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Wein und Brände kreativ verfeinert

Heinz Bickes verarbeitet sein Obst zu edlen Tropfen - 21.12.2012 07:59 Uhr

BUCHENBÜHL  - Heinz Bickes aus Buchenbühl ist ein Selbstversorger par excellence. Kaum eine Obst- oder Gemüsesorte, die er und seine Frau nicht auf ihrem 2000 Quadratmeter großen Grundstück anbauen. Was an Früchten nicht frisch verbraucht wird, verarbeitet Bickes gern zu Wein oder er lässt edle Schnäpse daraus brennen.

In diesen Ballonflaschen setzt Heinz Bickes Rot-, Rosé- und Weißwein an. Der Gärprozess braucht Zeit und Sorgfalt.
In diesen Ballonflaschen setzt Heinz Bickes Rot-, Rosé- und Weißwein an. Der Gärprozess braucht Zeit und Sorgfalt.
Foto: Eduard Weigert
In diesen Ballonflaschen setzt Heinz Bickes Rot-, Rosé- und Weißwein an. Der Gärprozess braucht Zeit und Sorgfalt.
In diesen Ballonflaschen setzt Heinz Bickes Rot-, Rosé- und Weißwein an. Der Gärprozess braucht Zeit und Sorgfalt.
Foto: Eduard Weigert

Wenn aus dem Schlot des Gartenhäuschens Rauch aufsteigt, wissen die Buchenbühler: „Aha, der Bickes ist wieder am Werkeln!“ Dann hat der 72-Jährige den Ofen angeschürt, damit es seine Weinballons auch schön warm zum Gären haben. „Es kommt schon mal vor, dass der eine oder andere Nachbar dann bei mir reinschaut, um zu gucken, wie weit der Wein ist“, schmunzelt Bickes. Aber gut Ding will Weile haben. Bis der edle Tropfen fertig ist, braucht es viel Geduld und jede Menge Fingerspitzengefühl, denn der Gärprozess ist ein sensibler Vorgang. „Wenn man da nicht aufpasst, hat man schnell Essig.“


Weißwein, Rosé und Dornfelder aus roten Trauben sowie Apfelwein hat Bickes in diesem Jahr in großen Glasballons angesetzt, die bis zu 50 Liter fassen. Die Flüssigkeiten schillern in warmen Gelb- und Rottönen, am leichten Blubbern im Flaschenhals kann man gut erkennen, dass der dem Saft zugesetzte Zucker noch fleißig Alkohol produziert. Hat sich bereits Hefe am Flaschenboden abgesetzt, wird der Wein „abgezogen“, die Hefe vom klaren Wein getrennt. Gut sechs Monate dauert es etwa, bis man sich das erste Schlückchen genehmigen kann.

Die Quintessenz seiner Gartenfrüchte lässt Heinz Bickes in einer Schnapsbrennerei in Hetzles bei Erlangen in die Flasche zaubern. Denn selbst Spirituosen herzustellen, ist in Deutschland streng verboten, auch für den Hausgebrauch. Seine eigenen Ideen darf der Pensionär allerdings dabei schon einbringen. Seine neueste Kreation: eine Obstlermischung, gebrannt aus je einem Drittel Quitten-, Birnen- und Apfelwein. Auch Zwetschgen und Mirabellen hat er so schon „vergeistigt“.


Die Lust, Neues auszuprobieren, hat Bickes mit den Jahren nie verloren. „Die Ideen kommen mir spontan, meist geht es dabei darum, bereits Vorhandenes zu verfeinern“, erklärt der 72-Jährige. In diesem Jahr versucht er das erste Mal, aus seinem Apfelwein Sekt herzustellen. Noch lagern die Flaschen schräg in einem Kasten und müssen regelmäßig fachkundig gedreht werden. Man kennt das von der Champagnerherstellung. Feinperlig und mild soll das Ergebnis in ein paar Wochen dann sein.

Süß und süffig sind dagegen die Liköre, die Ehefrau Marie Luise aus den selbst gemachten Obstbränden herstellt. So kommen etwa die Holunderbeeren des Sommers, konzentriert und mit Zimt und Vanille versetzt, ganz weihnachtlich daher. Kompliziert? „Ach, das ist gar nicht schwer und der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt“, meint sie (siehe Rezept).

Eine Sache liegt den Bickes in Sachen Selbstversorgung besonders am Herzen: dass das Wissen, wie man Lebensmittel selbst herstellt, nicht verloren geht. Deshalb öffnen sie gerne ihre Gartenpforten, besonders die Kinder aus dem Stadtteil sind immer wieder eingeladen, um gemeinsam mit Heinz Bickes Apfelsaft zu pressen, Kartoffeln zu setzen und zu ernten oder um Erbsen zu pulen. „Viele Kinder wissen heute einfach nicht mehr, wo Erbsen überhaupt herkommen“, meint der ehemalige Zahntechniker und passionierte Gärtner. Eine ganze Wand voller Dankesbriefe und Kinderbilder in seinem Schuppen zeugt davon, dass die Kleinen offenbar riesig Spaß hatten.

Sehr beliebt bei den Erwachsenen ist das Krautfest, das der Buchenbühler Siedlerbund alljährlich im Garten der Familie Bickes veranstaltet. Heuer haben dort 240 Buchenbühler gemeinsam Kraut gehobelt und Sauerkraut hergestellt. So bleiben Traditionen lebendig.

  

VON MANUELA PRILL

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