möge doch, bittet er gleich, für die Pfadfinder unterschreiben. Der Stamm Maximilian Kolbe würde profitieren, die Liste liegt gleich auf dem Tresen... So ist das in der Nachbarschaft in Ziegelstein. Da kommt keiner aus.
Nicht, dass es im Bioladen groß Gelegenheit zum Ausweichen gäbe. 2007 sind die Gentners in die ehemalige Bäckerei am Bierweg gezogen, haben die Einrichtung übernommen und auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten. Mit „Bio“ hatten sie damals wenig im Sinn. Nur: Der Obst- und Gemüseladen, mit dem Manfred Gentner 2006 angefangen hatte, lief immer schlechter. Immer öfter aber fragten die Kunden nach biologisch erzeugten Produkten: „Machen S’ doch ein Bio-Eck.“
Aber ein Mann für Eckchen ist Manfred Gentner beileibe nicht, er ist ganz oder gar nicht. Also kratzte er das letzte Geld zusammen, fuhr zum Großmarkt und bekam einen richtigen Schreck. So viel Geld für so wenig Ware! Aber sie lief. Die Kundschaft war begeistert und der Chef, der auch schon mit natürlich gegerbtem Leder gehandelt hatte, wurde nachdenklich: „Eigentlich haben die Leute recht.“ Zug um Zug hat er sein Angebot ausgeweitet. Gemüse, Honig, Brot, Käse, Fleisch und Wurst. Was nicht bio ist, muss zumindest regional sein. Wie beispielsweise der Kaffee von Fortezza in Cadolzburg. Vieles holt Manfred Gentner aus dem Knoblauchsland, aus Heroldsberg und Eckental.
„Die Chemie muss stimmen und ich muss Vertrauen haben. Mit 98 Prozent meiner Erzeuger bin ich per Du“, erzählt er. Beim Putenzüchter hat er geschaut, ob die Hennen wirklich frei laufen. Den Bäcker aus Dachsbach über den Feinschmecker gefunden. Und den Winzer Paul Weltner hat er sonntags in Rödelsee besucht und sich alles erklären lassen. Den biologischen Anbau, die spontane Vergärung, die Weine. 9,80 Euro kostet der Bocksbeutel im Laden. Ein Preis, der den Händler zucken lässt: Ob die Kunden da mitgehen? Sie tun es. Vier von fünf seiner Kunden, sagt Manfred Gentner, sind akademisch gebildet. Sie machen sich Gedanken um ihre Ernährung und wissen, was sie wollen. Höhere Preise akzeptieren sie. „Der Biofederweißer reicht gar nicht!“ Denn so ein Glas zum hausgemachten Zwiebelkuchen...
Nur von einem gibt es immer genug: Arbeit. Es sind ja nicht nur die Fahrten zum Großmarkt und den Erzeugern, es müssen auch der milchweiße Blumenkohl, die Kartoffeln im Weidenkorb und die Steige mit den Auberginen morgens und abends ein- und ausgeräumt werden. Und zwischendurch kochen und backen die Gentners selbst, Tomatensoße zum Beispiel oder Marmelade, frische Kuchen und ein tägliches Mittagessen.
Die Arbeitsteilung der Eheleute ist klar: Sie backt, er kocht. „Wenn ich Affenschnitte mache, ist der Kuchen in zwei Stunden weg“, lächelt Claudia Gentner. Banane auf Schokoboden, von Quarksahne bedeckt — das klingt verführerisch. Und es räumt den Laden auf. Denn was Claudia Gentner gar nicht haben kann ist, wenn Lebensmittel verderben. Und wenn ja etwas übrig ist, fährt sie es mit dem Rad zu Hühner- und Hasenbesitzern in der Nähe.
Was Manfred Gentner kocht, muss er allerdings vorausplanen. Sonntags versendet er per E-Mail den Speiseplan für die ganze Woche, Spezialitäten wie Fisch oder Muscheln müssen vorbestellt werden. Das tun viele sowieso. „Sechs Leute für zwölf Uhr, wenn da die Pasta nicht lätschig sein soll, wird’s stressig“, sagt Manfred Gentner und lächelt breit dazu.
Er scheint den Kick zu brauchen. Warum sonst würde er im Winter noch Weihnachtsbäume verkaufen, trotz 60 Stunden-Wochen und dem sonntäglichen Arbeitsbesuch im Laden? „Das Handeln macht mir Spaß.“
Einmal im Jahr gehen die Gentners wirklich in Urlaub. Drei Wochen am Stück. Dann steigen sie in den Pickup mit der ausgebauten Ladefläche und fahren einfach los. Hierhin, dorthin. Mit wachen Augen dafür, wie die anderen ihre Marktstände aufbauen und nach welchen Rezepten sie kochen. „Aber ganz relaxt“, beteuert Claudia Gentner.
Nächstes Jahr soll’s in die Toskana gehen. Manfred Gentner träumt schon. Von Lardo, dem schmackhaften fetten Speck, den die Italiener in durchscheinende Scheiben schneiden, mit ein paar Körnchen Salz und Pfeffer würzen und aufs Brot legen. Dafür einen Erzeuger finden... Das wäre doppelt gut. Fürs Geschäft und fürs Gemüt.
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