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„Ein Super-Kraut! Wirklich super!“, freut sich Klaus Erle, als er die erste Gabel probiert: „Obwohl ich es erst vor zehn Tagen eingemacht habe, schmeckt es schon perfekt! Normalerweise braucht das drei Wochen!“ Erle, 1.Vorsitzender des Siedlervereins Loher Moos, gilt im Nürnberger Norden als der Kraut-Kenner schlechthin, der alles über die Herstellung herzhaften Sauerkrauts zu wissen scheint.
„Das ist einfach sein Ding – seit ich ihn kenne macht er Sauerkraut“, lacht Erles Ehefrau Lieselotte. „Das geht zurück auf meine Eltern“, erinnert sich Klaus Erle. „Die haben seit 1955 ihr Kraut immer selbst gehobelt – mit dem selben Hobel, den ich heute noch verwende!“ Wie sein Besitzer ist das Gerät heute noch gut in Schuss. „Damals hat man eben noch auf Qualität geachtet.“
Momentan ist der Hobel aber verliehen – der Nachbar macht nämlich ebenfalls gerne Kraut und hatte keine Zeit zum offiziellen „Krautfest“ im Kulturladen Ziegelstein zu kommen, bei dem der Siedlerverein jedes Jahr gemeinsam hobelt und stampft. Bei dieser Gelegenheit gibt Erle mit Begeisterung sein Wissen weiter. Vom besten Krautstampfer über die richtige Temperatur für das Einmachen bis zum geeignetsten Stein, mit dem man das Kraut im Fass beschwert. Echte Experten wissen solche Dinge.
Doch nicht nur beim Kraut hilft der Siedlerverein: Auch für den ökologischen Gartenbau oder für handwerkliche Tätigkeiten im Haus bekommt man hier Tipps. „Wir haben ein Angebot an Düngemitteln sowie Werkzeuge und Gartengeräte, die man sich gegen geringe Gebühr bei uns ausleihen kann“, erzählt Erles Stellvertreter Bernd Rath, der eine steigende Nachfrage bei den Leuten feststellt: „Die Menschen wollen wieder Dinge selber machen, nicht einfach im Laden kaufen.“
Und damit sind sie beim Siedlerverein an der richtigen Adresse. Er wurde 1927 als Selbsthilfe-Gemeinschaft der Menschen in Ziegelstein und Buchenbühl gegründet. Stand das damals noch im Zeichen schlechter Versorgung mit Lebensmitteln, so geht es heute vor allem darum, handwerkliches Wissen zu erhalten und weiter zu vermitteln. Aber auch darum, im Überangebot der Läden das Passende herauszufinden: „Ich habe dieses Jahr sehr lange gesucht, bis ich gute Krautköpfe gefunden habe“, erzählt Erle. „Denn oft werden nur die runden Köpfe angeboten, weil sie dicker aussehen – leichter zum Hobeln sind aber die dünnen!“
Die passenden Köpfe fand er schließlich? „Bei Aldi, was mir jetzt fast ein bisschen peinlich ist, aber sie sind regional aus Franken, wenn auch mit 2,22 Euro für zehn Kilo nicht die günstigsten.“ Aber dafür optimal für Erles traditionelle Verarbeitungsmethode. Bei der wird das Kraut erst mit dem Hobel klein gemacht und dann in einem Fass von Hand gestampft, versehen mit Salz und Lorbeer, Wacholder und Kümmel — je nach Geschmack.
Am Ende landen die Krautfässer dann in Erles Keller: Der liegt unter der Terrasse und bietet somit die optimalen Temperaturen. Hier werden sie jeden Monat gesäubert und gewässert, während das Kraut langsam sauerer und sauerer wird. Ganz im Gegensatz zu den Leuten, die es probieren: Frisch aus dem Keller auf den Teller schmeckt Erles Kraut wirklich hervorragend. Und es hält vermutlich noch bis zum Jahresende: „Falls wir nicht wieder so viel verschenken“, sagt Erle lachend.
Kontakt: Siedlerverein Loher Moos, Klaus Erle, Tel. 522550
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