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Der Bauherr ist ein Mitteleschenbacher Bauträger, der im Alltagsgeschäft die Landschaft mit schlüsselfertigen Eigenheimen vollstellt, wie es sie in jedem Katalog von der Stange gibt. Ein Architekt hat sich an dem kompliziert geschnittenen Eckgrundstück versucht, flog aber wegen mangelnder Qualifikation aus dem Rennen. Ein renommiertes Nürnberger Büro (Baum Kappler Architekten) hat den verlangten Entwurf schließlich angefertigt. Umgesetzt haben ihn Dritte.
Das Ergebnis: Auf dem letzten Ruinengrundstück der Altstadt ist ein übermäßig hoher, massiver Baukörper entstanden, der den Raum bis zum letzten Quadratmeter unterm Satteldach ausnutzt. Wirtschaftlich betrachtet ist das Projekt womöglich gelungen. Architektonisch überzeugt es leider nicht.
Das Traurigste: Das Erdgeschoss an beiden Seiten wirkt mausetot. Mit meterlangen altrosa Wänden und drei Kipptoren als Autozufahrt sieht es aus wie Kaufhof von hinten. Ein parterre abgesägtes Eck, über dem das rechtwinklige Mehrfamilienhaus scharfkantig herausragt, verstärkt diesen Eindruck zusätzlich.
Die teuren Eigentumswohnungen darüber (175 Quadratmeter kosten über eine halbe Million Euro) wären ohne Garagen im Haus kaum zu verkaufen gewesen. Für viel Geld ablösen wollte man die vorgeschriebenen Parkplätze deshalb nicht. Also musste der Stadtraum dran glauben.
Selbstverständlich steht auch dieser architektonische Neuzugang unter Ensembleschutz. Rätselhaft: Der Baukunstbeirat hat die Pläne nie gesehen. Die Denkmalschützer durften bei Dachgauben, Biberschwanzziegeln und Fassadenfarbe mitreden, die in dieser Gegend von den Schattierungen des Sandsteins abgeleitet werden muss.
Den Rest regelt die schon vor Jahren von reglementierenden Gestaltungsvorschriften befreite bayerische Bauordnung. Wenn man da noch von regeln sprechen kann. Auf mündige Bauherren hat man gesetzt, doch gewiefte Rechner bauen bloß ökonomisch.
Die Sache habe genehmigt werden müssen, vernimmt man aus dem Baureferat und hört ein „leider“ heraus. So war auch an dem unmotiviert angesetzten dunklen Glaserker zur Tuchgasse hin nicht zu rütteln, der wie ein Turm über die Dachtraufe hinausragt und aussieht wie ein prächtiger Fahrstuhl. Dass er nur bis zum ersten Stock hinunterreicht, belehrt den Betrachter eines Besseren. Kein Aufzug, sondern der Versuch, den Bewohnern um jeden Preis den Blick zum Hauptmarkt zu ermöglichen. Auch das fördert den Verkauf.
Wo Ost-West- und Nord-Süd-Teil aneinanderstoßen, ist das Gewürge besonders groß. Auch hier musste noch ein Balkönchen hingequetscht werden. Vier klobige Betonbalkone hängen an der Nordfassade. Von Westen her wird’s hier eines Tages duster werden, denn hier soll der Augustinerhof stehen. Sein provinzielles Gegenüber wird der Entwurf von Architekt Volker Staab in jeder Hinsicht in den Schatten stellen.
Nächste ArchitekTour: Ein neues Bürohaus in Erlenstegen.
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