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1990 beorderte Electrolux die Krawattenträger aus Vertrieb und Marketing zurück in das 35-Meter-Hochhaus. Nach einer Flaute lief die Hausgeräte-Produktion nämlich wieder ganz gut und die Bürohengste mussten ihre Tische im Werk gegenüber räumen, um den Männern und Frauen der Fertigung Platz zu machen.
Die AEG-Verwaltung in der Muggenhofer Straße 136 war 1965 gebaut worden. Rechts das Hochhaus, links ein zweistöckiges Anhängsel. Steinböden und Aluminiumfenster sind noch original. Ebenso die Aufzüge mit Blechverkleidung. „Wir sind Bestandserhalter, der Charme der 60er Jahre soll bleiben“, sagt Hans-Jörg Seitz, der für Lindner & Co. die 8700 Quadratmeter vermarktet.
Nach dem Niedergang von AEG zogen hier vor elf Jahren 350 Mitarbeiter der GfK ein. Sie blieben zehn Jahre, schließlich kaufte die ISG Immobilien-Service GmbH & Co. für Wohn- und Geschäftsraum das Objekt von Electrolux. Die Vermarktungsidee ähnelt verblüffend der von Projektentwickler Bertram Schultze von der Investitionsgesellschaft MIB, der gegenüber „auf AEG“ ein buntes Häufchen kreativer Mieter angezogen hat. Auch in der Hausnummer 136 ist der Quadratmeter schon für wenig Geld zu haben, die Mieten beginnen bei 5,50 Euro. „Das ist die Holzklasse“, flachst Seitz.
Überhaupt gefällt es ihm, von dem neuen Projekt als „Business Terminal West“ zu sprechen. „Die Airport-Sprache versteht schließlich jeder“, meint er. Hier kann landen, wer mindestens 150 Quadratmeter mieten mag. Gastronomin Karin Wittenstein, die ganz auf Catering und Kochseminare umgesattelt hat, mochte. Seit zwei Wochen werkelt sie mit zehn Mitarbeitern in der früheren AEG-Kantine. Die hat sie hübsch umgebaut und mit viel regionaler Kunst an den Wänden geschmückt. „Mich hat die Größe der Räume gereizt und dass es einen Lastenaufzug gibt“, sagt Wittenstein.
Doch die Nähe zum quirligen Leben „auf AEG“, wo sie ursprünglich einziehen wollte, bis ihr Geschäftspartner absprang, spiele auch eine Rolle. Aus den großen Fenstern ihres Seminarraums sieht man auf die Ateliers der AEG-Künstler. Die frühere Pforte in der Flotowstraße gehört jetzt auch der ISG, „doch die Künstler sollen da erst mal bleiben dürfen, kostenlos“, verspricht Seitz.
Er hat auch die Firma Healthcare bereits als Mieter gewonnen, obwohl „die Vermarktung erst jetzt richtig anläuft“. Die Bürogrößen sind vom Erdgeschoss bis zum Penthouse mit bestem Rundumblick auf Nürnberg variabel. Wer größere Umbauten will, zahlt mehr. „Hier ist Gründertum spürbar“, lobt Achim Hein, Inhaber der Healthcare GmbH, den Standort. Er hat sich auf 700 Quadratmetern eingemietet, bietet Gesundheitsdienstleistungen an und versucht weiterhin, Investoren zu finden, die mit ihm den früheren Quelle-Katalog „Gesünder leben“ neu auflegen.
Demnächst werde eine Holding einziehen, die „Aldi-Manager auf Knigge schult“, sagt Seitz. Doch 7200 Quadratmeter sind noch zu haben. Dass eine Kindertagesstätte an „abwehrenden Prozessen im Jugendamt“ scheiterte, bedauert Seitz. Schließlich gebe es angesichts der vielen Berufstätigen auf dem AEG-Gelände mehr als genug Kundschaft für eine Kita. Pläne für die Wiese vor dem „Krawattenbunker“ hat er auch schon: In zwei Jahren könnte hier ein Container stehen, in dem ein regionaler Großbäcker Kuchen verkauft.
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