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Kelten liebten das Salz in der Suppe

Kinder experimentieren mit der Küche der Vorfahren - 09.05.2012 07:59 Uhr

Wie das wohl schmeckt? Kochen wie die Vorfahren ist für die Kinder des archäologischen Spielplatzes eine spannende Sache.

Wie das wohl schmeckt? Kochen wie die Vorfahren ist für die Kinder des archäologischen Spielplatzes eine spannende Sache. © oh


Herr Mayer, warum wird bei Ihnen auf dem Spielplatz gekocht?

Bernhard Mayer: Essen ist etwas Fundamentales, für Kinder wie für Erwachsene. Es gibt einen direkten, einen logischen Zugang: Jeder kann das verstehen. Auf dem Archäologischen Spielplatz vollziehen wir Dinge nach, die Menschen in der Vergangenheit gemacht haben.

Woher weiß man denn, was die Kelten gekocht haben?

Bernhard Mayer vom Spielplatz Megilo in Mögeldorf.

Bernhard Mayer vom Spielplatz Megilo in Mögeldorf. © Hippel


Mayer: Wir haben als Anhaltspunkte nur Funde im Boden, denn die Menschen haben von der Steinzeit an in einer weitgehend schriftlosen Kultur gelebt. Erst die Römer und die Menschen im Mittelalter haben ihr Leben aufgeschrieben, aber auch nicht alles! Aber Knochenfunde verraten den Osteologen, dass Jäger und Sammler viel Wild aßen und nach dem Übergang zur Sesshaftigkeit mehr Haustiere gegessen haben. Paläobiologen schließen aus Obstkernen, Getreidekörnern und Pollen auf die verbreiteten Nahrungspflanzen. Dinkel, Emmer und Gerste sind erst 6000 Jahre vor Christus zu uns gekommen. Ihre Abdrücke findet man zum Teil in der Keramik.

Womit wir schon beim Kochgeschirr wären.

Mayer: Das kam in der Jungsteinzeit auf. Fleisch wurde über offenem Feuer gegrillt oder auf heißen Steinen geröstet, alles andere in Tontöpfen gegart, die man an die Glut rückte oder in die Asche stellte. Viele Sachen sind damals entwickelt worden, später kamen ein paar Zutaten dazu.

Was kam in den Topf?

Mayer: Über die Hälfte waren Getreideprodukte, die mit Wildkräutern gewürzt wurden. Meist wohl Brei oder Suppe. Bei den Kelten kam verstärkt das Salz dazu, sie hatten den Salzbergbau in großem Stil entwickelt – so dass man Fleisch und Fisch pökeln und so haltbar machen konnte.

Klingt ein bisschen eintönig...

Mayer: Stimmt! Aber die Möhren gibt es bei uns erst ab der Römerzeit, Zwiebeln sind bis ins Mittelalter selten. Und Tomaten, Kürbis oder Gurken sind frühestens nach Kolumbus bekannt, die Kartoffel wurde erst im 18. Jahrhundert in Europa als Nahrungsmittel angebaut. Was bleibt übrig: Korn, aus dem man Brot und Semmelklöße machen kann, Linsen und Ackerbohnen.

Gar kein Salat, nichts Grünes und Gesundes?

Mayer: Die frühen Menschen wussten nichts von Vitaminen oder den Zusammenhang von Nahrung und Gesundheit. Wenn ich an Wildsalat oder Löwenzahn denke, kann man das natürlich essen und sie haben es vermutlich getan. Bei den Kelten beispielsweise fehlt der Nachweis für Gartenbau. Skelettfunde beweisen, dass sie gesundheitlich oft in miserablem Zustand waren.

Schmecken den Kindern, die Spaghetti, Pommes und Pizza gewohnt sind, diese einfachen Gerichte?

Mayer: Bei uns muss keiner satt werden. Wir machen eher essbare Experimente. Denn es gibt keine Rezepte, wir haben nur eine Zutatenliste und schauen, was man daraus machen kann. Im Augenblick haben wir eine Versuchsreihe mit Hirse und Honig, wollen aber auch deftige und salzige Varianten kennenlernen. Was ich überraschend und toll finde: Die Kinder versuchen das Selbstgekochte. Manchen schmeckt’s, andere sagen bäh.

Ist die Zubereitung nicht viel aufwendiger als heutzutage?

Mayer: Wenn Sie mich fragen: Ich koche lieber auf dem Gas- als auf einem Elektroherd und bin von daher die offene Flamme gewohnt. Natürlich mussten unsere Vorfahren in den Wald gehen und Holz sammeln, auch das Feuermachen erfordert Zeit und Kenntnis. Aber das Schnippeln und das Garen, das bleibt gleich.

Obwohl die Kelten keine japanischen Messer hatten?

Mayer: Sie hatten bessere! Sie hatten Steinmesser, die sind schärfer als jede Stahlklinge.

Was ist denn Ihre liebste Speise?

Mayer: In der Römerzeit gab es sehr raffinierte Soßen fürs Fleisch, mit Pfeffer und Honig. Das klingt komisch, schmeckt aber fantastisch. Oder Schafskäse und Rucola mit Honig – das ist ein Traum. Ich erinnere mich auch daran, dass wir hier auf dem Spielplatz ein großes Stück Rindfleisch stundenlang in der Nähe des Feuers gedreht haben – das war ein Gedicht!

Denken Sie an ein Kochbuch?

Mayer: Was wir hier kochen, ist ja nur ein Entwurf. Die Zutaten sind authentisch, alles andere ist Fantasie. Ein Kochbuch würde die Assoziation erwecken, es sei bei den Kelten so gewesen – das sollte man als Archäologe vermeiden. Außerdem haben wir einen Geschmackswandel und beurteilen die Gerichte mit dem heutigen Gaumen.

Was steht nächste Woche auf dem Speiseplan – und dürfen auch Erwachsene den Kochlöffel schwingen?

Mayer: Es gibt wieder Hirse. Allerdings – und hier muss ich viele Interessierte enttäuschen – nur für Kinder aus dem Stadtteil. Denn Megilo arbeitet nach dem Prinzip der Aktivspielplätze: Unsere offenen Angebote richten sich an 6 bis 14-Jährige aus Mögeldorf und Laufamholz.

  

Interview: Gabi Pfeiffer

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