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Scharfe Kanten neben der Peterskirche

Kindertagesstätte tritt selbstbewusst auf — Hier wurde geklotzt - 22.09.2012 08:59 Uhr

St. Peter  - Im Windschatten der Nürnberger Peterskirche, an der Hartmannstraße, liegt seit fast zwei Jahren eine neue Kindertagesstätte der Diakonie St. Peter. Sie sticht aus der Masse der zahllosen Bauten dieses Genres heraus, die in der letzten Zeit in großer Zahl entstanden sind.

Die denkmalgeschützte Mauer mit den feinen Sgraffiti umfasst den Garten der Kita.
Die denkmalgeschützte Mauer mit den feinen Sgraffiti umfasst den Garten der Kita.
Foto: Roland Fengler
Die denkmalgeschützte Mauer mit den feinen Sgraffiti umfasst den Garten der Kita.
Die denkmalgeschützte Mauer mit den feinen Sgraffiti umfasst den Garten der Kita.
Foto: Roland Fengler

Das neue Haus ist an die Stelle eines flachen und maroden Klinkerbaus aus den späten 1960er Jahren getreten, der nicht mehr zu sanieren war und außerdem viel zu klein für die Nachfrage im Viertel.

Es ist ganz anders, als es das Bild vom Windschatten vermuten lässt: Der leuchtend weiße Neubau von Architekt Martin Schinner (Brunner Architekten, Feucht) duckt sich keineswegs unauffällig hinter die neugotische Sandsteinkirche, an deren Portal die Verkehrsströme der Münchener und Harsdörffer Straße mit Getöse vorbeibranden. Er tritt außerordentlich selbstbewusst auf und scheut den harten Kontrast zur Kirche nicht. Ein architektonischer Ansatz, der richtig ist und oft zu weit besseren Ergebnissen führt als die vorsichtige Anpassung.


Das grüne Zimmer an der Harsdörfferstraße: Hier ist es laut, doch die Kinder lieben es.
Das grüne Zimmer an der Harsdörfferstraße: Hier ist es laut, doch die Kinder lieben es.
Das grüne Zimmer an der Harsdörfferstraße: Hier ist es laut, doch die Kinder lieben es.
Das grüne Zimmer an der Harsdörfferstraße: Hier ist es laut, doch die Kinder lieben es.

Hier freilich wurde geklotzt und am Ende doch ein wenig zu dick aufgetragen. Elegant ist dieses Gebäude für 76 Kinder nicht. Vor allem das Obergeschoss hätte man sich zierlicher gewünscht. Seine über eine offene Spielfläche gesetzten Teile wirken wie aus dem Baukasten zusammengesetzt

Es sind die weiß beschichteten Spanplatten, mit sparsamen Partien in Hellgrün und Grau, die das Bild prägen. Sie sind scharfkantig, mit einer wuchtigen Geometrie, die zum Kirchenschiff hin in Stufen durchaus rücksichtsvoll abfällt. Entstanden ist die Kita in Holzständerbauweise, die Platten umhüllen dieses tragende Gerippe mitsamt der dicken Isolierschicht.


Die Kirche, ganz nah: Durchs Oberlicht sieht man das neugotische Gotteshaus nebenan.
Die Kirche, ganz nah: Durchs Oberlicht sieht man das neugotische Gotteshaus nebenan.
Die Kirche, ganz nah: Durchs Oberlicht sieht man das neugotische Gotteshaus nebenan.
Die Kirche, ganz nah: Durchs Oberlicht sieht man das neugotische Gotteshaus nebenan.

Die Denkmalschützer, die das Bauen im Kirchhof überwachten, waren dem Vernehmen nach sehr einverstanden mit der eigenständigen Formensprache dieses Baus, der einen Kindergarten im Erdgeschoss und eine Krippe im ersten Stockwerk beherbergt und 1,3 Millionen Euro gekostet hat. Schön, dass die denkmalgeschützte Mauer mit ihren fein ziselierten Sgraffiti das weiße Haus und den Garten umfasst und optisch eine Verbindung mit der Peterskirche schafft.

Dem Lärm ausgesetzt ist eine große Terrasse im Obergeschoss des Flachbaus, das sogenannte grüne Zimmer. Vor Abstürzen schützt die Kleinen ein deckenhoher Maschendrahtzaun, der stellenweise grün berankt ist. Diese überdachte Freifläche ist bei den Kindern trotz der unvermeidlichen Dezibelbelastung beliebt. Autos gucken, das lieben sie, heißt es. An einer vergoldeten Betonscheibe entlang steigt man drinnen die Treppe hoch und sieht die Kirche durch ein großes Oberlicht auftauchen. Ganz nah. Ein schönes Bild.

Nächste ArchitekTour: Ein neues Geschäftshaus in der Königstraße.
 

  

CLAUDINE STAUBER

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