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Für eine Tante Emma ist Michaela Danner viel zu jung. Die 43-Jährige hat die Haare lustig aufgesteckt, eine rosarote Schürze umgeschlungen und blickt der Kundschaft aus dunklen Augen entgegen. Frau Pöhlmann, Frau Gärtner, Frau Wagner, Frau Blaschke — jede kennt Michaela Danner und nennt sie beim Namen. Kindern, die ihren Lutscher wie eine Jagdtrophäe halten, streichelt sie über die Wangen und nimmt die Cent-Münzen aus den schwitzigen Händen entgegen.
„So einen Laden wollte ich schon immer haben“, sagt die Chefin. Vor drei Jahren hat die frühere Angestellte den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Der Laden in der Parsberger Straße liegt strategisch günstig: Die Bundesanstalt für Arbeit ist in Blickweite, die Scharrerschule, das Behaim- und das Neue Gymnasium sind gleich um die Ecke und die Erziehungswissenschaftliche Fakultät nur zehn Minuten zu Fuß. Im Umkreis gibt es 3000 Wohneinheiten, das haben die Danners vor der Eröffnung recherchiert. „Es braucht immer mal jemand was“, sagt Michaela Danner. Im Januar 2009 haben sie ihren „Shopping Room“ in den Räumen einer Gas- und Wasser-Installationsfirma eröffnet. „Hier war ja nichts!“
Die Decken mussten abgehängt, Trennwände und Regale eingebaut werden. Inzwischen gibt es eine Theke mit Brot und Gebäck, eine Ecke für Schulmaterialien und dazwischen einfach alles. Öl, Essig, Nutella und eingelegte Aprikosen, Ravioli, Halsbonbons und Damenbinden, Spielzeug, Zeitschriften und frisches Gemüse. Nach der Ehec-Epidemie kommen Tomaten, Zwiebeln und Zucchini nur noch aus dem Knoblauchsland.
Die Danners haben den Laden sogar erweitert. Hinter der Durchgangstür, wo früher die Schwester eine Eisdiele betrieb, ist jetzt ein Tagescafé eingerichtet. Vier Tische, Aquarium und ein bisschen Chichi — ein Raum mit Wohnzimmeratmosphäre. Einige Damenkränzchen treffen sich hier, viele schon in der Generation 80 plus. Den wagenradgroßen „Oma-Kuchen“ haben sie heute aufgegessen, im Backregal sind ein paar Granatsplitter und die obligatorischen Schaumküsse übrig.
„Bitte reservieren Sie“, sagen die rüstigen Rentnerinnen und nennen schon den Termin für die nächste Zusammenkunft. Die persönliche Nähe reizt Michaela Danner. Als stete Erinnerung wirkt ein Zitat von Guy de Maupassant, das über den Regalen klebt: „Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen.“
Dafür legt sich die Chefin mächtig ins Zeug. Früh um sieben schon steht sie im Laden und räumt Regale ein. Wenn alles gut geht, ist sie abends um sieben fertig.
Am Mittwoch ist nachmittags geschlossen, dann fährt sie zum Großeinkauf. In der Metro oder bei anderen Händlern ergänzt sie, was aus ist, und bunkert Sonderangebote. Ein paar Cent Aufschlag machen ihre Gewinnspanne aus. „Ich verdien’ einfach zu wenig“, seufzt Michaela Danner. Aber richtig anziehen will sie mit den Preisen nicht. „Wir sind hier nicht in Erlenstegen, das kann ich nicht machen.“ In den langgestreckten Wohnblocks nördlich der Regensburger Straße wohnen viele sozial Schwache. Viele Ältere auch, die zu gebrechlich oder zu schlecht zu Fuß sind, um noch in weit entfernte Supermärkte zu gehen. Für sie bietet der Shopping Room einen extra Service: Michaela Danner stellt den Einkauf zusammen, der mittlere Sohn liefert frei Haus. Überhaupt: Der Laden ist ein Familienbetrieb. Mann Klaus und die 18 und 15 Jahre alten Söhne packen abends beim Aufräumen mit an, der Jüngste ist gerade sieben und verbringt die Nachmittage im Nebenzimmer.
Das Telefon klingelt, Bäckerei Wildt aus Fürth ist dran und fragt nach der Bestellung für den nächsten Tag. „Mein Kopf ist voll, ich muss alles aufschreiben“, sagt Michaela Danner. In drei Jahren war der Shopping Room keinen Tag geschlossen, auch wenn sie selbst schon mit Grippe hinter der Theke gestanden hat. Aber sie liebt ihr Geschäft und ist bei aller Arbeit „bis jetzt sehr zufrieden“. Und da ist ja auch noch der berühmte Satz, der in Augenhöhe über den Zeitschriften prangt: „Yes, we can!“
Vielleicht kennen Sie auch einen Tante-Emma-Laden? Geben Sie uns einfach einen Tipp. E-Mail an: nn-anzeiger@pressenetz.de — Fax: 0911/2161570. Post: Nürnberger Stadtanzeiger, Marienstraße 9–11, 90327 Nürnberg.
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