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Sie treffen sich seit 40 Jahren

Vier 90 Jahre alte Damen besuchten einst zusammen die Schule am Bielingplatz - 20.04.2012 07:59 Uhr

ST. JOHANNIS  - Sie sind eine lustige Runde, die vier alten Damen, die sich seit 40 Jahren regelmäßig einmal im Monat zum Ratschen treffen. Heuer werden sie alle 90 Jahre alt, was man ihnen aber nicht im entferntesten ansieht.

Vergnügt kramen sie gerne in gemeinsamen Erinnerungen (v.li.): Betty Seitz, Gertrud Reißer, Gunda Dölle und Rosi Grau wuchsen alle in St. Johannis auf.
Vergnügt kramen sie gerne in gemeinsamen Erinnerungen (v.li.): Betty Seitz, Gertrud Reißer, Gunda Dölle und Rosi Grau wuchsen alle in St. Johannis auf.
Foto: Michael Matejka
Vergnügt kramen sie gerne in gemeinsamen Erinnerungen (v.li.): Betty Seitz, Gertrud Reißer, Gunda Dölle und Rosi Grau wuchsen alle in St. Johannis auf.
Vergnügt kramen sie gerne in gemeinsamen Erinnerungen (v.li.): Betty Seitz, Gertrud Reißer, Gunda Dölle und Rosi Grau wuchsen alle in St. Johannis auf.
Foto: Michael Matejka

„Wir haben zusammen die Schule am Bielingplatz besucht“, erzählt Rosi Grau im Café des Betreuten Wohnens am Europaplatz. Hier treffen sich die vier Seniorinnen jeden ersten Donnerstag im Monat. Bei Pfefferminztee und Käsekuchen tauschen sie Erinnerungen aus.

Nach der Einschulung 1928 hatten sich die Mädchen aus St.Johannis schnell angefreundet. Sie spielten auf dem Schulhof zusammen – streng getrennt von den Jungen, die einen eigenen Eingang ins Schulgebäude nehmen mussten. Später gingen die Freundinnen zusammen zur Konfirmation.

Rohrstock gehörte dazu

„Wir hatten nur Lehrerinnen“, erinnert sich Rosi Grau, die auch mit 90 Jahren noch alleine wohnt und mit der Straßenbahn zu den Kaffekränzchen kommt. Alte Damen seien die Lehrerinnen allesamt gewesen, „und regelmäßig gab es mit dem Rohrstock etwas auf die Pfötchen“. Während Gertrud Reißer im Brustton der Überzeugung verkündet „Brav waren wir damals aber auch net“, widerspricht Gunda Dölle energisch: „Doch, waren wir schon!“

Nach Schulschluss gingen die Mädels damals ihrer Wege, „nachmittags haben wir mit den Kindern gespielt, die in der Nachbarschaft wohnten“, sagt Gunda Dölle. Als sie 1936 alle das Zeugnis der 8.Klasse in der Tasche hatten, verloren sich viele der Mädchen aus den Augen. „Es kam ja bald der Krieg und die Verdunkelungen, da ist man nicht mehr so viel weggegangen“, sagt Rosi Grau.

Sie lernte Verkäuferin, ebenso wie Freundin Betty Seitz. Die wurde im Krieg dienstverpflichtet und musste die Straßenbahn durch St.Johannis lenken.

Nach 1945, als der Bruder von Betty Seitz aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, begann eine ganz besondere Liebesgeschichte. Fritz traf sich gern mit ehemaligen Kriegskameraden zum Wandern oder Schwimmen. Schwester Betty war mit von der Partie und lud Freundin Rosi Grau mit dazu.

Der Fritz sei ja ein Schüchterner gewesen, sagt Rosi Grau und lächelt. Denn sie verliebte sich schließlich in den Bruder der Freundin. 1948 wurde geheiratet, Tochter Margit kam ein Jahr später auf die Welt.

Betty Seitz heiratete selber erst 1956, auch ihr Mann hieß Fritz. „Wir haben uns zu viert immer gut verstanden“, erzählen die Schwägerinnen.

Mann im Krieg vermisst


Gunda Dölle wurde Kindergärtnerin, ihr erster Mann ist seit dem Krieg vermisst, der zweite starb an Leukämie. „Ich habe mit Männern kein Glück gehabt“, sagt sie traurig. Gertrud Reißer arbeitete im Anwaltsbüro ihres Mannes mit.

Als sie alle fünfzigsten Geburtstag feierten, ergab es sich zufällig, dass die Freundinnen von damals wieder zusammenfanden. „Wir waren ganz schön neugierig aufeinander“, sagt Rosi Grau.

Anfangs saßen sieben ehemalige Bielingplatz-Schülerinnen zusammen, mittlerweile leben einige in Heimen und können nicht mehr kommen. „Wir besuchen sie aber“, sagt Gunda Dölle. Ein Rezept für so viel Rüstigkeit haben die vier alten Damen leider nicht. „Ganz ohne Probleme geht es doch nie“, sagen sie. Nur unterkriegen lassen dürfe man sich eben nicht.
  

Ute Möller

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