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„Ohne ihn wird es hier sehr kahl werden“

Kampf um Baum: Anwohner protestieren gegen Fällung eines Ahorns in St.Johannis — Genehmigung liegt seit einem Jahr vor - 10.06.2012 08:59 Uhr

ST. JOHANNIS  - „Wir wollen unseren Baum behalten“, das fordern Anwohner der Campestraße. Seine Fällung ist beschlossene Sache, doch die Bürger machen mit Unterschriftenlisten mobil. Auch sind mehrere von ihnen bereit, sich an den Kosten für den Erhalt des Baumes zu beteiligen.

Engagierte Anwohner sowie Mathias Schmidt (li.) und Oliver Schneider (auf dem Baum) vom Bund Naturschutz machen sich dafür stark, dass der über 60 Jahre alte Silberahorn in der Campestraße nicht gefällt wird.
Engagierte Anwohner sowie Mathias Schmidt (li.) und Oliver Schneider (auf dem Baum) vom Bund Naturschutz machen sich dafür stark, dass der über 60 Jahre alte Silberahorn in der Campestraße nicht gefällt wird.
Foto: Müller
Engagierte Anwohner sowie Mathias Schmidt (li.) und Oliver Schneider (auf dem Baum) vom Bund Naturschutz machen sich dafür stark, dass der über 60 Jahre alte Silberahorn in der Campestraße nicht gefällt wird.
Engagierte Anwohner sowie Mathias Schmidt (li.) und Oliver Schneider (auf dem Baum) vom Bund Naturschutz machen sich dafür stark, dass der über 60 Jahre alte Silberahorn in der Campestraße nicht gefällt wird.
Foto: Müller

Wenn man durch die Campestraße schlendert, bleibt der Blick an einem großen Ahorn hängen. Es gibt in diesem Bereich nicht viele Bäume — ein mächtiger, grüner Hingucker, der laut Schätzungen des Bund Naturschutz (BN) seit über 60 Jahren an dieser Stelle wächst und gedeiht. Und genau dieser grüne Riese soll nun im Herbst dieses Jahres gefällt werden. Denn sein mächtiges Wurzelwerk sorgt für Probleme.

Der Silberahorn, der einen Stammumfang von stolzen 180 Zentimetern aufweist und auf privatem Grund steht, beeinflusst drei Bereiche: den Gehweg davor, links von ihm den Treppenabgang zum Wohngebäude und rechts die Garagenzufahrt. Der Gehweg wird derzeit vom Servicebetrieb Öffentlicher Raum (Sör) saniert. Aber nicht des Baumes wegen, er befindet sich als Folge von Frostschäden in einem schlechten Zustand, informiert Werkleiter Ronald Höfler. „Der Baum stellt keine Gefahr dar“, unterstreicht er. „Die Verkehrssicherheit ist aus unserer Sicht ausreichend gegeben“, fährt der Werkleiter fort. Um Stolperfallen auszumerzen, hat Sör im Vorjahr ein Asphaltprovisorium um den Ahorn errichtet.


Der Treppenaufgang sei „leidlich in Ordnung“, meint Mathias Schmidt, Sprecher des Arbeitskreises „Bäume in der Stadt“ beim BN, da könne man mit geringem Aufwand etwas machen. Bei der Garagenzufahrt herrsche „tatsächlich Handlungsbedarf“, urteilt Schmidt. Mit dem Einsatz von baumfreundlichem Drainasphalt sei das jedoch keine große Sache. Die Kosten schätzt er alle sechs Jahre auf 500 bis 800Euro und verweist darauf, dass eine Fällung des Baumes und die Wiederherstellung der Fläche viel teurer käme — eine geschätzte Summe von 4000 Euro.

Mit knapper Mehrheit

Ein weiteres Problem wurde auf der jüngsten Eigentümerversammlung angesprochen: Ein von der zuständigen Hausverwaltung, das Evangelische Siedlungswerk, zugezogener Fachmann sagte den Eigentümern, dass er die größte Gefahr darin sehe, dass die Wurzeln den Kanal beschädigen könnten. Die verantwortliche Eigentümergemeinschaft stimmte auf ihrer Versammlung mit knapper Mehrheit für die Fällung des Baumes. Ein einstimmiger Beschluss sei nicht notwendig, wenn durch den Baum eine begründete Gefahrenlage eintreten könne, informiert Hermann Triller vom Grund- und Hausbesitzerverein Nürnberg und Umgebung.


Anwohnerin Susan Kipferling räumt ein, dass sie die Ängste der Eigentümer verstehe, trotzdem wolle sie für den Baum kämpfen. Denn: „Ohne ihn wird es hier sehr kahl werden, er ist einfach ein wichtiger Blickfang in der Straße.“ Sie hat als Protestaktion rund 30 Unterschriften in der nächsten Nachbarschaft gesammelt.

Die Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde zur Fällung des Ahorns liegt seit 2011 vor und wurde bis März 2013 verlängert. Wie berichtet, sollte der Baum bereits im Herbst 2011 entfernt werden. Dank des Engagements der Anwohner und des BN wurde die Notwendigkeit der Maßnahme infrage gestellt.

In dem Bescheid heißt es als Begründung: „Da weitere Schäden anhand der beengten Platzverhältnisse vorprogrammiert sind, ist ein weiterer Erhalt des Baumes aus Gründen der Verkehrssicherheit nicht möglich.“ Seine Beseitigung stelle langfristig eine „problemorientierte Lösung“ dar.

Schäden nicht eingetreten

„Das heißt also, dass die Schäden noch nicht eingetreten sind“, kommentiert Schmidt. „Die Begründung ist an den Haaren herbeigezogen und sachlich nicht gerechtfertigt“, kritisiert er. Dieter Präg von der Unteren Naturschutzbehörde verteidigt den Bescheid: „Irgendwann wird der Baum einen Vitalitätsverlust erleiden, seine Standsicherheit ist gefährdet. Wir wollen dem vorbeugen.“

Das Schicksal des Baumes bewegt. So schreibt ein Nordstädter, der auch eine finanzielle Beteiligung für den Unterhalt des Ahorns anbietet, an die Eigentümer: „Ich finde, sein besonderes Wurzelwerk symbolisiert Lebenswillen, Ausdauer und Kraft. (...) Lassen Sie ihm noch ein paar Jahre. Ewig alt wird kein Baum. Irgendwann muss auch er gewiss weg, aber so gesund und kraftvoll sollte er nicht sterben.“

  

CLAUDIA BEYER

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