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Schweinau: Das Ende eines Traditionsvereins

Der TV 1860 Jahn/Schweinau wird wohl vom Post SV übernommen - 06.06.2012 07:59 Uhr

Cornelia Wild, Vorsitzende des TV 1860 Jahn/Schweinau ist zuversichtlich, dass die Verschmelzung des Traditionsclubs mit dem Post SV erfolgreich über die Bühne geht. Wenn nicht, sieht es für den Verein düster aus.

Cornelia Wild, Vorsitzende des TV 1860 Jahn/Schweinau ist zuversichtlich, dass die Verschmelzung des Traditionsclubs mit dem Post SV erfolgreich über die Bühne geht. Wenn nicht, sieht es für den Verein düster aus. © Matejka


„Ja, es stimmt. Die Verhandlungen über eine Verschmelzung mit dem Post SV laufen bereits seit einiger Zeit“, bestätigt die Vorsitzende des TV 1860 Jahn/Schweinau auf Anfrage. Hintergrund sind vor allem finanzielle Engpässe, die sich im Lauf der Jahre aufgeschaukelt haben. Die Rede ist mittlerweile von Verbindlichkeiten in Höhe von einer Million Euro. Eine Zahl, die Cornelia Wild, seit 2009 Vorsitzende des Vereins aber nicht kommentieren möchte.

Das größte Loch in die Vereinskasse riss sicher der Großbrand im Jahr 2008, bei dem der Umkleidetrakt, der Sanitärbereich und viele Ausrüstungsutensilien auf dem Gelände an der Daimlerstraße vernichtet wurden. Der Sportbetrieb ruhte fast eineinhalb Jahre, bis alles wieder aufgebaut war. Folge: Viele Vereinsmitglieder kehrten dem Club den Rücken. Von ursprünglich 1650 Mitgliedern zahlen heute gerade noch 850 Beiträge in die Vereinskasse.

Ehrenamtliche fehlen

Was dem TV 1860 Jahn/Schweinau aber noch zu schaffen macht, ist das Fehlen von genügend ehrenamtlichen Mitarbeitern, die das Angebot des Vereins organisieren und aufrechterhalten. Auch die Immobilien mit der Anlage am Schweinauer Buck und der Turnhalle im Hummelsteiner Weg müssen verwaltet werden.

Cornelia Wild: „Das alles ist für Ehrenamtliche kaum noch zu schaffen. Eigentlich müssten da Profis ans Werk gehen, die etwas von der Sache verstehen.“ Ein Problem, so Wild, mit dem sich aber der TV 1860 Jahn/Schweinau nicht alleine sieht. Viele kleine Vereine in der Stadt seien davon betroffen. Dabei kann der TV 1860 Jahn/Schweinau durchaus mit einem attraktiven Sportangebot aufwarten.

Die Fußballer spielen zwar in der untersten Liga, doch in den Sparten Tischtennis, Handball, Fechten und Trampolin-Turnen gab und gibt es durchaus Erfolge zu vermelden. Im September 2010 wurde das 150-jährige Bestehen des Vereins gefeiert.

Bis Ende August, so Vorsitzende Cornelia Wild, müssen die Gespräche mit dem Post SV über die Bühne sein. Dann werde es den Namen TV 1860 Jahn/Schweinau nicht mehr geben.

Beim Wunschpartner sieht man der angestrebten Verschmelzung positiv entgegen. Es geht darum, das Sportangebot im Nürnberger Süden zu erhalten und neue Felder hinzuzugewinnen, sagt Post-SV-Geschäftsführer Martin Waske. Immerhin habe der 16000 Mitglieder starke Post SV das Potenzial, inklusive festangestellter Sportlehrer, um vielleicht verloren gegangene Mitglieder des TV 1860 Jahn/Schweinau wieder ins Boot zu holen.

Wie die Verschmelzung ablaufen wird und wer in welcher Form die bestehenden Verbindlichkeiten übernimmt, will Waske derzeit nicht kommentieren. Vor Pfingsten hätten die letzten Gespräche stattgefunden. Jetzt sei der Bayerische Landessportverband (BLSV) am Zug. Schließlich seien ja auch öffentliche Gelder im Spiel, die der TV Jahn in den letzten Jahren in Anspruch genommen hat. Bis Mitte Juni soll das Gutachten auf dem Tisch liegen. Dann werde man sich wieder zusammensetzen.

  

REINHARD SCHMOLZI

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