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Zur Erinnerung: Da sich widersprüchliche Aussagen dazu finden lassen, warum das Bauernland rund um Buch, Großgründlach und Kraftshof nach der scharf schmeckenden Knolle benannt ist, wollte die Stadtanzeiger-Redaktion an den Wissensschatz der Leser ran.
Hermann Rusam meldete daraufhin leicht empört an, dass er im Fall des Knoblauchslandes des Pudels Kern doch längst entdeckt habe. Nicht nur im Stadtlexikon, sondern auch in seinem Buch über das Knoblauchsland und in weiteren Aufsätzen habe er nach aufwendigem Quellen-Studium belegt: „Das Knoblauchsland heißt so nach dem Zwiebelgewächs und nicht etwa, weil dort eine Familie mit diesem Namen lebte.“
Tatsächlich lasse sich seit 1396 in verschiedenen Ortschaften des Gemüseanbaugebiets der Familienname Knoblauch nachweisen. Doch die Familie Knoblauch unterscheide sich durch nichts von anderen Sippen. „Sie waren nicht mal Grundherren, sondern wie viele andere Bauernfamilien Untertanen verschiedener Grundherren“, so Rusam.
Die Forschungsrichtung, die davon ausgeht, dass es ein Familienname ist, der dem Nürnberger Bauernland seinen Namen gegeben hat, sei auch noch recht jung. Um 1920 stellten Forscher diese Theorie auf, sagt Rusam, der bereits die Historie vieler Stadtteile unter die Lupe genommen hat.
Er ist überzeugt, dass sich der Familienname Knoblauch nur deshalb etablierte, weil in Nürnbergs Norden eben so viel von dem Zwiebelgewächs angebaut worden ist. „Der älteste Nachweis für den Knoblauchanbau dort stammt aus der Zeit um 1381/86.“ Ob es Untertanen des staufischen Königshauses waren, die den Knoblauch von Kreuzzügen aus dem Orient mit nach Franken brachten, sei nicht mehr zu klären.
Jedenfalls notierte 1623 der Nürnberger Ratsschreiber und Annalist Johannes Müllner, dass im Knoblauchsland „viel Zwiefel und Rubsamen“ angebaut werden. Und Handel wurde mit den Knollen auch reichlich getrieben, „lustigerweise gingen die auch nach Italien oder Spanien“. Genau in die Länder also, aus denen jetzt viel Knoblauch nach Deutschland importiert werde, schmunzelt Rusam.
Er hält Knoblauchsland letztlich für einen Spottnamen, den die Nürnberger dem Landstrich gaben, weil dort die auffällig streng nach der Heilpflanze riechenden „Knuwerla-Bauern“ wohnten. „Die revanchierten sich, indem sie die Nürnberger als die Abnehmer von Gemüse und der beliebten Petersilie neckend Bäiderlasboum nannten“, so der Historiker.
Rusam sprach noch mit Nürnbergs legendärer Marktfrau Margarete Engelhardt, der 2011 am Hauptmarkt ein Denkmal gesetzt wurde. Sie erzählte ihm vom Knoblauchanbau, „oft wurde er in Hofgärten oder am Rand von Spargelfeldern gezogen“. Nach 1945 habe sich der Anbau ganz auf den Eigenbedarf der Bauern beschränkt, „nur ein paar Metzger nahmen Knollen für ihre Knoblauchwurst ab“. Auch heute gebe es noch Knoblauch aus Nürnberg, „aber nur in kleinen Mengen, auf dem Hauptmarkt ist keiner zu kaufen“.
In unserer Fotoserie "Mittags in der Stadt" finden Sie an den fünf Werktagen ein aktuelles Foto aus Nürnberg.
In unserer Fotoserie "Auf Pirsch im Tiergarten" finden Sie tierische Fotos.