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Rückkehr nach 25 Jahren

Ziegelsteiner Schulklasse traf sich zum großen Jubiläum - 07.08.2012 07:59 Uhr

Im Frühjahr 1937 wurde diese Jungenklasse in Ziegelstein eingeschult.

Im Frühjahr 1937 wurde diese Jungenklasse in Ziegelstein eingeschult. © privat/PR


Der harte Kern der über 40 Schüler, die 1937 in die erste Klasse der Volksschule in Ziegelstein kamen, besteht heute nur noch aus acht ehemaligen Kameraden. Die mittlerweile über 80-Jährigen haben sich 1987 wieder zusammengefunden und treffen sich seither dreimal im Jahr in einer reinen Männerrunde. Bei einem jährlichen Ausflug in die Fränkische Schweiz dürfen die Gattinnen ausnahmsweise mit. Dieses Jahr ist es nach Egloffstein in den Gasthof „Zur Post“ gegangen. Treffpunkt war die alte Grundschule in Ziegelstein.

Acht Ehemalige feierten Wiedersehen vor „ihrer“ Schule.

Acht Ehemalige feierten Wiedersehen vor „ihrer“ Schule. © Hippel


In „Matrosenanzügle und Lederhosen“ sind die alten Freunde hier am 12. April 1937 eingeschult worden. Und sie können sich sogar noch ihre allererste Schulstunde ins Gedächtnis rufen. „Wir haben gemalt und es wurden Geschichten erzählt. Also ein sanfter Übergang in den Ernst des Lebens“, witzelt Manfred Gutmann.

Das NS-Regime habe sich damals in der Schule bemerkbar gemacht. An ihre ersten Feierlichkeiten im Dritten Reich können sich die Männer gut erinnern. „Am 20.April, Hitlers Geburtstag, mussten wir singen und sein Bild schmücken. Jeden morgen wurde die Flagge gehisst“, erzählt Gutmann. Durch den Krieg wurde alles anders: Kinderlandverschickung, verschiedene Schulen, unterschiedliche Werdegänge. Man hat sich aber nie ganz aus den Augen verloren. „Nach der Schulzeit haben wir uns ab und zu in kleinen Gruppen getroffen“, sagt Gerhard Kropf. Seit dem 50-jährigen Einschulungsjubiläum finden mehrmals im Jahr Klassentreffen statt. Doch über was unterhält man sich nach all den Jahren noch? „Junge Damen sind mittlerweile Geschichte, jetzt geht es nur noch um Krankheiten und den Club“, lacht Franz Kurzdörfer.

Die Welt war klein

„Weißt du noch, damals“ heißt es oft in den Gesprächen. Nach wie vor schwelgen die Schulfreunde gerne in Erinnerungen. Im Vergleich zur heutigen Jugend seien sie sehr brav gewesen, erzählen sie. Streiche gab es wenige, immerhin habe ihnen die Prügelstrafe gedroht. „Wenn man zu spät kam, blühte einem der Stock“, so Emil Bayer. Ihre Welt sei klein gewesen, viel mehr als sich und ihren Stadtteil kannten sie nicht.

„Nach der Schule waren wir immer zusammen, haben gewebbelt oder sind in den Eichenwald zum Fußballspielen“, erzählt Gerhard Kropf. Dort habe der Emil einmal ein Feuer gelegt. „Er Emil hat immer gezündelt und einmal eine trockene Wiese angesteckt“, lacht Kropf. „Die Feuerwehr musste anrücken, aber keiner von uns hat je etwas verraten.“

Als langweiliger Rentnerklub, dessen Gespräche sich nur um die Vergangenheit drehen, wollen die acht Herren aber nicht gelten. „Wir erörtern gegenwärtige Probleme, reden über Politik und wenn es noch einen Sinn macht, auch über Fußball“, so Gutmann.

Insgesamt leben noch rund zehn der ehemaligen Klassenkameraden in Nürnberg, einige sind bereits verstorben, andere hat es weit weg verschlagen — bis nach Hannover und Frankfurt, einen sogar bis nach New York City.

Auch Emil Bayer war seinem Stadtteil 25 Jahre lang untreu. Nach seiner Pensionierung kam er aber sofort zurück in das Viertel seiner Kindheit. „Als Ziegelsteiner zieht es einen über kurz oder lang wieder hierher zurück.“ Und ganz klar: Das 80-jährige Einschulungsjubiläum haben die Freunde schon in Planung.

  

SIGRID SCHÜSSLER

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