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Herr Kirschner, sind Sie schon nervös so kurz vor Silvester?
Oliver Kirschner: Na ja, es kribbelt schon ein bisschen, weil das „Silvestival“ eine Premiere ist. Wir bewirtschaften die Katharinenruine und den Katharinensaal, 1500 Leute werden erwartet. Aber im Prinzip ist es wie bei jeder Großveranstaltung mit einem besonderen Thema. Als Gastronom sehe ich das als logistische Aufgabe. Lange vorher Personal engagieren, genug Waren beim Lieferanten ordern und genügend Wechselgeld besorgen.
Ist Silvester noch ein Großkampftag für die Gastronomie?
Kirschner: Auf jeden Fall! Die Bedeutung der Tage zwischen Weihnachten und Silvester hat gerade eine Umfrage unter Barkeepern bestätigt. Vom Umsatz sind sie wie Samstage plus x Prozent, was davon abhängt, wie die Gäste gelaunt sind. Es können schnell 20 bis 30 Prozent mehr als sonst sein.
Trinken die Leute an diesen Tagen etwas anderes als sonst?
Kirschner: Ehrlich gesagt, die Abweichung ist gering. Der Pina-Colada-Trinker wird keinen Champagner bestellen.
So ein Silvesterabend ist ja alkoholmäßig gefährlich. Wie fängt man am besten an?
Kirschner: Erfahrene Trinker sagen immer: nie mehr als ein alkoholisches Getränk pro Stunde — egal was. Wenn man die Zeit verkürzt und sich in einer Stunde drei Gin-Tonic reinpfeift, dann hat man schnell seinen „Seiher“, wie der Franke sagt. Ich rate zum Einstieg zu einem Prosecco.
Das heißt: Auch an Silvester sollte die Frage nicht „Sekt oder Selters“ heißen?
Kirschner: Ja, sondern Sekt und Selters! Wasser ist nämlich eine ganz wichtige Komponente bei der Aufarbeitung des Alkohols.
Gibt es einen Klassiker unter den Neujahrsbegrüßungsdrinks?
Kirschner: Wir haben zwar den Sekt-Cocktail „Happy New Year“, aber er ist nicht so verbreitet. Um Mitternacht wird vor allem Schaumwein bestellt, der Rest des Abends verteilt sich auf alle Getränkearten.
Gibt es gute Gründe, um zum Schampus zu greifen?
Kirschner: Das ist erst mal eine Frage des Geldbeutels. Ein Glas Champagner kostet mehr als das Doppelte als Sekt. Wer das ganze Jahr keinen Schampus trinkt, wird ihn an Silvester nicht wertschätzen. Da freut sich der Handel, aber ein guter Sekt tut’s auch. Wie ein spanischer Cava, ein fränkischer Winzer-Sekt oder ein Fürst Metternich — Hauptsache, er ist sehr kalt und extra trocken.
Ist der hohe Preis für Champagner gerechtfertigt?
Kirschner: Wenn man sich den Aufwand und die lange Lagerzeit anschaut, dann ja. Aber der Preis hat auch damit zu tun, dass die mengenmäßige Verfügbarkeit der Reben auf Grund der gesetzlichen Begrenzung des Anbaugebietes beschränkt ist und neue Märkte in Russland und China hinzukommen, wo es genug Neureiche gibt, die 250 Euro für einen Jahrgangschampagner bezahlen.
Eine aktuelle Untersuchung der Zeitschrift „Ökotest“ hat Schaumwein quer durch alle Preislagen mit „sehr gut“ bewertet. Überrascht Sie das?
Kirschner: Nein, Sekt ist ein absolutes Qualitätsprodukt, was die Herstellung und Sauberkeit angeht. Obwohl man in Europa keine großen Unterschiede beim Rohmaterial erwarten darf. Das ist wie bei einem VW — da hat man auch keine Einzelanfertigung.
Autofahrer müssen beim Trinken aufpassen. Was halten Sie vom alkoholfreien Sekt?
Kirschner: Naja, das ist Traubensaft mit etwas Industriekohlensäuere versetzt. Das überzeugt mich nicht. Dann lieber eine gute Fruchtsaftschorle. Wenn es etwas Spritziges sein soll, empfehle ich Grapefruitsaft mit Tonic-Water. Für fünf Euro gibt es ein tolles Mix-Buch für alkoholfreie Getränke von Franz Brandl.
Oder eine Bionade?
Kirschner: Der Erfolg von Bionade hat Türen geöffnet, er ist zur richtigen Zeit gekommen und hat Fanta abgelöst. Im Gelben Haus habe ich sie nicht mehr, ich biete englische Limonaden an und hoffe bald, meine eigene Limonade produzieren zu können.
Was raten Sie Hobby-Barkeepern, die an Silvester daheim mal was mixen wollen?
Kirschner: Wer eine Shaker-Garnitur hat, bei dem bietet sich ein Rum-Drink an, wie der „Planters Punch“. Man braucht weißen und braunen Rum, Zitronensaft, möglichst frisch gepresst, Sirup oder Zucker und ein paar gute Fruchtsäfte — das genügt.
Haben Sie selber einen Lieblingsdrink — unterm Jahr und an Silvester?
Kirschner: Mein Lieblingsdrink ist der Gin&Tonic. An Silvester muss ich aber meistens arbeiten, da trinke ich höchstens ein kleines Bier. Zu Hause ist es klassisch ein Glas Sekt und alles andere auf das Essen abgestimmt. Ich finde das Aufplustern zu Silvester aber schon etwas komisch. Wenn ich einen guten Wein oder einen Champagner mag, dann trinke ich ihn auch unter dem Jahr. Da muss ich nicht auf einen besonderen Anlass warten. Genuss ist für mich aber auch ein gutes Brot, gute Butter, ein gutes fränkisches Bier und vor allem die Zeit, die ich mir gönne. Das hat wenig mit Geld zu tun.
Letzte Frage: Was tun, wenn man an Silvester zu viel Alkohol erwischt hat?
Kirschner: Auf jeden Fall viel Wasser trinken, raus an die frische Luft und bei Kopfschmerzen eine Tablette mit A einnehmen. Am nächsten Tag eine einfache Suppe und Brot oder Zwieback essen — und keinen Alkohol. Die Geschichte von der „Bloody Mary“ für den echten Mann würde ich lieber nicht glauben.
Mehr Informationen über das Gelbe Haus in unserer Rubrik Essen und Trinken!
Mi. 23.05.12
Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12
Fr. 18.05.12
Do. 17.05.12