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Wo der alte Sandstein zum Dekor verkommt

Die Sanierung der Reithalle in der Bärenschanzstraße hat den denkmalgeschützten Dachstuhl zum sinnentleerten Relikt gemacht - 24.11. 05:55 Uhr

Nürnberg  - Das echte Alte dem echten Neuen gegenüberstellen. So umreißt Architekt Artur Asam (att Architekten) seinen Plan beim Umbau der alten Reithalle in der Bärenschanzstraße, der vor eineinhalb Jahren abgeschlossen wurde. Gelungen ist, was er auf seiner Internetseite so ambitioniert formuliert, nur zum Teil.


Über dem klassizistischen Hallenbau ragt dunkel der Neubau auf, der in die alten Sandsteinmauern eingesetzt wurde.
Über dem klassizistischen Hallenbau ragt dunkel der Neubau auf, der in die alten Sandsteinmauern eingesetzt wurde.
Foto: Karlheinz Daut
Über dem klassizistischen Hallenbau ragt dunkel der Neubau auf, der in die alten Sandsteinmauern eingesetzt wurde.
Über dem klassizistischen Hallenbau ragt dunkel der Neubau auf, der in die alten Sandsteinmauern eingesetzt wurde.
Foto: Karlheinz Daut

Zwar wurde das „echte Alte“, der klassizistische Hallenbau von 1860, vorbildlich saniert und erhalten. Es war eine Ruine, über deren Abriss immer wieder verhandelt worden war, für die es hier denkmalgerechte Lösungen und natürlich auch Kompromisse zu finden galt. Doch das Ergebnis enttäuscht, der lisenengeschmückte Sandstein dient nur als dekorative Hülle für schicke Loftwohnungen, die völlig ohne Verbindung zu ihrem denkmalgeschützten Gewand bleiben.

Auf den ersten Blick ist das gut gemacht; wer würde hier nicht wohnen wollen in der von der Bärenschanzstraße abgelegenen, ruhigen Anlage mit der geschichtsträchtigen Aura? Kleine Gärten oder Dachterrassen, der Blick durch bodentiefe neugotische Fenster und der Privatparkplatz vor der Tür, Ruhe und Abgeschiedenheit mitten in der Stadt, das alles sind Faktoren, die denkmalschützerische Bemühungen zur lohnenden Investition werden lassen. 6,3 Millionen Euro wurden in den Altbau gesteckt, weitere zwei Millionen in den angeschlossenen Neubau im Norden. Insgesamt sind 20 Appartements entstanden.


Ein gläsernes Treppenhaus verbindet den Altbau mit dem neuen Wohnkomplex.
Ein gläsernes Treppenhaus verbindet den Altbau mit dem neuen Wohnkomplex.
Foto: Karlheinz Daut
Ein gläsernes Treppenhaus verbindet den Altbau mit dem neuen Wohnkomplex.
Ein gläsernes Treppenhaus verbindet den Altbau mit dem neuen Wohnkomplex.
Foto: Karlheinz Daut

Problemlos haben sich die teuren Wohnungen in Gostenhof verkauft, veredelte alte Bausubstanz ist bei solventen Käufern überaus begehrt, Projekte wie die Post-Stadt an der Kleestraße oder der geplante Umbau der prächtigen Humboldt-Säle an der Humboldtstraße belegen das.

Als „Cavallestro“ hat die Maiberg Wohnbau das Areal nicht von ungefähr vermarktet, und damit auf das Königlich Bayerische 1. Chevauleger-Regiment angespielt, das in der Reithalle bis 1918 exerzierte und im Volksmund lässig die „Schwollis“ genannt wurde. Danach nutzte die Landespolizei, später die Wehrmacht das Gebäude. Die Verkaufsstelle vereinigter Installateure nutzte das Gebäude nach dem Zweiten Weltkrieg als Lager- und Verkaufsraum. Zuletzt gehörten die 2000 Quadratmeter dem Freistaat.


Holzkonstruktion und eiserne Unterzüge haben nichts mehr zu tragen.
Holzkonstruktion und eiserne Unterzüge haben nichts mehr zu tragen.
Foto: Karlheinz Daut
Holzkonstruktion und eiserne Unterzüge haben nichts mehr zu tragen.
Holzkonstruktion und eiserne Unterzüge haben nichts mehr zu tragen.
Foto: Karlheinz Daut

Der massivste Eingriff: Das gewölbte Dach wurde entfernt, um den kantigen Würfel des Neubaus aufzunehmen, der jetzt an seiner Stelle dunkel aus der alten Hülle ragt. Der Dachstuhl wurde von Cramer-Kletts Maschinenbau-AG Nürnberg gefertigt und musste erhalten werden. So kommt es, dass in den oberen Etagen Eisenstangen und hölzerne Träger offen liegen, die nichts mehr zu tragen haben und deren Funktion nicht mehr nachzuvollziehen ist. Auch entlang der Zugänge zu den oberen Wohnungen sind zwischen neuem Kubus und Halle schwere Balken mit eisernen Unterzügen freigelegt worden. Eine lange Reihe von Relikten. Ins Erdgeschoss wurden im Rhythmus der vorhandenen schmalen Fenster Zugänge zu den Wohnungen, an der Rückseite zu den kleinen Gärten gebrochen. Es sind dunkle Hohlräume, die trist wirken und verraten, dass das Innere mit dem Äußeren wenig zu tun hat.

Auch der einstige Eingang an der schönen Giebelfront mit seinen stumpfen Säulen ist kein Eingang mehr. Er belichtet, zart vergittert, eine Privatwohnung. An beiden Seiten der Wand zwei restaurierte Pferdeköpfe im Profil, die stumm Vergangenes zitieren. Diese Halle wäre ein schöner Veranstaltungsraum geworden, dessen kunstvoller Dachstuhl so seine Funktion behalten hätte. Den Plan gab es durchaus, Geld wollte dafür niemand ausgeben.

Zum Positiven: Der mit einem gläsernen Treppenhaus angedockte Neubau, dunkel eloxiert wie sein Nachbar im oberen Bereich, ist elegant und durch sparsam gesetzte Fenster und Vorsprünge unaufgeregt gestaltet. Hier steht, siehe oben, das „echte Neue“ dem Alten tatsächlich gegenüber.

Nächste ArchitekTour: Das neue Welpenhaus des Tierschutzvereins.
  



Claudine Stauber

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