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Öffentlicher Bücherschrank im „Gutmann“ am Dutzendteich erfreut sich großer Beliebtheit - 19.08.2012 08:44 Uhr

Irmgard Kothes gehört zu den zahlreichen Stammkunden des öffentlichen Bücherschranks. Sie sucht sich hier ihre Freizeitlektüre aus und ist von der Vielfalt des Angebots überrascht.

Irmgard Kothes gehört zu den zahlreichen Stammkunden des öffentlichen Bücherschranks. Sie sucht sich hier ihre Freizeitlektüre aus und ist von der Vielfalt des Angebots überrascht. © Peter Romir


Ein Bücherschrank in einem Biergarten? Das klingt erst mal etwas komisch: Passen Bratwurstbrötchen und Buddenbrooks wirklich zusammen? Ein bisschen suchen muss man den Literaturschrank dann auch — aber sobald man ihn im Eingangsbereich des Festsaals im „Gutmann“ (vormals „Strandcafé Wanner“) gefunden hat, überrascht er einen: Groß, aufgeräumt, gut gefüllt und zum Schmökern einladend steht er da.

Die Auswahl an Büchern ist bunt, auch wenn der Trend klar nicht zu den dicken Wälzern der E-Literatur geht, sondern eher zu Simmel, Konsalik und Co. Aber auch bunte Bildbände, Witze-Sammlungen oder Kurzgeschichten finden sich hier.

„Das ist genau das Richtige für den Sommer — da suche ich leichte Unterhaltung. Am besten ein Taschenbuch, das ich gut draußen lesen kann“, freut sich Irmgard Kothes, die sich selbst als „Stammgast“ bezeichnet: „Ich habe den Schrank vor etwa sechs Wochen entdeckt und bin seitdem regelmäßig hier. Für mich ist es ideal, weil ich keinen großen Bücherbestand daheim haben will, sondern mir lieber immer wieder Bücher ausleihen und dann wieder herbringen möchte.“

Aufgestellt wurde der erste öffentliche Bücherschrank der Stadt vom Bildungscampus Nürnberg, dem Zusammenschluss aus Stadtbibliothek und Bildungszentrum, dessen Mitarbeiter auch in regelmäßigen Abständen vorbeischauen, um zu gewährleisten, dass der Schrank ordentlich aussieht und kein Quatsch drinnen liegt. Ansonsten bleibt er aber der Tauschfreude der Nutzer überlassen. Von der Stadt bestückt wurde er nur bei der Auftaktveranstaltung im März, bei der auch Gäste wie Kulturreferentin Julia Lehner Bücher aus ihrer Sammlung einstellten.

Wegen der großen Nachfrage war bald klar, dass der Schrank im „Gutmann“ nur der Auftakt ist: Für 2013 sind weitere Leseregale geplant, wie Rita Kamm-Schuberth vom Bildungscampus verrät: „Wir sind derzeit noch auf der Suche nach günstigen Standorten. Also solchen, an denen viele Menschen für kurze Zeit zusammenkommen — etwa im Krankenhaus oder am Flughafen.“ Angst, dass gerade am Airport viele Bücher auf eine Reise ohne Wiederkehr gehen und sich der Schrank langsam leert, hat sie nicht: „Das Prinzip Mitnehmen-Lesen-Bringen funktioniert gut. Das haben auch die Erfahrungen in anderen Städten gezeigt.“

Bundesweit im Trend

Denn der Blick über die Stadtgrenze zeigt, dass öffentliche Bücherschränke bundesweit im Trend liegen und gut angenommen werden — auch in der Nachbarstadt Fürth wartet im Kulturforum Schlachthof ein Tauschregal. Die Idee des freien und kostenlosen Literaturtausches scheint auch gut in die moderne, am Internet geschulte Informationsgesellschaft zu passen: Lesen 2.0 sozusagen.

Eine Konkurrenz zu den Stadtteilbibliotheken sehen die Nutzer und die Macher nicht, da das Zielpublikum ein anderes ist: „Mich überzeugt ja gerade, dass es keine festen Ausleihzeiten gibt, wenn ich etwas einstelle oder heraushole“, freut sich Irmgard Kothes. „Da bin ich hier absolut frei.“
  

Peter Romir

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