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Kleine Läden stehen vor einem Comeback

Uwe Werner vom Einzelhandelsverband sieht große Chancen für die regionale Nahversorgung - 24.08. 07:59 Uhr

Nürnberg  - Viele Kunden wollen Lebensmittel schnell und ohne viel Aufwand einkaufen können. Wo man einkauft, wird nicht mehr nur vom Preis bestimmt, heißt es in einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung McKinsey. Läden, die diese Bedürfnisse befriedigen, so wie das früher Tante-Emma-Läden getan haben, stehen vor dem Comeback. Der Stadtanzeiger sprach mit Uwe Werner, Geschäftsführer des bayerischen Einzelhandelsverbands in Nürnberg.

Tante Emma, wie sie leibte und lebte: Die heutigen Nahversorgungsgeschäfte haben damit nicht mehr viel zu tun.
Tante Emma, wie sie leibte und lebte: Die heutigen Nahversorgungsgeschäfte haben damit nicht mehr viel zu tun.
Foto: oh
Tante Emma, wie sie leibte und lebte: Die heutigen Nahversorgungsgeschäfte haben damit nicht mehr viel zu tun.
Tante Emma, wie sie leibte und lebte: Die heutigen Nahversorgungsgeschäfte haben damit nicht mehr viel zu tun.
Foto: oh

Herr Werner, große Discounter wie Rewe oder Tegut wollen deutschlandweit bis Ende 2012 rund 25 neue, sogenannte Mini-Supermärkte eröffnen. Andere Anbieter werden wohl folgen. Kommt damit der Tante-Emma-Laden wieder zurück?

Uwe Werner: Ja, dieser Trend zeichnet sich ab und ich hoffe von ganzem Herzen, dass sich die Idee durchsetzt.

Wie kann man denn diesen Umschwung erklären?

Werner: Ganz einfach. Die Menschen werden älter, die Mobilität lässt nach. Da braucht es eine verbesserte Nahversorgung. Das gilt übrigens auch für Nürnberg.


Uwe Werner
Uwe Werner
Foto: Matejka
Uwe Werner
Uwe Werner
Foto: Matejka

Nürnberg ist doch eigentlich ganz gut mit Einkaufszentren ausgestattet.

Werner: Auch in Nürnberg gibt es Regionen, in denen im Umkreis von einem Kilometer kein Nahversorgungsangebot besteht. Ich denke da beispielsweise an Stadtrandgebiete wie Brunn. Oder die Marthastraße in Mögeldorf, wo ich wohne. Hier gab es vor vielen Jahren noch eine richtige Ladenszene.


Das was Rewe und andere jetzt vorhaben, hat aber mit dem ursprünglichen Tante-Emma-Laden nicht mehr viel zu tun.



Werner: Natürlich ist das mit den früheren kleinen Geschäften nicht vergleichbar. Gefragt sind multifunktionale Läden, die gezielt auf die Bedürfnisse der Kundschaft ausgerichtet sind.

Und die wären...?

Werner: Es gibt zum Beispiel immer mehr Ein- und Zwei-Personen-Haushalte. Die kaufen keine Großpackungen Margarine oder Reis, sondern brauchen kleinere Einheiten. Außerdem zählt für sie Schnelligkeit, Bequemlichkeit und Service. Der Obstsalat wird nicht selbst gemischt, sondern fertig gekauft.

Ist es nicht auch so, dass viele Leute nach den Lebensmittelskandalen der letzten Zeit lieber dort kaufen, wo sie wissen, dass sie gute Ware kriegen? Auch wenn’s etwas teurer ist?

Werner: Das kommt noch dazu. Die regionale Versorgung mit Bio-Produkten und anderen Waren aus dem näheren Umkreis spielt eine immer größere Rolle. Das könnten solche kleinen Läden natürlich in direkter Kooperation mit den Produzenten aus der Umgebung gut leisten. Und was man nicht vergessen darf: Kleine Läden erfüllen auch eine soziale Funktion als Stadtteiltreff, wo man sich auch mal mit den Nachbarn unterhalten kann.

Einkaufen auf dem Bauernhof ist in. Auch eine Form von Tante-Emma.

Werner: Ja schon. Nur sind diese Läden nicht immer wohnungsnah. Man muss schon mit dem Auto hinfahren. Aber die Selbstvermarkter könnten an den neuen Ladenkonzepten sehr gut partizipieren.

Würden Sie denn einem Kleinunternehmer raten, sich mit dem Tante-Emma-Konzept jetzt selbstständig zu machen?

Werner: Naja. Mit dem Blick in die Vergangenheit muss man sagen, dass viele solcher Läden aufgeben mussten. Nicht wegen Reichtum, sondern wegen der Nachfrage. Wenn jemand jetzt auf den Zug aufspringen will, dann nur mit Kooperationspartnern, wie etwa Genossenschaften.

Der Horten am Aufseßplatz macht zu. Im Gespräch ist auch hier ein Ladenkonzept mit kleinen Einheiten und möglicherweise regionalen Produkten. Ein richtiger Weg?

Werner: Auf jeden Fall. Der Lebensmittelladen, der jetzt drin ist, läuft ja gut. Für die Südstädter wäre das eine gute Lösung. In der näheren Umgebung hat man zwar die Wahl zwischen zehn Handyläden, aber die Nahversorgung kommt dabei zu kurz.

  



Interview: Reinhard Schmolzi

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