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Leise pumpt der Gas- und Sauerstoffbrenner, über dessen blauer Flamme die Erlangerin ihre Glasperlen fertigt – von Hand. Diese werden übrigens gewickelt und dürfen im Sandkasten (gefüllt mit einem körnigen Granulat namens Vermiculit) abkühlen und härten. „Die Welt der Hohlglasperlen ist groß“, lächelt Mary Sych, die edle Anhänger in allen Farben, Formen und Größen herstellt – mit lustigen Augen oder witzigen Knubbels („Sputniks“).
Die herzigen Schäfchen, die sie am Gravurbock nebenan von Hand in schlanke Trinkgläser ritzt, sind jedoch nur die handwerkliche Seite ihres Berufs. Wenn bei der Glasgestalterin gerade keine Auftragsarbeiten anstehen (von der Reparatur von Tiffany-Lampen hin zu Entwürfen für individuelle Fenster), widmet sie sich mit Leidenschaft ihrer (Glas-)Kunst, sprich dem, was ihr Kopf so ausspuckt. Und das ist manchmal ganz schön experimentell, kritisch und düster.
„Man hat ’ne Idee, und die muss umgesetzt werden“, sagt Mary Sych und zieht „Living & Die“ aus der Vitrine: zwei mit Stacheldraht umwickelte Schalen, die eine mit Eierschalen und die andere mit kleinen Knochen gefüllt – alles aus Glas, versteht sich.
Der Goldene Löffel mit Krönchen am Griffende, der ein Glasei balanciert, ist Sychs Antwort auf die vielen seltsamen Kochshows im Fernsehen. Und dann ist da die Sache mit dem Glaszahn. Die Idee kam der 48-Jährigen im Wartezimmer des Zahnarztes, bei dem sie 2012 viel Zeit verbringen musste. Vor Weihnachten entpuppte sich die Anhängerserie prompt als kleiner Verkaufsschlager.
„Wobei darauf meistens Menschen anspringen, die entweder kein so gutes oder eben gerade ein sehr herzliches, in jedem Fall also ein sehr spezielles Verhältnis zu ihrem Zahnarzt haben – so sie nicht ohnehin beruflich aus dieser Ecke kommen.“ Derzeit gilt Mary Sychs künstlerisches Interesse vor allem Lampen: Schicken Glaswürfeln, die frei von der Decke hängen und für ein eindrucksvolles Lichtspiel sorgen.
Arbeiten von Mary Sych sind derzeit im Hirtenmuseum Hersbruck zu sehen — im Zuge der Gemeinschaftsausstellung „feminomenale RetroPerspektiven“. Am 14.Februar steigt dort ab 19 Uhr zum Valentinstag ein großes Abschlussfest mit Wein, Lagerfeuer, Musik- und Literaturbeiträgen. Infos unter: www.sych-art.com
Ihre KulTour-Tipps: Mary Sych schätzt den „Kunstraum Rosenstraße“ in Fürth, ihre Nachbarn vom Nürnberger Burgtheater und sowie die „Zentrifuge“ auf AEG. Ihr Buchtipp ist „Karte und Gebiet“, der aktuelle Roman von Michel Houellebecq.
Musikalisch empfiehlt sie das „MTV Unplugged“-Album von Mando Diao – „sehr angenehme Gute-Laune-Musik!“ Und im Kino mag sie „alles, nur nicht den ,Hobbit‘!“ Grund? „Ich liebe die Bücher, doch die Verfilmung ist diesmal nur langweilig. Einziger Lichtblick ist der Gollum, den ich als Figur schon im ,Herrn der Ringe‘ spitze fand.“
In unserer Fotoserie "Mittags in der Stadt" finden Sie an den fünf Werktagen ein aktuelles Foto aus Nürnberg.