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Von 2006 bis 2008 lief die Aktualisierung der ersten systematischen Kartierung von Biotopen in Nürnberg anno 1986/87. Nun soll es ernst werden mit den Konsequenzen aus den neuen Erkenntnissen. Im Interesse einer „nachhaltigen Sicherung von besonders wertvollen Biotopen“ will das Umweltreferat nun ein Verfahren einleiten, das ein großes Ziel hat: Mehrere wertvolle Biotope sollen möglichst gut geschützt werden.
In der Vorlage für den Umweltausschuss am Mittwoch, 9.Mai, werden mehrere Vorschläge gemacht. 15 Biotopflächen sollen als Einzelobjekt zum Naturdenkmal hochgestuft werden. Dazu gehören Baumbestände (vor allem Alteichen) in Ziegelstein, Kraftshof, Langwasser, Altenfurt, Kornburg, Herpersdorf, Moorenbrunn sowie in der Tullnau und am Wöhrder See. Im Volkspark Dutzendteich soll zudem ein Landschaftsschutzgebiet neu ausgewiesen werden, während man geschützte Biotope im Kraftshofer Forst, in Königshof und Fischbach erweitern will. Beim Flughafen, in Kleingründlach und Kornburg sind neue Abgrenzungen geplant, während 15 wertvolle Wiesen Schutz als Landschaftsbestandteil erhalten sollen.
Der größte Brocken des Vorhabens betrifft aber das östliche Pegnitztal im Bereich des heutigen Landschaftsschutzgebietes beim Oberen Wöhrder See ab der Flussstraße, das sich bis zur Autobahn an der Stadtgrenze zu Schwaig erstreckt. 38 Biotope und 90 Einzelflächen sind hier kartiert worden. Magerrasen wechseln sich mit Feuchtgebieten und Auenwaldbeständen ab, wo eine „hohe Anzahl geschützter und gefährdeter Arten“ lebt. Angesichts der Bedeutung ist das Pegnitztal Ost bereits als europäisches Schutzgebiet „Natura 2000“ ausgewiesen.
Um für die rund 250 Hektar große Fläche den bestmöglichsten Schutz zu haben, will Umweltreferent Peter Pluschke erreichen, dass sie als Naturschutzgebiet ausgewiesen wird. Bisher gibt es nur zwei davon auf Nürnberger Stadtgebiet: am Hainberg und die Sandgrube am Föhrenbuck, so Vera Boser vom Umweltamt.
Klar ist: In einem Naturschutzgebiet sind „Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Naturschutzgebietes oder seiner Bestandteile oder zu einer erheblichen Störung führen können“. Für Umweltreferent Pluschke ist klar, dass dadurch „Eingriffe deutlich erschwert sind — vor allem bauliche Maßnahmen“.
Auf mögliche „Interessenskonflikte“ zwischen Natur- und Trinkwasserschutz weist die N-Ergie in einer Stellungnahme zum geplanten Naturschutzgebiet Pegnitztal Ost hin, das zum Teil Wasserschutzgebiet ist. Anlagen zur Wassergewinnung, Pflege von Leitungen oder forstliche Maßnahmen seien zu berücksichtigen.
Zudem sieht die N-Ergie Probleme für die landwirtschaftliche Betreuung von Flächen und nicht zuletzt die Schafherden, die regelmäßig weiden. „Aus hygienischen Gründen“ könne eine Beweidung künftig „nicht mehr erlaubt werden“.
Eine Forderung, die Schäfer Fritz Imsch nicht nachvollziehen kann. Seit 1963 ist er mit seinen Tieren im Pegnitztal Ost, wo er erst jüngst wieder tagelang war. Für ihn sind grasende Schafe „ein Teil Naturschutz“, was auch im Hainberg bisher so gesehen wird.
„Wir nehmen die Vorbehalte und die Kritik ernst“, betont Pluschke. Das Verfahren sei aber „ganz am Anfang“ und die Stadt werde noch mit allen Anliegern und Betroffenen reden. Federführend ist jedoch die Regierung von Mittelfranken beim Verfahren, das nun zuerst vom Umweltausschuss beschlossen werden muss. Bis Ende 2012 will Pluschke schon Land in Sicht haben. Skeptiker glauben aber, dass der Prozess länger dauern wird.
In unserer Fotoserie "Mittags in der Stadt" finden Sie an den fünf Werktagen ein aktuelles Foto aus Nürnberg.