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Süße Maus im Glückswinkel

Konditor bietet feine Torten und Pralinen — „Für Kalorien bin ich nicht zuständig“ - 10.02.2012 07:59 Uhr

Nürnberg-Erlenstegen  - „Ich habe eine Leidenschaft für Süßes und die brauche ich auch für meinen Beruf“, sagt Udo Pierenkemper mit einem breiten Grinsen. „Laufend muss ich probieren und ich esse täglich meine zwei Stück Kuchen“, fährt der 57-jährige Konditormeister fort und beugt sich wieder über das Blech mit den Desserteiern.

Rechts eine Eierlikörtorte, links Champagner-Sahne: Konditormeister Udo Pierenkemper vorm Café Glückswinkel in der Zapfengasse 9 in Erlenstegen.
Rechts eine Eierlikörtorte, links Champagner-Sahne: Konditormeister Udo Pierenkemper vorm Café Glückswinkel in der Zapfengasse 9 in Erlenstegen.
Foto: Eduard Weigert
Rechts eine Eierlikörtorte, links Champagner-Sahne: Konditormeister Udo Pierenkemper vorm Café Glückswinkel in der Zapfengasse 9 in Erlenstegen.
Rechts eine Eierlikörtorte, links Champagner-Sahne: Konditormeister Udo Pierenkemper vorm Café Glückswinkel in der Zapfengasse 9 in Erlenstegen.
Foto: Eduard Weigert

Denn in der kleinen Backstube des Cafés Glückswinkel hat Ostern schon Einzug gehalten. Mit 40 verschiedenen Desserteier-Sorten wartet die Konditorei zur Osterzeit auf, „dafür kann man nicht von heute auf morgen den Grundstock legen“. Danach sind Präsenteier an der Reihe, die bis zu 40 Zentimeter groß sind, — und Schokohasen.

Wer auf Diät ist, sollte sich von dem urigen Häuschen in der Zapfengasse 9 lieber fernhalten, denn Nein sagen fällt hier schwer: Bei bis zu 20 verschiedenen Torten hat der Kunde am Wochenende die Qual der Wahl. Und was meint der Chef dazu? „Für Kalorien bin ich nicht zuständig“, winkt Pierenkemper ab und klopft sich auf seinen Bauch. „Wenn es gut schmecken soll, muss auch etwas rein!“


Je nach Saison wechselt das Kuchensortiment — aber die Mozarttorte mit Buttercreme und Pistazienmarzipan gibt es immer. Selbst im Sommer, wenn Pierenkemper die Zahl der schweren Torten zugunsten von Obstkuchen reduziert. „Sonst würde ich Ärger mit meinen Stammkunden kriegen“, sagt er augenzwinkernd.

Die beliebte Marzipanbombe beruht auf einem alten Familienrezept. Sein Vater, der die Konditorei im Jahr 1960 in Erlenstegen eröffnete, setzte damals vor allem auf Cremetorten. Inzwischen sind eher Sahnetorten angesagt, „die im Vergleich weniger Kalorien haben — man muss halt mit dem Zeitgeschmack gehen“.

Montag ist Ruhetag. An sechs Tagen die Woche steht Pierenkemper um fünf Uhr morgens in der Backstube und später hinter der Ladentheke. Das Gros seiner Kunden begrüßt er mit Namen. Man kennt sich und neben Prominenten aus dem Viertel wie Familie Wöhrl, Oliver Tissot, Sophie Rieger oder Konrad Biller, die hierher kommen, nehmen auch lokale Größen wie Kabarettist Bernd Regenauer für die leckeren Kuchen eine Autofahrt in Kauf. Udo Pierenkemper lebt seit 52 Jahren in Erlenstegen. Er mag die Ruhe hier, „zudem ist man schnell in der Stadt und schnell draußen in der Natur“. Der Konditormeister kennt unzählige Anekdoten und Geschichten. Gerne erzählt er ein Erlebnis mit einem „typischen Erlenstegener“: Ein Industrieller, der weltweit tätig ist, betrat mit seinem Sohn das Café. Sein Filius hatte bereits die 40 überschritten, aber an jenem Tag nicht genügend Geld dabei. Auf die Frage, ob sein Vater ihm fünf Mark leihen könne, antwortete dieser trotz eines prallen Geldbeutels: „Dann geh’ halt heim und hol’ dir was.“

Damals gab es auch schon die süße Erlenstegener Maus, die seit gut 20 Jahren hier zu Hause ist. Der Körper aus Nougat, der Kopf aus Marzipan — so verführt sie die Stadtteilbewohner. Diese kommen besonders gern bei warmen Temperaturen in den „Glückswinkel“, um Kaffee und Kuchen bei Vogelgezwitscher auf der Terrasse zu genießen.

„Fast alles ist möglich“

Das heimelige Café ist ein Familienunternehmen in der zweiten Generation. Udo Pierenkemper übernahm 1983 die Leitung und hofft, dass sein Sohn, der seit sechs Jahren im Betrieb mitarbeitet, in seine Fußstapfen tritt. Das Angebot reicht von Hochzeitstorten („fast alles ist möglich“) über Fruchtaufstriche bis zu Pralinen. Er bietet Klassiker wie Nougat- oder Rum-Pralinen, zeigt sich aber auch erfinderisch und überrascht mit eigenwilligen Schöpfungen wie Absinth, Karamell-Balsamico oder seine jüngsten Kreationen Blutorange-Sanddorn und Honig-Lavendel — insgesamt 15 Sorten, an Weihnachten auch mehr.


Und warum Glückswinkel? Ganz einfach: „Ehemals war der Laden eine Bäckerei — der Lebensgefährte der Eigentümerin hieß Glück. Ebenso der Architekt, der das Haus nach einem Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg 1948 wieder auf Vordermann brachte — sie waren übrigens nicht verwandt“, ergänzt Udo Pierenkemper. „Im Nachbarhaus lebten drei Fräuleins namens Glück. Und so dachte sich mein Vater: Das ist ein rechter Glückswinkel hier.“

Trotz treuer Stammkunden bekommt auch die Konditorei die Ausbreitung der Bäckereiketten zu spüren. Die Lage am Stadtrand sei generell nicht so günstig, meint Pierenkemper. Denn: „Jede Biene sticht — nur mein Bienenstich nicht.“

Mehr Informationen über das Café Glückswinkel in unserer Rubrik Essen und Trinken! 

CLAUDIA BEYER

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