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Kritik aus der Südstadt: „Slums mit Ghettobildung“

Die Bewohner überhäuften Wirtschaftsreferent Michael Fraas mit harter Kritik - 23.05.2012 07:59 Uhr

Wirtschaftsreferent Michael Fraas wurde mit den Sorgen der Südstädter konfrontiert, etwa die Schließung des Kaufhofs am Aufseßplatz.

Wirtschaftsreferent Michael Fraas wurde mit den Sorgen der Südstädter konfrontiert, etwa die Schließung des Kaufhofs am Aufseßplatz. © Günter Distler


Angesichts der trüben Aussichten, mit denen sich die Südstädter konfrontiert sehen — Kaufhof-Abriss, Ausbau des Frankenschnellwegs, Spielhallenbelastung, hatte der CSU-Politiker Mühe, die Menschen zu überzeugen, dass die Kommune alles tun werde, um für sie zufriedenstellende Zukunftslösungen zu finden. Schwer wiegen die Probleme, allen voran der unweigerlich näherrückende Kaufhof-Abriss am Aufseßplatz und die damit verbundene Schließung der beliebten Edeka-Filiale, die die Nahversorgung in der Südstadt sichert. Fraas, gebürtiger Nürnberger und Südstädter, konnte den Bürgern nur mitteilen, dass die Metro mit Investoren verhandle, dass man den Einkaufsstandort erhalten wolle, doch nicht mehr.

Auch die vielen Spielhallen regen die Südstädter auf.

Auch die vielen Spielhallen regen die Südstädter auf. © Günter Distler


Fest steht, dass ab dem Sommer kein Supermarkt mehr da und bislang keine Übergangslösung in Sicht ist. Alles, was Fraas den Stadtteilbewohnern dazu sagte, begann mit: „Wenn der Investor da ist...“ Da kam auch wenig Freude auf über die Information, dass die Stadt 200000 Euro vom Bund für ein Stadtteilentwicklungskonzept mit Bürgerbeteiligung bekommen hat und dass man dieses Pilotprojekt hier aufsetzen möchte – „sobald es am Aufseßplatz weitergeht“. Man wolle die Südstadt Schritt für Schritt aufwerten, versprach Fraas.

„Stadt hat geschlafen“

Die Botschaft wollte nicht so recht ankommen. Bisher habe die Stadt geschlafen, stellte eine Teilnehmerin fest und monierte die heruntergekommenen Wohnungen im Stadtteil. Folgerung: „In der Südstadt wohnt man nicht.“ „Bei uns wird Ghettobildung betrieben“, lautete ein anderer Vorwurf. Ein Anwohner, der seit 52 Jahren hier zu Hause ist, sprach gar von „den südlichen Slums der Metropolregion“.

Mit gemischten Gefühlen erwarten die Bürger den geplanten Ausbau des Frankenschnellwegs. Eine Bewohnerin aus der Werderau gab zu bedenken, dass die Schadstoffe, die im Tunnel entstehen, „zu uns herausgepustet werden“, das heißt, dass es für das jetzt schon belastete Wohngebiet noch schlimmer kommen könnte. Dass der Verkehr zunehmen wird, stand für Wirtschaftsreferent und Teilnehmer an diesem Abend ohnehin fest. Doch verlangten die Bürger mehr Informationen über den Stand der Dinge.

Jemand erinnerte an die Zusage der Stadt, ein Jahr vor Beginn des Planfeststellungsverfahrens eine Messstation aufzubauen, um Klarheit über die Verschmutzung zu bekommen. Bis jetzt gibt es diese nicht. Ein anderer Einwand lautete, dass der Ausbau des Frankenschnellwegs die Situation in der Südstadt noch verschlechtern werde: Die Geschäfte würden abziehen und die Ghettoisierung weiter voranschreiten.

„Wie ein Geschwür“

Mit Unmut und Hilflosigkeit reagierten die Südstädter auf die Spielhallen, die sich „wie ein Geschwür“ ausbreiten. Verwundert wurde registriert, dass einige anscheinend kaum genutzt werden – was als Anzeichen für unseriöse Betreiber angesehen wird. „Der Verdacht der Geldwäsche erscheint zum Teil nicht ganz abwegig“, formulierte es Peter Löw vom Bürgerverein Nürnberg-Süd vorsichtig. Eine Dame berichtete von Spielhallenbesuchen, die die ganze Nacht andauern. Die Polizei würde allerdings nicht einschreiten.

Wirtschaftsreferent Michael Fraas stand im Kreuzfeuer.

Wirtschaftsreferent Michael Fraas stand im Kreuzfeuer. © Ulrike Pilz-Dertwinkel


„Wir hätten längst eingegriffen“, erklärt Fraas, doch der Stadt seien die Hände gebunden. Die Zuständigkeit liege nämlich beim Landesgesetzgeber. Eine leichte Entspannung der Situation erhofft man sich, wenn ein Gesetz zur Vorgabe von Mindestabständen der Spielhallen kommen sollte, das derzeit diskutiert wird. Das wäre „besser als nichts“, so Fraas. Das effizienteste Mittel wäre seiner Ansicht nach eine Spielhallensteuer, um den Betrieb unrentabel zu machen. Aber dafür gebe es keine Mehrheit im Landtag. 

ULRIKE PILZ-DERTWINKEL

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