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Irgendwann im Sommer 1973 wurde auf einer öden Wiese in Langwasser Nord, neben einem alten Bauwagen, ein Haufen Bretter aufgeschüttet. Hier konnten die Kinder aus der Nachbarschaft loslegen und unter der Aufsicht des charismatischen Zimmermanns und Bauspielplatzleiters Erwin Götz Hütten zusammenbauen. Wie sie zu diesem Glück kamen, wussten die Kinder natürlich nicht.
Dazu hatte sich zuvor ein Verein gegründet, um die Idee vom Bauspielplatz in die Realität umzusetzen. Gert Wagner, Gründungsmitglied und langjähriger Vereinsvorstand, erzählt während der Feier anlässlich des 40-jährigen Jubiläums, dass die Eröffnungsfete damals gar nicht auf dem eigentlichen Platz stattfinden konnte, weil die Kinder das Gelände in kürzester Zeit mit ihren Hütten zugebaut hatten.
Zunächst war man freilich bei der Stadt auf Widerstände gestoßen. Diese wollte nicht die Verantwortung für einen Platz übernehmen, wo vermeintliche Gefahren wegen des Lagerfeuers oder der Werkzeuge lauerten. Deshalb wurde die „Elterninitiative Bauspielplatz e.V.“ gegründet. Man einigte sich darauf, dass die Stadt die Mitarbeiter bezahlt, der Verein aber für den Platz verantwortlich ist.
„Man glaubte, den Baui würde es höchstens zwei Jahre geben“, erinnert sich Gert Wagner. Dass es ihn nun schon 40 Jahre gibt und noch zwölf weitere Aktivspielplätze in Nürnberg errichtet wurden, freut ihn natürlich sehr.
Reiner Prölß, Sozialreferent und ehemaliger Mitstreiter für den Bauspielplatz, lobt die Durchsetzungskraft und den starken Willen der Gründungsmitglieder Gert Wagner und Erwin Götz, denen es zu verdanken sei, dass der Baui wirklich entstehen konnte.
Der erste Versuch, einen Bauspielplatz im Süden von Langwasser zu errichten, war an Anwohnerprotesten gescheitert. Beim zweiten Anlauf klappte es dann in der Zugspitzstraße dank einer langen Unterschriftenliste mit ungefähr 600 Befürwortern, die man der Stadt vorlegen konnte. Der SPD-Politiker Horst Schmidbauer hat bei der Bauigründung ebenfalls mitgewirkt. Er war zusammen mit Erwin Götz auf einer Juso-Reise durch Schweden auf einen Bauspielplatz in Göteborg aufmerksam geworden. Das sei ein Aha-Erlebnis gewesen, berichtet Schmidbauer. So kam die Idee nach Nürnberg.
Mittlerweile ist der Baui fest etabliert, es gibt ein Spielhaus, einen wärmeisolierten Hühnerstall, ein Backhaus und mit Spielplatzleiterin Inge Trepte und Jo Überall ein engagiertes Betreuerteam. SPD-Stadtrat Lorenz Gradl ist der derzeitige Vorsitzende des Bauivereins. „Der Baui ist ein Gewinn für sehr viele Kinder aus Langwasser“, sagt er, „eine tolle Einrichtung mit einem tollen Team!“ Diese zieht sogar Kinder aus weiter entfernten Stadtteilen, etwa Fischbach oder Altenfurt, an.
Heyke Feigl ist Lehrerin und ebenfalls im Vorstand aktiv. Sie schätzt das offene Angebot des Baui, im Kontrast zur Schule. Der Spielplatz sei ein Raum zur kreativen Entfaltung und auch zur sozialen Erziehung. Außerdem werde hier wichtige Integrationsarbeit geleistet. Ursula Bakowski war früher im Vorstand und erzählt: „Es war schon eine Aufbruchphase und wir wollten etwas aufbauen“, sagt sie.
Jetzt, da sie in Rente ist, bringt sie Baui-Kindern das Stricken oder Schachspielen bei. Unterdessen spielt ihre Enkelin in der Zugspitzstraße. Dass ihre Tochter jetzt ihre Möbel eigenhändig baut, führt sie auf deren Baui-Zeit zurück, wo sie lernte, mit Holz und Werkzeugen umzugehen.
In unserer Fotoserie "Mittags in der Stadt" finden Sie an den fünf Werktagen ein aktuelles Foto aus Nürnberg.