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Herr Gorges, viele Eltern wollen ihre Kinder früh fördern, um sie fit zu machen für den schulischen Leistungsdruck. Wie schneiden Erstklässler ab, die zuvor einen Waldkindergarten besucht haben?
Roland Gorges: Ich habe quer durch die Bundesländer Grundschullehrer befragt, die Erstklässler aus Waldkindergärten unterrichteten. Insgesamt habe ich für meine Untersuchung 60 Kinder betrachtet. Die Lehrer beurteilten sie mit Blick auf die Leistungen in den Fächern, aber auch bei Sozialverhalten und Motivation etwas besser als Schüler aus Regelkindergärten. Was damit zu tun hat, dass Eltern, die sich für Naturkindergärten entscheiden, aus oberen Bildungsschichten kommen.
Der Bundesverband der Natur- und Waldkindergärten rechnet vor, dass sich deren Zahl in den letzten sechs Jahren von 750 auf 1500 verdoppelt hat. Was macht Waldkindergärten für Eltern so attraktiv?
Gorges: Kinder haben in unserer Gesellschaft immer weniger Möglichkeiten, sinnliche und direkte Erfahrungen zu machen. Sie sitzen vor Fernseher und PC, sie schauen Bilder von Tieren und Bäumen an, erleben die Natur aber immer weniger unmittelbar. Nun hat sich gezeigt, dass Kinder, die viel Zeit im Wald verbringen, emotional ausgeglichener sind, weil sie sich draußen austoben können. Sie zeigen weniger Verhaltensauffälligkeiten wie geringe Konzentrationsfähigkeit oder Hyperaktivität.
Und was ist mit der Vorbereitung auf die Schule?
Gorges: Klettern und Balancieren schulen die Grobmotorik, Spielen mit Stöckchen und Waldfrüchten die Feinmotorik. Und indem Kinder Blätter nach Farbe und Größe sortieren, werden sie auch fit für Rechnen und Schreiben. Es gibt nichts, was Kinder im Wald nicht ebenso lernen können wie in einem herkömmlichen Kindergarten. Im Gegenteil: Das viele Sitzen und Spielen in Räumen mit vorgefertigtem Spielzeug und Lernmaterial taugt nicht als Ausgleich für den erlebnisarmen Alltag.
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