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"Unsere Sorgen spielen doch keine Rolle"

Fan-Park zur EM: Viele Anwohner der Wöhrder Wiese fürchten Lärm und Dreck - 07.06.2012 08:59 Uhr

Schon über eine Woche vor Beginn der Fußball-EM blockierte der Aufbau des Fan-Parks die Wöhrder Wiese. Die sei viel zu lange für die Naherholung nicht zu nutzen, kritisieren Anwohner.

Schon über eine Woche vor Beginn der Fußball-EM blockierte der Aufbau des Fan-Parks die Wöhrder Wiese. Die sei viel zu lange für die Naherholung nicht zu nutzen, kritisieren Anwohner. © Matejka


Hans Wiskow hat früher für das Sportmagazin kicker über Fußball berichtet. Man kann dem 71-Jährigen also nicht nachsagen, dass er etwas gegen Deutschlands beliebtesten Mannschaftssport hat. Doch beim Blick auf die Wöhrder Wiese, wo der Veranstalter werk:b events aus Altdorf Zäune, Technik und Imbiss-Stände auf das Grün wuchtet, damit ab 8. Juni 30000 Fans die EM-Spiele gucken können, runzelt Wiskow die Stirn. Er verstehe ja, dass die Stadt für den Fan-Park einen „Ort mit Flair und guter Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr“ will. „Aber die Anwohner der Wöhrder Wiese müssen dafür ganz schön viel aushalten.“

Lärm teilweise bis drei Uhr früh, Stehpinkler unter dem Küchenfenster: Vor zwei Jahren, als auf der 62 Quadratmeter-Leinwand die Spiele der Fußball-WM in Südafrika zu sehen waren, hielten einige Nachbarn von Hans Wiskow die Nebenwirkungen des Public Viewings kaum aus. Einer verreiste, nachdem er am ersten Spieltag in seinem Wohnzimmer der Fernsehübertragung nicht folgen konnte, weil die Beschallung von der Wöhrder Wiese lauter war. „Eine Massenveranstaltung nur 20 Meter vor unserer Haustür — dass so etwas genehmigt wird, geht mir nicht in den Kopf“, schimpft der Rentner.

Aufgestaute Wut

Im Vogelsgarten wohnen viele ältere Menschen, auch pflegebedürftige. Sie können dem Lärm nicht entfliehen. 2010 hatten Anwohner versucht, sich mit Unterschriften gegen das öffentliche Fußballgucken zu wehren. Heuer habe er sich schon im Frühjahr an die Stadtverwaltung und auch an Lokalpolitiker gewendet, erzählt ein Rentner, der seit 30 Jahren hier wohnt. „Aber wir bekamen keine Informationen, unsere Sorgen spielen ja auch keine Rolle.“ Er habe resigniert. „Unsere Wohnqualität wird kaputt gemacht.“

Der Name von Oberbürgermeister Ulrich Maly hat in vielen Haushalten am Vogelsgarten keinen guten Klang mehr. „Herr Maly möchte unbedingt in der Innenstadt das Fußballspektakel, an uns denkt er dabei nicht“, heißt es. Warum die Großleinwand nicht an der Steintribüne, am Volksfestplatz oder am Luitpoldhain aufgebaut werden kann, verstehen viele Anwohner nicht.

Katrin Willinger gehört zu denen im Vogelsgarten, die sich mit der Fußball-Party anfreunden können. Die Mutter eines kleinen Jungen sagt: „Die Aktion ist ganz schön, vor zwei Jahren lief es sehr friedlich ab und die Stimmung hat mir gefallen.“ Klar, es sei laut. „Man wacht schon mal um Mitternacht von den Tröten der Fans auf“. Aber Katrin Willinger mag es, wenn die Stadt lebt.

„Viel nerviger finde ich, dass wir an der Wöhrder Wiese fast jeden Samstag Lärm haben“, sagt die 35-Jährige. Privatfeiern in der kleinen Kneipe am Goldbach, Partys der Fachhochschule oder schlicht Angeheiterte, die an Sommerabenden auf dem Rasen chillen — „hier geht es oft laut zu“.

Einen Nachteil habe das Fußball-Spektakel aber: „Ein ziemlich großes Stück der Wiese kann den ganzen Sommer über nicht genutzt werden und fehlt auch den Müttern, die sich gern auf der Wöhrder Wiese treffen.“ 2010 dauerte es zwei Monate, bis der Veranstalter nach dem Massenauflauf der Fans den Rasen wieder repariert hatte.

Die Macher des Erfahrungsfeldes zur Entfaltung der Sinne und auch der Wirt des Biergartens auf der Wöhrder Wiese sehen dem Event gelassen entgegen. Man könne mit dem Veranstalter gut zusammenarbeiten und habe aus den Erfahrungen von 2010 gelernt, heißt es. Für das Säubern der Wiese ist werk:b events zuständig. Der städtische Servicebetrieb schaut darauf, dass auch die Wege sauber sind.

  

UTE MÖLLER

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