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Frau Linke, unzählige Stromanbieter werben in Internetforen und im Fernsehen mit lohnenden Rabatten in erheblicher Höhe. Lohnt sich ein schneller und angeblich problemloser Wechsel per Mausklick?
Gisela Linke: Auch wir haben aufgerufen zu wechseln, um den Markt anzukurbeln. Grundsätzlich ist das schon richtig, wenn man den Anbieter wechseln möchte, weil der bisherige immer teurer wird.
Allerdings gibt es ein großes Aber, denn so problemlos ist der Wechsel offenbar nicht.
Linke: Ja. Man muss aufpassen und sich gut informieren und einige wichtige Dinge beachten.
Mit einem Mausklick ist das also nicht getan?
Linke: Genau. Wir empfehlen, genau zu recherchieren, bevor man einen neuen Vertrag abschließt und die Konditionen des neuen Anbieters zu hinterfragen. Der Günstigste muss nicht immer der Beste sein. Da gibt es einige Haken.
Welche zum Beispiel?
Linke: Man muss sich die Vertragsbedingungen genau ansehen und das Kleingedruckte lesen. Auch wenn das lästig ist und Zeit kostet. Es geht nicht ohne. Am besten ist es, man setzt sich mit dem ausgewählten Anbieter direkt in Verbindung, um die Details zu klären. Wir empfehlen: Ein Jahr Laufzeit, keine Vorkasse und einen Monat Kündigungsfrist. Und die Zusage, dass in dem einen Jahr der Strompreis nicht erhöht wird.
Aber die Tarifrechner im Internet sagen mir doch auch alles, was ich wissen muss.
Linke: Die Rechner sind zwar ein praktisches Hilfsmittel und sagen mir, wer der Billigste ist. Sie übernehmen aber keine Gewähr für die dargestellten Konditionen.
Und die bekannten Internetportale verdienen mit. Kann man sich da noch auf die Angaben verlassen?
Linke: Das sind eben auch Gewerbetreibende. Die verdienen an jedem Kunden, den sie erfolgreich an einen neuen Stromanbieter vermitteln.
Die verschiedenen Anbieter übertrumpfen sich mit Rabatten für Neukunden. Ist das wirklich immer das Schnäppchen, wonach es aussieht?
Linke: Der Bonus wird nur für das erste Jahr bezahlt und nach Ablauf dieses Jahres auch verrechnet. Wer sich dann die Kosten für das Folgejahr ansieht, wird oft erkennen, dass man einen Anbieter gewählt hat, der möglicherweise teurer ist, als der bisherige. Man muss also gut aufpassen und die Kündigungsfristen genau einhalten. Und dann darauf bauen, dass der Bonus auch ausgezahlt wird.
In Fachkreisen nennt man das Stromanbieter-Hopping. Einige Lieferanten weigern sich schon, mit solchen Dauer-Wechslern Verträge abzuschließen.
Linke: Das kann gut sein. Bei uns ist allerdings noch kein solcher Fall bekanntgeworden.
Haben sich denn bei Ihnen die Beratungsfälle gehäuft?
Linke: In der Rechtsberatung haben wir gut zu tun. Das kann man sagen. Die Leute haben etwa Probleme mit Vertragsabschlüssen, Bonuszahlungen und Vertrags-Widerrufen.
Und wer sich vorher informieren möchte?
Linke: Da empfehle ich die Energieberatung der Verbraucherzentrale. Die sind übrigens kostenlos unter der Rufnummer 0800/809802400 (Mo.—Do. 8—18 Uhr, Fr. 8—16 Uhr) zu erreichen.
Infos:
Wer einen Termin bei der Rechtsberatung der Nürnberger Verbraucherzentrale vereinbaren möchte, kann dies donnerstags von 14.30 bis 17 Uhr unter Telefon (0911) 2426512 tun. Informationen gibt es auch beim Bund der Energieverbraucher unter Telefon (02224) 92270 oder online: www.energieverbraucher.de
In unserer Fotoserie "Mittags in der Stadt" finden Sie an den fünf Werktagen ein aktuelles Foto aus Nürnberg.