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KulTour: Ein Faible für tiefe Abgründe

Nikolaus Struck spielt mit seinem „Theaterprojekt“ an verschiedenen Orten - 29.11.2013 07:59 Uhr

Der Nürnberger Schauspieler Nikolaus Struck liebt die Darstellung von abgründigen Figuren.

Der Nürnberger Schauspieler Nikolaus Struck liebt die Darstellung von abgründigen Figuren. © privat/PR


Und dann sitzt er einem im Café gegenüber, der Schauspieler, Regisseur und Theaterdirektor in Personalunion, der als unruhiger Geist seit Jahrzehnten durch die freie Szene dieser Stadt geistert und mit dem man sich entsprechend schnell verquatscht über das Drehen von Filmen, die Nürnberger Lokalpolitik und die bewegte Geschichte vom „Hemdendienst“, jenem legendären Nürnberger Gastro-Phantom, das derzeit im alten Volksbad am Plärrer beheimatet ist.

Dabei wollten wir doch eigentlich über Nikolaus Struck reden und sein „Theaterprojekt“. Das verfolgt der Nürnberger seit 2002 und hat in dieser Zeit mit kleinem Stammteam und großem Netzwerk 23 Produktionen an wechselnden Orten gestemmt. Denn „Das Theaterprojekt“ hat kein festes Haus, sondern spielt als Off-Bühne mit schmalem Budget immer dort, wo es gerade passt.

Bei aller Vielseitigkeit sind es gerade die gebrochenen, abgründigen Figuren, die den 52-Jährigen auf der Bühne reizen. Wie der alte, einstmals gefürchtete Theaterkritiker in Conor McPhersons Vampir-Monolog „St. Nicholas“, den Struck am 6. und 7. Dezember jeweils um 20 Uhr im Theater „O“, Lessingstraße 6, spielt. „Dabei ist es eigentlich weder eine Vampirgeschichte noch ein Drama über einen Kritiker, sondern einfach nur eine sehr schön erzählte Geschichte über Sein und Schein, Sucht und Suff, das Leben und die Liebe.“

Außerdem kann man Nik Struck am 30. November in dem Ein-Personen-Stück „Die Nacht kurz vor den Wäldern“ erleben (20 Uhr, ebenfalls Theater „O“). Im Sommer wird er mit seinem „Theaterprojekt“ die Komödie „König Ubu“ am Gostner Hoftheater inszenieren. Parallel dreht Nikolaus Struck in aller Ruhe mal wieder einen experimentellen Kurzfilm („der erste seit 1988, von dem ich sage, es ist ein Film“) und ist außerdem erneut OB-Kandidat der Wählervereinigung „Die Guten“. Doch das sind andere Geschichten, die ein andermal erzählt werden. Infos: www.dastheaterprojekt.de

Seine KulTour-Tipps: Nikolaus Struck empfiehlt aktuell im Kino Joshua Oppenheimers finstere Doku „The Act Of Killing“ über die andere Seite des Urlaubsparadieses Indonesien sowie auf DVD das schwedische Drama „Songs from the Second Floor“ (2002).

Sein Musiktipp ist „The Rules of Fire“, das neue Multimedia-Livealbum der Schweizer Liedermacherin Sophie Hunger. Ansonsten: „Zur Zeit lese ich mal wieder ,Die Dialektik der Aufklärung’ von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, ohne natürlich alles zu verstehen. Aber wenn man das Buch, das 1944 erschienen ist, auf unsere modernen Medien hin abklopft, dann ist es schon sehr interessant zu sehen, wie die Aufklärung gerade im Begriff ist, sich selbst abzuschaffen.“
  

Stefan Gnad

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