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Rock rettet Kirchweih in Gostenhof

Neues Konzept bringt der Kärwa wieder mehr Besucher — Beim Fest in Lohe helfen traditionell alle zusammen - 22.06.2011

GOSTENHOF/LOHE  - Mit dem neuen Blues- und Rockkonzept haben die Betreiber das endgültige Aus der Kirchweih in Gostenhof verhindert. Um sie noch stärker im Viertel zu verankern, soll auch das Stadtteilfest in die Kärwa integriert werden.

An der Dreieinigkeitskirche rocken „Sheilas Little Sister“: In Zabo und am Nordostbahnhof locken schon länger Bands die Besucher zu den Kirchweihen, in Gostenhof war das Konzept heuer neu.
An der Dreieinigkeitskirche rocken „Sheilas Little Sister“: In Zabo und am Nordostbahnhof locken schon länger Bands die Besucher zu den Kirchweihen, in Gostenhof war das Konzept heuer neu.
An der Dreieinigkeitskirche rocken „Sheilas Little Sister“: In Zabo und am Nordostbahnhof locken schon länger Bands die Besucher zu den Kirchweihen, in Gostenhof war das Konzept heuer neu.
An der Dreieinigkeitskirche rocken „Sheilas Little Sister“: In Zabo und am Nordostbahnhof locken schon länger Bands die Besucher zu den Kirchweihen, in Gostenhof war das Konzept heuer neu.

Die Bühne ist neu, das musikalische Programm bunt. Hinter einer klobigen Klaviatur haut Klaus McAusten in die Tasten. Ein Paar dreht sich zu Johnny Cashs Gassenhauer „Ring of Fire“, die Bierbänke unter freiem Himmel sind zur Hälfte besetzt.


In Lohe strotzt die Kärwa nur so vor Tradition: Das Dorf hält zusammen, auch beim Spanferkelaustanzen. Das Fest ist ein Treffpunkt für alle, rockige Klänge wären hier völlig fehl am Platz.
In Lohe strotzt die Kärwa nur so vor Tradition: Das Dorf hält zusammen, auch beim Spanferkelaustanzen. Das Fest ist ein Treffpunkt für alle, rockige Klänge wären hier völlig fehl am Platz.
Foto: Matejka
In Lohe strotzt die Kärwa nur so vor Tradition: Das Dorf hält zusammen, auch beim Spanferkelaustanzen. Das Fest ist ein Treffpunkt für alle, rockige Klänge wären hier völlig fehl am Platz.
In Lohe strotzt die Kärwa nur so vor Tradition: Das Dorf hält zusammen, auch beim Spanferkelaustanzen. Das Fest ist ein Treffpunkt für alle, rockige Klänge wären hier völlig fehl am Platz.
Foto: Matejka

Manfred Petzold beißt in einen amerikanischen Burger und erinnert sich an die Kirchweih vor 30 Jahren — als die umliegenden Kneipen mitgemacht haben, an den Straßenrändern noch mehr Buden und ein Festzelt standen. Mit den Jahren zogen sich allerdings immer mehr Schausteller zurück, das Fest dümpelte vor sich hin. In diesem Jahr drohte das Ende, hätte nicht Peter Bielmeier, der neue Pfarrer der Dreieinigkeitskirche, die Notbremse gezogen: Er organisierte federführend ein Blues- und Rockkonzept, wie es bereits in Zerzabelshof und am Nordostbahnhof erfolgreich ist.

„Jetzt ist endlich wieder mal was los“, freut sich Petzold. Der 61-Jährige lebt seit seiner Kindheit in Gostenhof. Musik habe es in den vergangenen Jahren bei der Kärwa gar keine mehr gegeben. „Und genau deshalb hat uns die Kirchweih nicht mehr gesehen — das Bühnenprogramm reißt’s halt raus“, sagt er.

Drei Bands hat Pfarrer Bielmeier mit Hilfe der Musikzentrale für die Bühne gewonnen. Sie haben Reggae, Folk, Pop und Funk im Repertoire — ein Magnet für viele junge Gostenhofer. Am Samstag heizten den Zuhörern „Sonnie Ronnie&the Shotguns“ mit Texas- und Bluesrock ein.

Doch nicht jeden Tag war das fünftägige Fest gut besucht — das wechselhafte Wetter spielte eine Rolle und der Wandel hat sich noch nicht überall herumgesprochen. Für Bielmeier ist aber klar: Die Stimmung war heuer besser als voriges Jahr. „Besonders beim Bieranstich am Freitag war viel los. Die Leute saßen bis 23Uhr“, freut sich der Pfarrer.

Auf die Frage, warum Gostenhof überhaupt ein neues Kärwa-Konzept brauchte, sagt Stefan Meier vom Bungee- Trampolin: „Im bunten Gostenhof mit seinen verschiedenen Kulturen zieht man mit einer traditionellen Kirchweih inklusive Baumaufstellen und Betzenaustanzen einfach keine Leute an.“

Dorfgemeinschaft prägt

Bielmeier schlägt in dieselbe Kerbe: Er will die Kärwa den Stadtteilbewohnern anpassen, nicht umgekehrt. Es ist ihm ein Dorn im Auge, dass das Stadtteilfest, das heuer für den 25.Juni geplant ist, jedes Jahr um eine Woche versetzt stattfindet. „Ich will beide Feste unter einen Hut bringen“, sagt er. Der Stadtverwaltung will der Pfarrer dazu noch einen Brief schreiben. Er stellt sich vor, einen Tag der Kirchweih an das Stadtteilfest abzutreten. „Die Veranstalter könnten dann auch die Bühne nutzen.“

Ortswechsel. Auch in Lohe im Knoblauchsland stieg die Kirchweih — allerdings streng traditionell mit Betzen- und Spanferkelaustanzen sowie einem bunt geschmückten Kirchweihbaum. Anders als die Menschen in Gostenhof, verstehen sich die Loher als Dorfgemeinschaft. Hier steht der gesamte Ort in der Pflicht, 80 Prozent der Loher lassen sich täglich im Festzelt oder vor den Buden und Fahrgeschäften blicken, erklärt Michael Schaller, Chef der Kirchweihburschen. „Hier helfen alle zusammen.“ Beispielsweise wenn sie in Trachtenkleidern den Baum im Reichswald fällen und mit Pferden von Neunhof, Kraftshof, Buch, Almoshof bis nach Lohe schleifen, wie schon vor 100 Jahren. Auf dem Weg wird auch der einen oder andere Schnaps getrunken, den Bewohner der Nachbarorten bereit halten.

Integration? „Wer sich ordentlich aufführt, ist bei uns willkommen“, sagt Gemüsebauer Schaller. Zudem schenken die Loher Landwirte zur Kärwa ihren Saisonarbeitern aus Polen und Rumänien Essens- und Getränkegutscheine. Schaller: „Die kommen dann und lassen es sich gut gehen.“

(Siehe Vorstadtbrille Seite 2)

 

VON ALEXANDER BROCK



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