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Herr Büttner, macht Ihnen die Arbeit als AGBV-Vorsitzender keinen Spaß mehr?
Peter Büttner: Doch. Aber ich bin auch seit 1995 Vorsitzender des Bürgervereins Nürnberger Westen. Hier stehen viele große Projekte an und wenn man seine Arbeit mit einem gewissen Anspruch machen will, geht beides zusammen nicht mehr. Das ist übrigens keine Frage des Alters, sondern des Zeitmanagements.
Hochwasserschutz im Knoblauchsland, der Neubau des Kaufhofs in der Südstadt oder die anstehende Bebauung des Tiefen Feldes in Großreuth oder der Ausbau des Frankenschnellwegs. Überall wird von den Bürgervereinen erwartet, dass sie sich fundiert für die Belange ihrer Stadtteile einsetzen. Ist das überhaupt leistbar?
Büttner: Die Arbeit wird nicht weniger, das ist der Punkt. Aber die Aufgaben sind für einen Bürgerverein zu schaffen, wenn Wille und Bereitschaft vorhanden sind. Wir haben es in der AGBV in den letzten zehn Jahren erreicht, mit dem Rederecht im Stadtrat, der Möglichkeit, direkte Anträge an den Oberbürgermeister stellen zu können oder den drei Bürgervereinsrunden pro Jahr mit dem OB und den Referenten, in die Stadtpolitik eingebunden zu werden. Das muss eine Selbstverpflichtung für alle sein, diese Angebote auch zu nutzen.
Es reicht also nicht aus, als Bürgerverein nur die Stadtteil-Kirchweih zu organisieren?
Büttner: Das Erreichte bedeutet eine gewisse Pflicht, für den Stadtteil etwas zu tun, sich für die Belange der Bürger einzusetzen und ein offenes Ohr für Gespräche zu haben. Das kostet zwar alles auch Zeit, ist aber wichtig. Wobei die Bürgervereine ihre Schwerpunkte natürlich selbst setzen können. Die einen kümmern sich schwerpunktmäßig um Stadtplanung und Verkehr, die anderen um Stadtteilfeste oder Kirchweihen.
Dennoch, wenn man sich bei den Bürgervereinen umhört, bekommt man schon mit, dass die Anforderungen gestiegen sind.
Büttner: Wer mitreden will, muss sich einbringen und sich informieren. Das bedeutet natürlich Arbeit. Nur zu kritisieren bringt wenig. Man muss seine Haltung auch begründen können. Und: Das Amt des Bürgervereinsvorsitzenden ist keine Tätigkeit für Alleinunterhalter. Es zählt letztlich das Team, auch wenn vieles zwangsläufig auf den Vorsitzenden zuläuft. Für jemanden, der auch noch mitten im Berufsleben steht, ist es sehr schwierig geworden, alles unter einen Hut zu bekommen.
Wird denn das im Stadtrat gewährte Rederecht von den Bürgervereinen genutzt?
Büttner: Ich hätte mir mehr gewünscht. Aber es gibt auch Bürgervereine, die ihre Probleme im Vorfeld in Gesprächen mit der Verwaltung und Politik klären.
Wie sieht denn aus Ihrer Sicht die Zukunft der Bürgervereine aus?
Büttner: Künftig werden wir nicht darum herumkommen, jüngere Leute in die Vorstände zu holen. Ältere, erfahrene Bürgervereinsmitglieder, die mehr Zeit haben, könnten dann Hintergrundarbeit leisten, ohne in der ersten Reihe stehen zu müssen. Sie sollten ihre Erfahrung einbringen und den jungen Arbeit abnehmen, indem sie beispielsweise in die Stadtratssitzungen gehen und Bericht erstatten.
Noch mal zurück zu der steigenden Beanspruchung bei der Mitwirkung an größeren Stadtteil-Projekten. Wären in solchen Fällen nicht doch Bezirksausschüsse die bessere Lösung, wenn es darum geht, das Beste für den Stadtteil aus einer Planung herauszuholen?
Büttner: Nein. Bezirksausschüsse kosten Geld und blockieren sich oft ideologisch selbst. Wenn sich die Bürger freiwillig selbst organisieren und mitwirken, bringt das mehr als über Parteilisten. Da denke ich basisdemokratisch.
Zehn Jahre AGBV-Vorsitzender. Da hat sich viel entwickelt.
Büttner: Wir haben eine Geschäftsstelle, konnten die Mitwirkungsmöglichkeiten der Bürgervereine bei städtischen Planungen verbessern und haben mit den Siedlungen-Süd, der Werderau und der Altstadt wichtige Lücken im Bürgervereinsnetz schließen können. Für weiteres Engagement ist noch jede Menge Platz.
In unserer Fotoserie "Mittags in der Stadt" finden Sie an den fünf Werktagen ein aktuelles Foto aus Nürnberg.