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„Wenn’s um Selbstversorgung geht, kann ich wahrscheinlich jede Frage beantworten“, sagt Katharina Gräbeldinger und lächelt stolz. Das soll nicht prahlerisch wirken, fügt sie schnell hinzu. Die 73-Jährige weiß über die Herstellung von Lebensmitteln einfach deshalb so gut Bescheid, weil sie damit aufgewachsen ist. Gräbeldinger stammt aus dem Banat in Rumänien. Dort kam nur das auf den Teller, was Stall, Felder und Garten hergaben.
„Wir waren es gewohnt, aus nichts etwas zu machen“, erzählt sie. Diese Genügsamkeit hat sich tief eingeprägt. Auch als Gräbeldinger 1990 nach Nürnberg kam, hat sie ihre Lebensweise nicht verändert – trotz voller Supermarktregale, die ihr anfangs vorkamen „wie aus einer anderen Welt“.
In ihrem Garten in der Kolonie „Am Kuhweiher“ baut sie mit ihrer Familie auf 1500 Quadratmetern fast alles an, was sie zum Leben braucht: Vielerlei Sorten Obst und Gemüse, Kräuter und sogar Wein für Traubensaft wachsen dort. Was nicht sofort frisch verbraucht wird, landet in der Tiefkühltruhe oder eingeweckt in Gläsern im Vorratsschrank. Bis unter die Decke ist die Speisekammer voll. „Ich sorge im Sommer für den Winter“, sagt die Seniorin. Für sie eine Selbstverständlichkeit.
Besonders am Herzen liegt ihr ihre Hühnerschar. 50 Hennen und Hahn Hansi dürfen in Gräbeldingers Garten ein glückliches Leben führen; dafür legen sie täglich fleißig frische Eier. Und die werden – wenn sie nicht an Freunde und Bekannte verschenkt werden – in der Küche vielfältig weiterverarbeitet. Nudeln macht sie damit oder Grießriebel, die getrocknet lange haltbar sind und eine hervorragende Suppeneinlage abgeben. Dafür werden Eier mit Gries vermischt, zu kleinen Krümeln verrieben und getrocknet. Es sind einfache, aber sehr leckere Rezepte, die die dreifache Urgroßmutter aus ihrer Heimat mitgebracht hat. So wie die Salzkipfel, für die man nur etwas Mehl, Mich, Hefe, ein wenig Öl und ein Ei braucht (siehe Rezept).
Am Wochenende gönnt sich die Seniorin immerhin ein wenig Luxus. Dann wird mit den Eiern von den eigenen Hühnern regelmäßig gebacken. „Zum Sonntag gehört einfach ein Kuchen“, findet Gräbeldinger. Rührkuchen, Hefezopf, Rohrnudeln, Zwetschgenkuchen oder Russische Torte – ihr Ruf als exzellente Bäckerin hat sich längst in der Nachbarschaft herumgesprochen, die sie gerne mit dem Gebäck versorgt.
Ob die Rezepte besser gelingen, weil die Eier so frisch und bio sind? Eine Frage, die sie nicht beantworten kann, weil sie noch nie ein Supermarkt-Ei gegessen hat. Genauso wie bei Nudeln. Zum Einkaufen muss sie nur alle paar Wochen und auch dann besorgt sie nur wichtige Grundnahrungsmittel, die sie nicht selber herstellen kann: Milch, Mehl, Öl, Salz.
Auf die Idee, sich eine Tafel Schokolade zu kaufen, würde die 73-Jährige nie kommen. „Bevor ich etwas kaufe, stelle ich mir immer drei Fragen: Brauche ich das? Muss ich das haben? Geht es auch ohne oder kann ich es selber machen?“, erklärt sie sachlich ihre Lebensphilosophie.
In unserer Fotoserie "Mittags in der Stadt" finden Sie an den fünf Werktagen ein aktuelles Foto aus Nürnberg.