10°C

Donnerstag, 30.10. - 14:00 Uhr

|

Kinder im Fußballfieber

Trainerin Petra Kraußer über den Boom bei den Nachwuchskickern - 06.06.2012 07:59 Uhr

Trainerin Petra Kraußer hat alles im Blick. Um Slalomstangen zu rennen, ist für die kleinen Nachwuchskicker auch ohne Ball ein großes Vergnügen. Die Freude an der Bewegung steht im Vordergrund.

Trainerin Petra Kraußer hat alles im Blick. Um Slalomstangen zu rennen, ist für die kleinen Nachwuchskicker auch ohne Ball ein großes Vergnügen. Die Freude an der Bewegung steht im Vordergrund. © Roland Fengler


Frau Kraußer, Ihr Übungsplatz ist an einem Freitagnachmittag ja ganz schön voll. Woher kommt denn die Fußballbegeisterung bei den Kleinen?

Petra Kraußer: Wir werden von der Entwicklung gerade wirklich fast überrannt, aber mit der EM hat das nichts zu tun. Vor fünf Jahren noch hatten wir fast keine Kinder mehr im Verein, daher haben wir angefangen, einmal im Jahr ein Kindergarten- und Hortturnier zu veranstalten. Das kommt super an und seitdem kommen ganz viele zu uns.

Die Vierjährigen sind auf dem Platz ja manchmal noch eher mit Gänseblümchenpflücken beschäftigt und lassen sich gern ablenken. Wie trainiert man die Allerkleinsten?

Kraußer: Mit Fußball hat es in dem Alter natürlich noch nicht so viel zu tun. Wir versuchen, sie am Anfang einfach ganz spielerisch an den Ball zu gewöhnen, damit sie die Angst davor verlieren. Wichtig sind auch Übungen wie Hüpfen, Slalomlaufen oder durch Torbogen krabbeln, damit die Kinder motorisch etwas lernen. Es gehört aber schon auch dazu, dass sie am Ende ein bisschen Fußballspielen dürfen, damit sie das Gelernte auch umsetzen können. Es laufen dann halt alle zusammen dem Ball hinterher (lacht).

Was ist der nächste Entwicklungsschritt?

Kraußer: So ab sechs Jahren in der G2-Jugend geht es dann schon mehr um Fußball und es entwickeln sich langsam die ersten Spielstrukturen. Dann laufen eben nicht mehr alle dem Ball nach, sondern nur ein oder zwei. In dem Alter spielen die Kinder auch schon bei Verbandsturnieren mit.

Schuhe binden: Auch das gehört zu den Aufgaben der Trainer. Mit offenem Schnürsenkel lässt es sich schlecht kicken.

Schuhe binden: Auch das gehört zu den Aufgaben der Trainer. Mit offenem Schnürsenkel lässt es sich schlecht kicken. © Roland Fengler


Kommt dann auch die Theorie ins Spiel, also die Regeln?

Kraußer: Ja, so langsam. Sie lernen zum Beispiel, wie ein Einwurf gemacht werden muss, was bei einem Eckstoß passiert oder was der Torwart machen darf.

Welche Voraussetzung muss ein Jugendtrainer denn überhaupt mitbringen?

Kraußer: Geduld! Man muss alles immer und immer wieder erklären, das ist ganz normal. Man muss auch mal laut werden, wenn die Kleinen zu arg rumkaspern – ohne Strenge geht es nicht. Aber wenn man die Kinder lobt und sie einen dann anstrahlen, das ist schon etwas ganz Besonderes.

Ist es eigentlich eine bewusste Entscheidung, dass Ihr Trainerteam für die Kleinen hauptsächlich aus Frauen besteht?

Kraußer: Nein, das ist eher Zufall. Ich war vor elf Jahren selbst mit vielen anderen Müttern beim Training meines Sohnes am Spielfeldrand gestanden. Daraus hat sich eine eigene Damenmannschaft gebildet. Einige davon sind jetzt wie ich Trainerinnen geworden. Viele Eltern finden es schön, weil sie der Meinung sind, dass Frauen mit ihren Kindern nicht ganz so streng sind wie die Männer.

Auch Schweinsteiger und Co. haben mal ganz klein angefangen. Woran erkennt man, ob ein Nachwuchskicker Talent hat?

Kraußer: Das merkt man, wenn die Kinder sehr aufmerksam sind und besonders gut zuhören, wenn man etwas erklärt. Man sieht es auch daran, wie sich ein Spieler bewegt, wenn er ohne Zögern auf den Ball zugeht und keine Angst vor ihm hat. In diesem Alter geht es uns aber noch nicht um besondere Förderung – sondern einfach um Spaß!

Aber Sie wären schon stolz, wenn bei der EM 2024 ein Spieler vom SV Wacker dabei wäre?

Kraußer: Natürlich! Aber so ein Talent würde schon vorher irgendwann den Verein wechseln, da sind wir einfach zu klein. Ein Spieler aus unserer G-Jugend, der spielt in der kommenden Saison bei Greuther Fürth in der B-Jugendmannschaft.

  

Interview: Manuela Prill

Mail an die Redaktion

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.