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Kreative Köpfe sollen Ladenhüter beleben

SPD-Stadträte sorgen sich um Leerstand von Geschäften in St. Leonhard und Schweinau — Auch Wirtschaftsreferent arbeitet an Konzept - 30.05.2012 08:00 Uhr

Thorsten Brehm und Katja Strohhacker vor der leeren „St. Leonhard Apotheke“.

Thorsten Brehm und Katja Strohhacker vor der leeren „St. Leonhard Apotheke“. © Michael Müller


2010 sorgte eine Studie der Stadt über den Ladenleerstand in St. Leonhard und Schweinau für Aufsehen. Ergebnis: 52 Läden, in denen früher Einzelhändler und Dienstleister ihren Geschäften nachgingen, stehen leer. Die Hoffnung auf eine Wiederbelebung sei gering, hieß es abschließend. 26 der aufgegebenen Geschäfte waren schon so lange zu, dass sich Nachbarn schon gar nicht mehr daran erinnern konnten, dass sich in den Räumen einmal ein Laden befand. Räumliche Schwerpunkte des Leerstands waren und sind die Hauptverkehrsachsen wie die Schwabacher Straße, Schweinauer Straße, Schweinauer Hauptstraße, Kreutzerstraße oder Holzschuherstraße.

Auch Gründe für den Leerstand lieferte die städtische Studie. Oft waren es der marode Zustand der Gebäude oder zu geringe Ladenflächen, die den Händlern ein vernünftiges Wirtschaften unmöglich machten. Das geänderte Konsumverhalten und neue Einzelhandelsstandorte, wie etwa in der Geisseestraße oder auf dem früheren Hercules-Areal an der Nopitschstraße, sorgten ebenfalls dafür, dass die Kunden abwanderten.

Die beiden SPD-Stadträte Thorsten Brehm und Katja Strohhacker wollen nun die brachliegende Ladenszene wieder neu beleben. Ihre Idee klingt einfach, denn sie denken an die Einbindung kreativer Zwischennutzer. Brehm: „Nachdem sich in den letzten beiden Jahren an der Situation nichts verändert hat, müssen wir versuchen, durch unkonventionelle Maßnahmen ein weiteres Abrutschen der Stadtteile zu verhindern.“ Mit den nicht genutzten Ladenlokalen verwahrlost nach Ansicht der beiden SPD-Politiker auch deren Umfeld.

Katja Strohhacker: „Wir müssen diesen Effekt umkehren und deshalb Möglichkeiten der Zwischennutzung ausloten.“ Insbesondere die Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft hätten dazu das nötige Potenzial. Im Auge haben die beiden Stadträte dabei die Gruppe „metropol.Z“, die aus dem Netzwerk der Zentrifuge auf AEG hervorgegangen ist. Das Angebot von „metropol.Z“ umfasse auch Projektmanagement. Thorsten Brehm: „In die leeren Läden könnten Künstler oder Unternehmensgründer einziehen.“

Zusammen mit dem örtlichen Quartiersmanagement könnte man die Erfahrungen eines solchen Pilotprojekts auswerten und ein Modell auch für andere Stadtteile entwickeln, sind sich Strohhacker und Brehm einig.

Auch das städtische Wirtschaftsreferat war in Sachen Ladenleerstände nicht untätig, wie der neue Wirtschaftsreferent Michael Fraas auf Anfrage versichert. Im Sommer werde er dem Stadtrat ein Konzept vorlegen, wo die Idee der kreativen Zwischennutzung ebenfalls eine Rolle spielt. Seit März, so Fraas, befragen seine Mitarbeiter die Eigentümer der Anwesen mit leerstehenden Läden und loten die Mitwirkungsbereitschaft aus. In vielen Fällen wird es ohne Sanierung des Hauses nicht gehen. Fraas: „Wir wollen einen persönlichen Kontakt aufnehmen und unsere Hilfe anbieten.“

Bürgerverein skeptisch

„Gegen eine Zwischennutzung spricht nichts, aber eine Zwischennutzung macht noch keinen Sommer“, gibt sich Klaus Thaler, Vorsitzender des Bürgervereins St. Leonhard/Schweinau, pessimistisch. Eine vernünftige Lösung des Problems hänge doch davon ab, wie es den Bewohnern des Stadtteils geht. Thaler: „Kein Laden kann sich halten, wenn die Leute kein Geld haben.“ Auch das Verhalten der Stadt sei nicht koscher, denn wer die Ansiedlung von immer mehr Discountern ermöglicht, sollte keine Krokodilstränen vergießen, wenn kleine Läden schließen. 

REINHARD SCHMOLZI

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