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KulTour: Wenn das „Jammerholz“ das Gruseln lehrt

Die Blockflötistin Caroline Hausen ist in der Blauen Nacht bei einer Performance im Künstlerhaus dabei - 17.05.2012 08:59 Uhr

Caroline Hausen spielt in der Blauen Nacht bei der „Symphonie des Grauens“ mit.

Caroline Hausen spielt in der Blauen Nacht bei der „Symphonie des Grauens“ mit. © Gnad


Um 20 und 22 Uhr wird Blockflötistin im 1.Stock des Künstlerhauses, Königstraße93, mit dem Berliner Musiker und Performancekünstler Brezel Göring von der Band „Stereo Total“ ausgewählt-gruselige Stummfilm-Meisterwerke begleiten.

„Ich bin seit Jahren Fan von ,Stereo Total‘ und wollte immer mal einen Stummfilm mit Musik unterlegen. Dass beides nun zusammenkommt, ist super.“ Wobei in diesem Fall Welten aufeinanderprallen: Hier die klassische Musikstudentin, dort der Klangschrauber und Trash-Popper, der bis heute dem Genialen-Dilletanten-Ansatz der frühen deutschen Punkbewegung folgt.

„Stimmt schon“, nickt die 23-Jährige, die auch bei dem inzwischen zur Band angewachsenen Soloprojekt Maya Nadir der Nürnberger Produzentin Melanie Kurhan mitmischt. „Bei uns an der Musikhochschule läuft alles unglaublich verkopft ab, man muss immer so viel begründen. Klassische Musiker sind völlig aufgeschmissen, wenn man ihnen das Notenblatt wegnimmt.“ Deshalb wird am Samstag weitgehend ohne Noten musiziert. Nur ein Stück ist auskomponiert, der Rest wird improvisiert – mit verschiedenen Herangehensweisen. Ergo wird Brezel zwei Tage vorher anreisen und einen Workshop an der Musikhochschule geben. Die Studenten sind selbstverständlich im Kommkino mit dabei. Internet: www.kommkino.com

In zwei Blöcken laufen Stummfilme aus der Zeit um 1910, die zwischen zwei und fünf Minuten lang sind. Die Idee ist, dass diese Filme die Sätze der Symphonie (des Grauens) sind. Ein Grauen ist für viele Menschen auch die Blockflöte an sich – Stichwort „Jammerholz“. Doch Caroline Hausen, die seit ihrem fünften Lebensjahr spielt, lässt nichts auf ihr Instrument kommen: „Klar, jeder kennt es aus dem Kindergarten, aber kaum wer weiß, dass es für die Blockflöte ziemlich viele Stücke gerade in der neuen Musik gibt. Wir haben überhaupt ein riesiges Repertoire durch alle Jahrhunderte, nur in den Jahren 1750 bis 1950 klafft eine Lücke.“

Ihre KulTour-Tipps: Caroline Hausen empfiehlt die Partyreihe „Funk Soul Brother“ in der Kulturkellerei des Künstlerhauses (nächster Termin: Samstag, 26.Mai) und die Donnerstags-Schiene im Club Stereo, Klaragasse8. Wer nur auf ein Glas Wein weggehen möchte, der oder dem empfiehlt die gebürtige Bambergerin die „Weinerei“ am Prinzregentenufer 5 mit ihrem einzigartigen Gastro-Konzept (der Gast mietet sich ein Glas und bestimmt am Ende selbst, was ihm der Abend wert war).

Ihr CD-Tipp: Alles von Stereo Total („herrlich gegen jede Art von Trübsal!“), der Klassiker „Strange Days“ von The Doors und das Hamburger Barockorchester Elbipolis — allein wie ihre unerhörte Kooperation „Outer Space“ mit DJ Brezel Göring.

Gastronomisch empfiehlt sie „leckere Säfte und Currys in der ,Mischbar‘ am Hauptmarkt“ und die französische Küche im „Prison St. Michel“ in der Irrerstraße. Und ihre Film-Tipps sind neben der „The Doors“-Biografie von Oliver Stone („da bekommt man als Kind der späten 80er glatt das Gefühl, man hätte etwas verpasst“) alles von Pedro Almodóvar.

  

Stefan Gnad

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