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So in etwa stellt man sich fränkische Wirtshauskultur vor: Der Stammtisch ist gut besetzt, die Bedienung tauscht emsig leere Biergläser gegen volle aus und malt routiniert Striche auf Bierdeckel. An den Nebentischen wird gekartelt, gegessen, diskutiert oder auch mal beredt geschwiegen. Wer neu reinkommt, klopft mit den Knöcheln auf den Tisch, dazu ein knappes „Servus“, das reicht für den Anfang. Es riecht nach Schweinebraten oder Schaschlik und mittendrin steht der Wirt, immer mit einem flotten Spruch auf den Lippen, und hat alles im Griff.
Norbert Dimanski ist so ein Wirt. Auch nach 25 Jahren, die er nun mit seiner Frau Johanna das Regiment im Sportheim des SC Worzeldorf führt, bewegt er sich voller Elan durch die Wirtsstube. Es ist Donnerstagabend und das Lokal ist gut besucht. Von der Kegelbahn im Nebenraum ertönt alle paar Minuten lautes Gejohle, die Stimmung ist prächtig.
Trotzdem, Dimanski hat schon bessere Zeiten erlebt. „Die ersten 15 Jahre haben wir wirklich ein gutes Geschäft gemacht, aber die Geselligkeit hat abgenommen. Von den Sportlern allein könnten auch wir nicht überleben“, erzählt der 66-Jährige. Wie viele Sportgaststättenbetreiber bekommen auch die Dimanskis zu spüren, dass die Zeiten, in denen man sich obligatorisch nach dem Sport im Sportheim traf, passé sind. „Die Jugendlichen machen das nicht mehr, die haben andere Interessen“, stellt Dimanski nüchtern fest.
Pfiffig müsse man da halt sein, professionell, und neue Ideen haben, wie man sich Stammkunden auch außerhalb des Vereins aufbaut. Auf eine dieser Ideen ist der Gastronom besonders stolz: „Vor gut zwanzig Jahren hab ich den Mut gefasst und eine Worzeldorfer Sportplatzkärwa gegründet“, erzählt er. Die Idee entstammt — wie soll es anders sein — einer Stammtischrunde. Aus der anfangs kleinen Kärwa ist inzwischen eine Institution im Stadtteil geworden, mit 800-Mann-Bierzelt, Unterhaltungsprogramm, Buden und Kinderkarussells. Eine wichtige Einnahmequelle für die Wirtsleute, um die finanziell eher dünnen Wintermonate auszugleichen.
Sommers wie winters setzen die Dimanskis seit jeher auf gutbürgerliche deutsche Küche. Fränkische Brotzeiten, Suppen, Schnitzelvariationen, Braten und sonntags frische Schäufele. Und: „Die Zusammenarbeit mit dem Vereinsvorstand läuft sehr gut, sonst würde es nicht funktionieren“, verrät der aus Zabo stammende gelernte Koch ein weiteres Erfolgsrezept.
„Uns‘re Wirtsleut“ werden die Dimanskis gern von ihrer Kundschaft genannt. Vor allem bei den „Alten Ochsen“, der Truppe treuer Kärwaboum, die sich regelmäßig hier zum Stammtisch trifft. Manche von ihnen nennen die Wirtsstube schon mal „mein Wohnzimmer“ oder „zweite Heimat“. Die Liste der Nähkästchenplaudereien aus 25 Jahren Sportgasttätte SC Worzeldorf ist auf beiden Seiten des Tresens lang und reicht von Anekdoten über ausgedehnte Frühschoppen (und darüber wenig erfreute Ehefrauen), über durchdiskutierte Kneipennächte bis hin zu Feiern und gemeinsam betrauerten Vereinskameraden. Es ist die hiesige Wirtshauskultur, die viele der Gäste schätzen und gepflegt sehen. „Wirtsleute, Menschen, Küche, es ist einfach das Gesamtpaket, das hier passt“, resümiert einer.
Umso mehr bedauern viele Gäste, dass das Wirtspaar Dimanski nächstes Jahr in Rente gehen wird. Auch die Vereinsführung hofft, dass sich für das erfolgreich geführte Lokal ein würdiger Nachfolger findet. „Die beiden waren für uns ein echter Glücksfall“, sagt der Vorsitzende Ralph Maier. Die Jahre davor habe man fast jährlich einen neuen Pächter gesucht. Jetzt läuft der Laden seit einem Vierteljahrhundert.
Norbert Dimanski will sich nicht selber loben, aber zwei Tipps hat er für seinen potenziellen Nachfolger dennoch parat: „Vom Fach muss er sein, und wenn er die Kärwa nicht machen will, dann kann er‘s vergessen!“
Mehr Informationen über die Sportgaststätte in unserer Rubrik Essen und Trinken!
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