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Rund um eine Säule in der Nebengasse des Aufseßplatzes stehen Dutzende weiße und rote Kerzen — es sind Grablichter. Sie erinnern an den Nürnberger, der hier vor drei Wochen Opfer eines Eifersuchtsdramas wurde. An dieser Stelle starb er unter den 44 Messerstichen seines Mörders. Am helllichten Tag am belebtesten Platz der Südstadt.
Immer wieder bleiben Passanten stehen, lesen die Trauerkarten, betrachten die Bilder des Toten, manche schütteln ungläubig den Kopf, ziehen weiter. Der Schock sitzt noch tief bei den Menschen hier rund um den Aufseßplatz. „Ich bin dort vorbeigekommen, als gerade der Krankenwagen kam. Ich kannte auch das Opfer. Wir sind alle schockiert, viele sind traumatisiert. Meine Töchter gehen nicht mehr allein mit dem Hund Gassi. Man fühlt sich nicht mehr sicher“, erzählt Robert Hofmann, der gleich um die Ecke wohnt.
Wie ihm geht es vielen Südstädtern. Angesichts solch einer Tat kann man sich nur hilflos fühlen. „Das war am helllichten Tag. Ich mach mir schon Gedanken darüber, ob man nicht irgendwas hätte tun können“, sagt Gabriele Hammer aus Oberasbach.
Auch Ute Engel, die täglich am Aufseßplatz vorbeikommt empfindet Unbehagen: „Das war ein Eifersuchtsmord, das scheint leider häufig vorzukommen. Aber es kann einen überall treffen. Ich hab auch schon in Gostenhof gewohnt, da ist am Plärrer mal einer mit einer Machete rumgelaufen. Zehn Minuten vorher war ich dort. Wenn ich darüber nachdenke, will ich nicht mehr rausgehen, aber das würde bedeuten, der Angst nachzugeben.“
Die Bluttat kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Stimmung in der Südstadt an und für sich nicht rosig ist und sich viele Menschen subjektiv unsicher fühlen. „Ich finde insgesamt, dass es mit der Südstadt bergab geht“, sagt Rentnerin Bärbel Frühling und weist auf das verwaiste Horten-Kaufhaus. „Es geht chaotisch zu und ist schmutziger geworden. Ich gehe aber trotzdem hier einkaufen, der Mordfall war ja sehr privat. Aber abends hätte ich schon meine Bedenken.“ Dass da gleich Erinnerungen an andere Gewalttaten wieder aufflackern, ist kein Wunder: „An dieser Ecke habe ich auch mal gesehen, wie eine Frau zusammengeschlagen wurde“, berichtet Anwohnerin Elke Lindemayr. „Trotzdem möchte ich nicht über die Südstadt wettern, ich wohne hier seit 15 Jahren und fühle mich nicht unsicher. Aber meine Tochter will ich nachts nicht alleine rumlaufen lassen.“
Peter Dolezyk und Klaus Fischer zucken mit den Achseln: „In der Südstadt war schon immer mehr Halligalli als anderswo. Das ist zwar eine sehr traurige Angelegenheit, was da passiert ist, aber Angst haben wir deswegen nicht!“
Ähnlich sieht das Gunther Hörmann, der in der Südstadt arbeitet: „Ich komme hier jeden Tag vorbei und finde die Südstadt ist sicher und lebenswert, es gibt keinen Grund sich hier unsicher zu fühlen.“
In unserer Fotoserie "Mittags in der Stadt" finden Sie an den fünf Werktagen ein aktuelles Foto aus Nürnberg.