2°C

Freitag, 28.11. - 19:09 Uhr

|

Kritik am Hafen: „Das ist Etikettenschwindel“

Die Bewohner der Siedlungen Süd wollen rechtzeitig über Entwicklungen informiert werden - 25.05.2012 07:59 Uhr

Im Güterverkehrszentrum Hafen wurden 2011 15,5 Millionen Tonnen umgeschlagen.

Im Güterverkehrszentrum Hafen wurden 2011 15,5 Millionen Tonnen umgeschlagen. © Matejka


Der Nebenraum der Sportgaststätte Falkenheim platzt aus allen Nähten. Jeder Stuhl ist besetzt, einigen wenigen bleiben nur Stehplätze. Mit solch einem Andrang hatte der Bürgerverein Siedlungen-Süd gar nicht gerechnet. Ein Beleg, dass das Thema Hafen von großem Interesse ist.

Die Umschlagleistung des Güterverkehrszentrums belief sich 2011 immerhin auf 15,5 Millionen Tonnen. Davon kamen 10,6 Millionen über die Straßen, 4,4 Millionen über die Schiene und nur 0,5 Millionen über das Wasser, berichtete Jürgen Christgau, Planungschef der Hafen Nürnberg/Roth GmbH.

In den Augen vieler Anwesender trägt der Hafen deshalb seinen Titel zu Unrecht. „Das ist doch Etikettenschwindel“, schimpft einer. Doch Christgau möchte das nicht stehen lassen: „Der offizielle Titel ist Güterverkehrszentrum Hafen Nürnberg“, erklärt er und ein Güterverkehrszentrum sei das Gebiet.

Beim Blick auf eine Luftaufnahme des Hafengebiets meldet sich ein weiterer Zuhörer zu Wort: „Sie haben uns heute die Augen geöffnet: Mir als Anwohner, der Freizeit- und vor allem auch Grundstückswert verliert, war gar nicht bewusst, welche Dimension dieser Komplex inzwischen erreicht hat. Ich hoffe, dass wir künftig besser miteingebunden und informiert werden. Denn selbst wenn der Verkehr so bleibt: Ich habe Kinder, die hier einmal wohnen möchten.“ Starker Beifall unterstreicht seine Aussage und die angespannte Stimmung im Saal.

Des Weiteren befürchten die Anwohner eine Verkehrsverdopplung durch den Ausbau der Zufahrtsstraßen zum Hafen: Die A73 soll zwischen Zollhaus und der Ausfahrt Hafen-Ost sechsspurig ausgebaut werden. „Theoretisch ist der Baubeginn 2015 möglich. Ich rechne aber nicht vor 2017/18 damit“, erklärt SPD-Stadtrat Gerald Raschke den anwesenden Besuchern.

Die Abfahrt Königshof soll außerdem ausgebaut werden. „Als Vorlage dient uns hierzu die Ausfahrt Hafen mit dem zweispurigen Abbiegen“, schildert Christgau. Im Rahmen dessen solle auch die Leistungsfähigkeit des Marthwegs erhöht werden und an der Kreuzung Marthweg/Wiener Straße sowie an der abknickenden Vorfahrt der Wiener Straße/Vorjurastraße ein Kreisverkehr installiert werden. „Dieser dient gerade bei der Vorjurastraße der Verkehrssicherheit“, berichtet Raschke. Bislang zähle die Kreuzung zu den gefährlichsten in Nürnberg. Zwar sei die Finanzierung noch unklar, im Stadtrat bestehe laut Raschke jedoch der Wunsch, im nächsten Jahr zu beginnen.

Unterdessen hat der Bau der stark umstrittenen Starkstromleitung vom Hafengebiet entlang Königshof schon begonnen. Die Leitung und das Umspannwerk, die laut Raschke weniger den Energiedurst des Hafens, als vielmehr den Strombedarf der Neubaugebiete in Katzwang oder beispielsweise Herpersdorf decken sollen, haben die Anwohner nun Angst vor einer Ausweitung des Hafengeländes in Richtung Wald südlich der Wiener Straße.

Doch sowohl der Vertreter der Hafen Nürnberg-Roth GmbH als auch der SPD-Stadtrat versichern: „Derzeit gibt es keine Überlegungen, das Gebiet in Anspruch zu nehmen.“ Außerdem, so Raschke weiter, sei sich die SPD einig, die Fläche nicht anzugreifen, solange es im Stadtgebiet noch andere nutzbare Flächen gibt.

Projektraum einrichten

Dennoch appelliert Bürgervereinschef Albrecht Kippes an die Vertreter der Stadt und des Hafens: „Wir wollen uns einbringen, doch dafür müssen wir die Pläne kennen.“ Sein Vorschlag lautet deshalb, einen öffentlich zugänglichen Projektraum einzurichten, in dem sich zu gegebener Zeit alle Interessierten über die Bauvorhaben informieren können. „Wenn die Pläne vorhanden sind, können wir das gerne tun, bevor sie zur Bestätigung nach Berlin gehen“, erklärt der SPD-Stadtrat.

Doch die Anwohner bleiben skeptisch: „Dann ist es wieder einmal zu spät. Denn wenn wir sie erst kurz vor dem endgültigen Okay in Berlin sehen, können wir daran nichts mehr ändern.“ 

ALEXANDRA HADERLEIN

Mail an die Redaktion

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.