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Kaffee trinken am Ufer der Pegnitz

Naherholung am Stadtfluss: Ideen für „Orte am Wasser“ gibt es viele, jetzt sollen die Bürger mitreden dürfen - 25.04.2012 07:59 Uhr

Sonniges Plätzchen: An der Fleischbrücke können Stadtgäste der Pegnitz bereits sehr nahe rücken.

Sonniges Plätzchen: An der Fleischbrücke können Stadtgäste der Pegnitz bereits sehr nahe rücken. © Eduard Weigert


Das Projekt „Orte am Wasser“ ist ein Teil der Stadterneuerung Nördliche Altstadt. Noch gibt es keinen bezifferbaren Geldbetrag, von dem künftige Umgestaltungen am Wasserlauf bezahlt werden können. Doch der Wille im Amt für Wohnen und Stadterneuerung sei klar, sagt Mitarbeiter Michael Baranowski. Die Pegnitz soll wieder zu einem sinnlichen Erlebnis werden, zumindest an einigen Stellen.

Bereits bekannt ist die Idee der Stadtplaner, am Ufer der Insel Schütt, gegenüber vom Cinecittá, Treppen zum Wasser anzulegen und mit Bänken zum Verweilen einzuladen. Das Projekt biete sich schon sehr an, um zügig umgesetzt zu werden, meint Baranowski. Noch fehlt aber das Okay der Stadträte.

Wunderbar entspannend

Doch es gibt noch andere Stellen am Fluss, an denen die von der Stadt beauftrage Planungsgruppe Landschaft überzeugt ist: Da ließe sich, teilweise mit wenig Aufwand, die Pegnitz wieder wunderbar zu einem Anziehungspunkt in der Altstadt machen.

Der Nägeleinsplatz dient zum großen Teil dem Parken, hässlich sind die wenigen Bänke.

Der Nägeleinsplatz dient zum großen Teil dem Parken, hässlich sind die wenigen Bänke. © Weigert


Einige dieser Plätze sind derzeit vor allem eins: heillos verkrautet und zugewachsen. Wer über den Leo-Katzenberger-Weg gehe, spüre kaum, dass an seiner Seite die Pegnitz fließt, sagt Brigitte Albert-Horn vom Planungsbüro. Der städtische Servicebetrieb schneide zwar Gehölze zurück. Er achte aber zu wenig darauf, dabei auch die Aufenthaltsqualität am Wasser zu verbessern.

Aus eben diesem Grund ziehe die eigentlich sehr lauschige Wiese am Andreij-Sacharow-Platz nur selten mal ein Grüppchen Studenten an, sagt Albert-Horn. „Wenn Bäume und Büsche vom städtischen Servicebetrieb besser zurückgeschnitten würden und ein paar Bänke oder Liegen dort stünden, könnte die Stadt diesen Platz an der Pegnitz schnell verschönern“, ergänzt die Landschaftsarchitektin.

Sie will Mut machen, Provisorien zu wagen. Was spreche dagegen, zwei oder drei mobile Liegen, wie sie auch im Stadtpark stehen, auf die Wiese am Andreij-Sacharow-Platz zu stellen und die Leute machen zu lassen? Einfach mal etwas auszuprobieren, bevor es an einen großen Umbau geht, habe mindestens einen großen Vorteil: „Man kann mit wenig Aufwand testen, ob eine Fläche überhaupt von den Bürgern angenommen wird.“

Stichwort Bürger. Michael Baranowski betont: „Uns interessiert, wie die Nürnberger die Pegnitz nutzen möchten.“ Wo wollen sie direkt am Fluss sitzen können? Wo sollen Kinder spielen? Soll es Liegeflächen geben? Wo sollten Mauern verschwinden, um so wieder einen freien Blick auf den Fluss zu gewinnen?

Auch am Unteren Bergauerplatz stehen Autos, dabei ist das ein hübscher Ort am Fluss.

Auch am Unteren Bergauerplatz stehen Autos, dabei ist das ein hübscher Ort am Fluss.


Noch verschwindet die Pegnitz in der Altstadt oft hinter Mauern. Oder Holzzäune hindern daran, die Füße über dem Fluss baumeln zu lassen. „Schauen Sie zum Beispiel nach Zürich, da gibt es mitten in der Stadt Flussbäder“, sagt Albert-Horn. Zwar ist fraglich, ob jemand in der trüben Pegnitz schwimmen mag. Näher ran ans Ufer wollen aber viele Nürnberger, davon sind die Planer überzeugt.

Zum Beispiel am Kettensteg, wo der Zugang direkt ans Wasser derzeit den zahlenden Gästen des Biergartens vorbehalten ist. Wer den Fußweg zum Nägeleinsplatz nimmt, läuft hoch über dem Fluss. Zwar mit dem Rauschen des Wehrs im Ohr, aber das Ufer ist weit weg. Eine wenig einladende Bank- und Mülleimer-Garnitur inmitten einer ungepflegten Grünfläche ist alles, was sich dem Spaziergänger bietet. „Der größte Teil des Nägeleinsplatzes ist ein Parkplatz“, bemängelt Albert-Horn.

Parkplatz kleiner machen

Der Nägeleinsplatz sei nach der Insel Schütt aber die größte Fläche am Fluss und könne wunderbar für die Naherholung genutzt werden. „Der Parkplatz müsste kleiner werden, die Ufermauer ließe sich öffnen und man könnte, unabhängig vom Biergarten, Flächen direkt an der Pegnitz erschließen“, schlägt sie vor.

Ebenfalls zugeparkt ist der Untere Bergauerplatz. In unmittelbarer Nähe zur Insel Schütt und der Gastronomie auf der anderen Seite der Heubrücke habe der aber echtes Wohlfühl-Potenzial. „Das ist ein schöner, schattiger Platz in der Altstadt und viele Leute gehen hier lang.“ Die haben ja vielleicht Lust, auch hier einen Kaffee zu trinken oder einfach am Fluss zu sitzen. Dafür bräuchte es zum Beispiel Bäume, Bänke und vielleicht die Außenbestuhlung einer Gaststätte.

Dass der Hochschulsteg, der vom Platz in die Innenstadt führt, auch nicht gerade ein Schmuckstück ist und sich durchaus verbreitern und aufpeppen ließe, ist ein weiteres Thema für das Planungsbüro. Albert-Horn und ihre Kollegen kommen zu dem Schluss, dass sich mindestens zehn Plätze an der Pegnitz in attraktive „Orte am Wasser“ verwandeln ließen. Jetzt sind Stadtverwaltung und Stadträte dran – sie müssen entscheiden, für welche Projekte Geld ausgegeben wird. Bürger, die mitreden wollen, haben im Büro des Citymanagements in der Hans-Sachs-Gasse1 Gelegenheit, ihre Wünsche loszuwerden. 

UTE MÖLLER

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