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Neues Zuhause für „Esther“

Die Musicalbühne spielt in der Alberichstraße - 13.01. 07:59 Uhr

Gibitzenhof  - Zitterpartie zu Ende: Das Laienensemble „Musicalbühne“, das sich bislang als Zwischennutzer eines ehemaligen Kinos in Gibitzenhof durchschlagen musste, hat im Nibelungenviertel eine neue Heimat für die kommenden Jahre gefunden.

In den bunten Kostümen der Darsteller und dem Bühnenbild stecken viel Herzblut und unzählige Stunden Arbeit.
In den bunten Kostümen der Darsteller und dem Bühnenbild stecken viel Herzblut und unzählige Stunden Arbeit.
Foto: Mark Johnston
In den bunten Kostümen der Darsteller und dem Bühnenbild stecken viel Herzblut und unzählige Stunden Arbeit.
In den bunten Kostümen der Darsteller und dem Bühnenbild stecken viel Herzblut und unzählige Stunden Arbeit.
Foto: Mark Johnston

Kaum setzen Bianca, Katharina und die anderen ihre Hüften in Bewegung, um die orientalisch inspirierte Choreographie ein letztes Mal zu proben, als es plötzlich zappenduster auf der Bühne wird. „Hey Sasch, das ist nicht cool!“, ruft eine der jungen Tänzerinnen durch die Dunkelheit. „Mein Rechner ist abgestürzt“, antwortet „Sasch“, alias Alexander Uhlmann, postwendend, als die Scheinwerfer auch schon wieder hell aufleuchten. „Geht doch!“, ruft der 19-Jährige erleichtert, um sich mit Opa Willi Braumandl wieder dem Schaltpult und den Monitoren vor ihnen zu widmen.

Vater Gerald Uhlmann, der gerade durch den Zuschauerraum zu seinen Musikerkollegen eilt, bleibt unvermittelt stehen und mustert vom Mittelgang aus eine der hölzernen Sitzreihen mit den blauen Polstern. „Kommen die Ihnen bekannt vor?“, fragt er stolz und schiebt die Antwort gleich hinterher: „Die sind aus der Meistersingerhalle.“ Davon abhalten, ab und an aus der Reihe zu tanzen, kann das die Stühle aber nicht. Daher lässt der 45-jährige Musiklehrer das Orchester noch ein wenig warten, packt kurzentschlossen zu und schiebt und drückt bis auch der letzte Sitz in Reih und Glied gerückt ist.


Selbst ist die Frau: Vor dem Auftritt müssen sich Jana, Christina und Nadia (v. li.) gegenseitig „verkabeln“.
Selbst ist die Frau: Vor dem Auftritt müssen sich Jana, Christina und Nadia (v. li.) gegenseitig „verkabeln“.
Foto: Mark Johnston
Selbst ist die Frau: Vor dem Auftritt müssen sich Jana, Christina und Nadia (v. li.) gegenseitig „verkabeln“.
Selbst ist die Frau: Vor dem Auftritt müssen sich Jana, Christina und Nadia (v. li.) gegenseitig „verkabeln“.
Foto: Mark Johnston

„In unserem alten Saal in der Gibitzenhofstraße standen hier mittendrin Träger und haben dem Publikum die Sicht auf die Bühne versperrt“, berichtet er. „Und die Kabel und Standfüße waren richtige Stolperfallen“, ergänzt Ehefrau Angelika, die sich zu ihm gesellt hat. Wesentlich zuschauerfreundlicher, übersichtlicher und geräumiger präsentiert sich die neue Spielstätte der Musicalbühne im Nibelungenviertel. „Obwohl der Zuschauerraum hier wesentlich größer ist, haben wir es bei 163 Sitzplätzen belassen“, berichtet Angelika Uhlmann. „Dadurch ist die Beinfreiheit jetzt viel besser.“



Doch der Saal in der Alberichstraße 9 bietet nicht nur Vorteile für Besucher, sondern auch für die rund 40 Mitglieder des Laienensembles. So können sich „Sasch“ Uhlmann und sein Großvater über einen geräumigen Technikbereich hinter den Publikumsrängen freuen, der den gesamten Saal überblickt. In der alten Spielstätte, einem ehemaligen Kino, waren alle Geräte dagegen in einen Filmvorführraum mit einem winzigen Sichtfenster gestopft. „Man musste da erst jedes Mal raus, um die Bühne zu sehen“, sagt Gerald Uhlmann.

Kurzlebigstes Kino

Das neue Gebäude, in dem die Musicalbühne im November mit ihrem neuen Stück „Esther — Stern von Persien“ Premiere feierte, ist zwar ebenfalls ein altes Lichtspielhaus. Doch das 1956 eröffnete „Adlon-Filmtheater“ ging als Nürnbergs kurzlebigstes Kino in die Geschichte ein: Es machte im Juli 1960 dicht und wurde zum Supermarkt umgebaut. Der Laientruppe bieten die weitläufigen ehemaligen Lager- und Verkaufsflächen nun viel Raum zum Gestalten.

Ein weiteres Erbe des Supermarkts: Die Pkw-Stellplätze, die die Musicalbühne für den Publikumsbetrieb nachweisen müssten, sind bereits abgelöst. „Das hätten wir uns sonst nie leisten können“, sagt Angelika Uhlmann. Probleme mit Anwohnern des Nibelungeviertels, das nicht gerade gesegnet ist mit Parkplätzen, gebe es bislang keine, versichert sie: „Unser Stammpublikum kennt die Situation und parkt meist an der Meistersingerhalle.“

Wem die knapp 500 Meter Fußweg zu lang sind, kann aber auch mit dem Bus oder der Straßenbahn-Linie 9 kommen. Der Großteil des 40-köpfigen Ensembles tut dies ohnehin: Die meisten der 21 Darsteller sind noch Schüler und haben somit gar keinen Führerschein.


Ein Herz für Musicals haben Gerald und Angelika Uhlmann definitiv. Hinter den beiden tüfteln Sohn Alexander und sein Großvater Willi Braumandl gerade an der Technik.
Ein Herz für Musicals haben Gerald und Angelika Uhlmann definitiv. Hinter den beiden tüfteln Sohn Alexander und sein Großvater Willi Braumandl gerade an der Technik.
Foto: Mark Johnston
Ein Herz für Musicals haben Gerald und Angelika Uhlmann definitiv. Hinter den beiden tüfteln Sohn Alexander und sein Großvater Willi Braumandl gerade an der Technik.
Ein Herz für Musicals haben Gerald und Angelika Uhlmann definitiv. Hinter den beiden tüfteln Sohn Alexander und sein Großvater Willi Braumandl gerade an der Technik.
Foto: Mark Johnston

Dass sie hingegen gut anpacken können, haben die engagierten Jugendlichen im Herbst unter Beweis gestellt: Von den Brettern, die die Welt bedeuten, und im Fall der Musicalbühne aus Holz-Paletten zusammengebaut sind, über die Wandverkleidung im riesigen Zuschauerraum bis hin zu der Bühnen-Beleuchtung ist alles selbst gemacht. „Da stecken mehr als 1600 Stunden Arbeit drin“, hat Gerald Uhlmann ausgerechnet.

Vertrag für sechs Jahre

Doch die Zeit und mehr als 20000 Euro hat das Ensemble am neuen Spielort gern investiert. „In der Gibitzenhofstraße waren wir nur Zwischennutzer und mussten Jahr für Jahr zittern, ob wir überhaupt weiter drinbleiben können oder nicht“, erinnert er sich. Nachdem die Musicalbühne dort vergangenes Jahr tatsächlich raus musste, hat sie im Nibelungenviertel aber nicht nur eine Ersatzspielstätte, sonder vielmehr ein Zuhause gefunden, das von Dauer sein könnte: „Wir haben einen Mietvertrag über sechs Jahre“, freut sich Gerald Uhlmann.


Auch beim Einrichten der neuen Spielstätte im Herbst hieß es für alle Darstellerinnen Hand anlegen.
Auch beim Einrichten der neuen Spielstätte im Herbst hieß es für alle Darstellerinnen Hand anlegen.
Foto: Musicalbühne
Auch beim Einrichten der neuen Spielstätte im Herbst hieß es für alle Darstellerinnen Hand anlegen.
Auch beim Einrichten der neuen Spielstätte im Herbst hieß es für alle Darstellerinnen Hand anlegen.
Foto: Musicalbühne

Mit seinem neuen Nachbarn versteht sich das Ensemble bereits hervorragend, obwohl der nicht jedermanns Sache ist: Ein Bestattungsunternehmen, mit dem sich die Darsteller sogar den Raum hinter den Kulissen teilen müssen. In dem Bereich, in dem die Schauspieler auf ihren Auftritt warten, stapeln sich zeitweise drei Dutzend — fabrikneue — Särge. „Einige hatten anfangs ein mulmiges Gefühl“, berichtet Angelika Uhlmann. „Aber wir haben uns alle daran gewöhnt.“ Und was sagt der Bestatter zu seinen neuen Nachbarn? Laut Uhlmann bislang nichts Negatives. Im Gegenteil: „Die sind bestimmt froh, dass wir Leben in die Bude bringen.“

Die nächste Aufführung von Esther: Sa., 14. Januar, 19.30 Uhr. 23,50 Euro (Erm. 17,50 Euro), Vorverkauf: NN-Ticketcorner i. d. Mauthalle, Hallplatz 2. Weitere Termine und Infos: www.musicalbuehne.de

  



VOLKAN ALTUNORDU

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